Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Posts Tagged ‘Stadler’

CORONA UND DIE „FRUGAL FOUR“

Posted by hkarner - 27. Mai 2020

Wilfried Stadler, Kurier 27-5-2020

„Frugal“ ist in unserer deutschen Sprache ein doppeldeutiger Begriff. Er kann ebenso üppig bedeuten wie karg. Im Englischen steht er hingegen eindeutig für sparsam. Diese Unterscheidung muss uns erst interessieren, seit es die „frugal Four“ gibt. Die aus Schweden, Dänemark, Holland und Österreich bestehende Gruppe von Nettozahlern hatte schon gemeinsam um Punkte hinter dem Komma gekämpft, als es um die Beiträge zum nächsten Sieben-Jahres-Haushalt ging. Letztstand vor der Nicht-Einigung im Februar: 1,074 Prozent der Wirtschaftsleistung.  Nun stellen sich die „sparsamen Vier“ gegen den von Frankreichs Präsident Macron initiierten und von Kanzlerin Angela Merkel nach anfänglichem Widerstand doch mitgetragenen 500-Milliarden-Plan für den „Wiederaufbau“ Europas.

Das Rettungspaket sieht vor, den Großteil des zur Aufstockung des EU-Haushaltes über langfristige Anleihen aufgebrachten Geldes in Form von Zuschüssen zu verteilen. Die Rückzahlung wäre ab dem zehnten Jahr überwiegend aus zusätzlichen Beiträgen zum EU-Haushalt zu bestreiten. Die sparsamen Vier bestehen im Gegensatz dazu auf der Verteilung dieser Mittel in Form von zinsgünstigen Darlehen, die viel später, aber eben doch, von ihren Verwendern wieder zurückzuzahlen wären. Den Rest des Beitrags lesen »

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CORONA WIRD ZUM PRÜFSTEIN DER EU

Posted by hkarner - 23. Mai 2020

FURCHE-Kolumne 293, Wilfried Stadler

Aus der Not eine Tugend zu machen, gehört zu den menschlichen Eigenschaften, die uns durch die Evolution getragen haben. Deshalb sollten wir die zuletzt krisenbedingt erhöhte Verschuldungsbereitschaft in den Staatshaushalten sinnvollerweise gleich auch für das Erreichen der Klimaziele nutzen. Die notwendigen Mittel für Forschung, ökologische Projekte und nachhaltige Infrastruktur sind nun – „Koste es, was es wolle“ – jedenfalls deutlich schneller mobilisierbar, als das noch vor einem Jahr denkbar gewesen wäre.

Daraus abzuleiten, dass der Corona-Schock eine „einzigartige Chance“ wäre, wie das zuletzt sogar der sonst so weltkluge Philipp Blom behauptet, ist allerdings wirklichkeitsfremd. Die wirtschaftlichen Folgeschäden samt der Existenzgefährdung von Millionen Mitmenschen sind nämlich so massiv, dass die Weltenrettung dadurch insgesamt wohl eher aufgeschoben als beschleunigt wird. Den Rest des Beitrags lesen »

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EIN URTEIL MIT ANSTECKUNGSGEFAHR

Posted by hkarner - 9. Mai 2020

FURCHE-Kolumne 292, Wilfried Stadler

Das hat gerade noch gefehlt! Als hätte Europa mit der Bewältigung der massiven wirtschaftlichen Folgen der COVID19-Pandemie noch nicht genügend Sorgen, müssen wir ab sofort auch eine Welle gegenseitiger Ansteckung hoch verschuldeter Euro-Länder fürchten, wie sie aus der Eurokrise noch schmerzhaft in Erinnerung ist.

Auslöser dafür ist das jüngst ergangene, harsche Urteil des deutschen Verfassungsgerichtshofs, in dem er die seit 2015 betriebenen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) für unzulässig, weil „kompetenzwidrig“ erklärt. In einem früheren Streit um ein 2013 zur Euro-Rettung eingesetztes Vorgängerprogramm war der Europäische Gerichtshof (EuGH) noch zu einem positiven Urteil gekommen, mit dem sich die deutschen Verfassungshüter abzufinden schienen. Diesmal holten sie jedoch weiter aus und stellten die geldpolitische Urteilskraft des EuGH gleich grundsätzlich in Frage. Zwei zentrale, bisher unangefochten souverän agierende europäische Institutionen geraten damit in massiven Rechtfertigungsdruck gegenüber dem wirtschaftlich gewichtigsten EU-Mitgliedsstaat. Den Rest des Beitrags lesen »

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ÜBER ZWINGENDE NOT-WENDIGKEITEN

Posted by hkarner - 27. April 2020

FURCHE-Kolumne 291    Winfried Stadler

Auf die Phase Eins („Alle Macht den Virologen“) folgten schon bald erste Schnelldiagnosen renommierter Philosophen, die in der Krise eine unverhoffte Chance sehen wollen. Angesichts der von Tag zu Tag sichtbarer werdenden, dramatischen Folgeschäden sind derlei schönfärbende Schnelldiagnosen mittlerweile seltener geworden. Dafür treten nun vermehrt System-Deuter an die Öffentlichkeit, die ihre klammheimliche Freude am drohenden Untergang der bisherigen Weltordnung nur schwer verbergen können.

So verstieg sich der von mir als Dichter und Denker ansonsten hoch geschätzte Ilja Trojanow kürzlich zu der Aussage, wir erlebten derzeit die Demontage einer auf Wachstum basierenden Wirtschaft. Deren Verfehltheit sei allein schon an der Tatsache erkennbar, „dass Panik und Hysterie aufkommt, wenn einen Monat lang nicht gearbeitet, produziert oder konsumiert wird“. Nun: so wenig es gegen den menschlichen Organismus spricht, dass er vom Zusammenbruch bedroht ist, sobald man ihm abrupt Nahrung und Flüssigkeit entzieht, so wenig verdient wohl ein Wirtschaftskreislauf unsere Verachtung, der auf Grund einer Pandemie zu kollabieren droht! Den Rest des Beitrags lesen »

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WO IST HIER DER NOTAUSGANG?

Posted by hkarner - 31. März 2020

FURCHE-Kolumne 289       Wilfried Stadler

Mitten in diesem Leben im falschen Film begegnen uns die merkwürdigsten Erklärungen des so beklemmenden coronarischen Ausnahmezustands. Die einen wollen uns weismachen, diese Krise sei, wenn schon kein Geschenk des Himmels, so doch eine Chance zur Weltverbesserung, auf die wir eigentlich längst gewartet hätten. Andere sehen im räselhaften Virus gar einen Beweis für Marktversagen und werfen – wie Hexenverbrenner nach der großen Pest – gleich auch die böse Globalisierung mit auf den Scheiterhaufen.

Wie gut, dass sich die große Mehrheit der Bevölkerung als realitätssinnig und resistent gegenüber alleinseligmachenden Wahrheiten erweist. Denn natürlich werden wir steile Lernkurven fahren müssen, wenn es um die Wiederherstellung des früheren Zustandes geht und hoffentlich gleich auch weittragende ökologische Schlüsse aus dieser Krise ziehen. Zunächst aber geht es darum, den Flächenbrand einzudämmen und dabei nicht allzu dramatische Löschschäden zu riskieren. Den Rest des Beitrags lesen »

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BUDGETMITTEL FÜR NOTFALLMEDIZIN

Posted by hkarner - 5. März 2020

FURCHE-Kolumne 287, Wilfried Stadler

Börsianern gilt der „Schwarze Schwan“ als Symbol für unerwartete Ereignisse, die zu abrupten Einbrüchen der Börsenkurse führen. Immer, wenn aus einem von niemandem vorhergesehenen Anlass so ein „Trauerschwan“ – so die korrekte zoologische Bezeichnung der seltenen Spezies – auftaucht, fallen die Bewertungen der Aktien in den Keller. So auch in der vergangenen Woche, als der durchschnittliche Kursverlust auf den Weltbörsen Corona-bedingt mit 13 Prozent ähnlich drastisch ausfiel wie zuletzt im Herbst 2008. Diesmal ist allerdings eine Fledermaus als Überträgerin tierischer Viren auf Menschen das schaurige Maskottchen einer Krise, die möglicherweise jener im Gefolge der Lehman-Pleite an Schärfe um nichts nachstehen wird.

Nachdem die Corona-Epidemie zunächst Teile der chinesischen Wirtschaft lahmgelegt hatte, bewirkte der Stillstand dortiger Produktionen in Verbindung mit Einbrüchen im Konsum im Gefolge von Quarantäne-Maßnahmen erste Auftragsdellen auch bei westlichen Unternehmen. Mit der Ausbreitung des Virus kam es auch in Europa und den USA zu Angstreaktionen bei Konsumenten. Rückgängen der Reisetätigkeit mit entsprechenden Folgeschäden für die gesamte Touristik-Branche folgen in einer von Ängsten und Unsicherheit geprägten Stimmung Nachfrage-Einbrüche auch in anderen Branchen. Den Rest des Beitrags lesen »

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DIE NEUE UNÜBERSICHTLICHKEIT – VERSION 2020

Posted by hkarner - 18. Februar 2020

FURCHE-Kolumne 286, Wilfried Stadler

1985 erschien im deutschen „Merkur“ ein berühmt gewordener Text des Philosophen Jürgen Habermas über „Die neue Unübersichtlichkeit“. Sein Untertitel lautete: „Die Krise des Wohlfahrtsstaates und die Erschöpfung utopischer Energien“. Im Kern ging es darin um die Zerrissenheit des Zeitgeistes zwischen Geschichte und Utopie, aber auch um ein abnehmendes Vertrauen der westlichen Kultur in sich selbst.

Dass Habermas nur wenige Jahre vor dem Glücksfall der Ostöffnung und der unmittelbar darauf einsetzenden, von anfänglichem Optimismus getragenen Globalisierung eine so ernüchternde Diagnose stellte, erscheint aus heutiger Sicht merkwürdig unzeitgemäß. Sind es nicht wir Heutigen, die sich – dreieinhalb Jahrzehnte später –erst so richtig als Zeitgenossen einer neuen Unübersichtlichkeit vorkommen müssen? War die alte Vorläuferversion von Unübersichtlichkeit nicht geradezu harmlos gegen das, womit wir in unserer politisch zusehends fragmentierten Welt aktuell konfrontiert sind? Den Rest des Beitrags lesen »

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VOM WAGNIS DER MITVERANTWORTUNG

Posted by hkarner - 21. Januar 2020

FURCHE-Kolumne 284,mWilfried Stadler

Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstandes von Siemens, verantwortet einen Jahresumsatz von nahezu 90 Milliarden Euro. Entscheidungen über komplexe Probleme und hohe Risiken gehören in seiner Funktion zur Routine. Er gilt als unkonventioneller Mahner gegen einen die Gesellschaft spaltenden „Kasinokapitalismus“ und orientiert sich damit an einem berühmt gewordenen Leitsatz des Firmengründers Werner von Siemens: Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht“.

Dennoch geriet der weltgewandte Top-Manager jüngst unter massiven Druck, als deutsche Klimaschützer gegen die Lieferung von Signaltechnik für Züge protestierten, die in Australien für Kohletransporte eingesetzt werden. Kaeser lehnte eine Aufkündigung des bereits abgeschlossenen Vertrages ab, sicherte jedoch zu, in Zukunft konsequent für mehr Öko-Sensibilität zu sorgen. Sein Aufsehen erregendes Beschwichtigungsangebot, Aufsichtsrätin von Siemens zu werden, lehnte Luisa Neubauer, die 23-jährige Sprecherin der deutschen Friday-for-Future-Bewegung, nach kurzer Bedenkzeit ab.

Dass die Auseinandersetzung über den künftigen Umgang von Konzernen mit der Klimakrise damit wenige Tage vor Beginn des Welt-Wirtschaftsforums in Davos eine neue Dimension erreicht hat, ist Wasser auf die Mühlen von Klaus Schwab. Denn der Begründer dieser wohl gewichtigsten Welt-Konferenz sieht sich als Vorkämpfer einer Wirtschaftsordnung, in der Konzerne nicht nur Gewinnziele verfolgen, sondern auch zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit beitragen. Den Rest des Beitrags lesen »

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EU-PARLAMENT IM ENTSCHEIDUNGSNOTSTAND

Posted by hkarner - 5. Dezember 2019

FURCHE-Kolumne 281     Wifried Stadler 

Der Zeitpunkt, zu dem das EU-Parlament in der vergangenen Woche den „Klimanotstand“ ausgerufen hat, war dramaturgisch perfekt gewählt: zu Beginn der Amtszeit der auf einen „Green Deal“ setzenden EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und wenige Tage vor Eröffnung der von Santiago nach Madrid verlegten UN-Klimakonferenz.

Inhaltlich lässt sich allerdings darüber streiten, ob die Wortwahl – bei aller objektiv gegebenen Dringlichkeit – auch wirklich passt. Sie könnte nämlich auch als Eingeständnis eines Entscheidungs-Notstands von mit der Lösung der Umweltfrage schlicht überforderten Volksvertretern verstanden werden. Und weil ein „Notstand“ nun einmal nach sofortigen Sondermaßnahmen verlangt, könnten sich Klimaaktivisten zur Abkürzung allzu zeitraubender, demokratischer Prozeduren der Entscheidungsfindung ermuntert sehen.

Vielleicht war es aber auch nur der Versuch, wenigstens deklamatorisch Handlungsfähigkeit zu zeigen, wo es doch in so vielen anderen Problemfeldern schwer fällt, herzeigbare Fortschritte zu erzielen. Allein die wirtschaftspolitischen Beispiele dafür reichen vom Scheitern des Zustandekommens einer Finanztransaktionssteuer bis zu der in der vergangenen Woche auch von der österreichischen Interims-Regierung abgelehnten Steuertransparenz großer Unternehmen. Den Rest des Beitrags lesen »

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EIN MEHR ALS VERUNGLÜCKTES SPIEL

Posted by hkarner - 21. November 2019

FURCHE-Kolumne 280,   Wilfried Stadler

Als wäre es ein Gewohnheitsrecht, sollte bei der Neubesetzung des Vorstandes im Glücksspielkonzern nichts dem Zufall überlassen werden. Obwohl die Republik Österreich nur mehr einen Anteil von 33,34 Prozent an der Casinos Austria AG hält, bestanden ihre (partei-)politischen Vertreter im Umweg der zwischengeschalteten Bundes-Beteiligungsgesellschaft ÖBAG auf striktem Durchgriff, wie er sonst nur bei mehrheitlich im Staatseigentum stehenden Unternehmen praktiziert wird.

Es gehört zu den Besonderheiten dieses Falls, dass ein zur Wahrung des Anscheins von Objektivität eingesetzter Personalberater seine Aufgabe professioneller als erhofft erledigte. Er stufte nämlich den auf Drängen der FPÖ vorgeschlagenen Kandidaten für den Job des Finanzvorstands als wenig geeignet ein. Der Aufsichtsrat beschloss daraufhin, das kritische Gutachten des „Head-Hunters“ gar nicht näher kennenlernen zu wollen. „I wüs goa ned wissn. Ned so genau“ hätte das im Protokoll wohl geheißen, wäre Dr. Kurt Ostbahn Mitglied dieses Gremiums gewesen.
Im Koalitions-Interesse wirkte der kurz zuvor eingesetzte Alleinvorstand der Verstaatlichten-Holding an der Berufung des – vorläufig beurlaubten – Finanzvorstands eilfertig mit. Schon im Vorfeld war er als Generalsekretär des Finanzministeriums in derselben Causa weichenstellend tätig geworden. Den Rest des Beitrags lesen »

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