DIE ZEIT: Herr Weidmann, viele Banken in Europa sind in Schwierigkeiten. Müssen sie wieder vom Steuerzahler gerettet werden?

weidmann ccJens Weidmann: Das ist nicht meine Interpretation des Banken-Stresstests, der am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde. Er hat vielmehr gezeigt, dass die Institute in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalbasis gestärkt und Risikopositionen abgebaut haben. Die europäischen Banken sind deshalb insgesamt gerüstet, den im Stresstest unterstellten, sehr ungünstigen Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung zu widerstehen. Aber klar ist auch: Einige Banken müssen zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um ihre Ertragskraft zu stärken. Das gilt nicht zuletzt für einige deutsche Finanzinstitute. Und eine italienische Bank hat ja bereits am Tag der Stresstest-Veröffentlichung ihren Plan bekanntgegeben, wie sie ihr Eigenkapital stärken und ihre Krise überwinden möchte.

DIE ZEIT:
Ist dieser Plan der Bank Monte Dei Paschi, der eine Rettung durch den Finanzsektor vorsieht, aus Ihrer Sicht eine nachhaltige Lösung?

 Weidmann: Grundsätzlich ist es doch immer zu begrüßen, wenn ein Weg beschritten wird, bei dem der Privatsektor und nicht der Staat zusätzliches Eigenkapital bereitstellt. Durch die angekündigte Auslagerung notleidender Kredite dürfte sich außerdem die Qualität der Bilanz verbessern. Die Finanzmärkte haben ja am Montag zunächst auch recht positiv auf die Nachricht reagiert. Den Rest des Beitrags lesen »