Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

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ARBEIT IM DIGITALEN ZEITALTER

Posted by hkarner - 9. März 2017

FURCHE-Kolumne 210 9. März 2017, Wilfried Stadler

Eine der vielen Fragen, über die sich Ökonomen nicht einig werden können, ist die nach den Folgen des Vordringens von Robotern und der Digitalisierung für die Beschäftigung. Während die einen steigende Arbeitslosigkeit erwarten, sehen andere nur einen weiteren jener Technologiesprünge, die zwar zunächst Verluste von Arbeitsplätzen in bisher ausgeübten, traditionellen Tätigkeiten nach sich ziehen, dafür aber in anderen, bisher unbekannten Bereichen ganz neue Erwerbsmöglichkeiten eröffnen.
Die Sorge, dass unser Gesellschaft die Arbeit ausgehen könnte, begleitet uns jedenfalls, seit es technischen Fortschritt gibt. Auf einen eindrücklichen Beleg dafür stieß ich vor kurzem ganz zufällig bei der Lektüre des Programmheftes zur Oper „Peer Gynt“ im Theater an der Wien. Dort fand sich das folgende Zitat von Hannah Arendt aus ihrem 1960 veröffentlichten Hauptwerk „Vita Activa oder Das tätige Leben“: Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein? Den Rest des Beitrags lesen »

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KRÖNUNGSTHEORIEN AM PRÜFSTAND

Posted by hkarner - 23. Februar 2017

Wilfried Stadler, FURCHE-Kolumne 209 23. Februar 2017Stadler CC

Es war keine unbeschwerte Geburtstagsfeier, zu der Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, anlässlich des 25. Jubiläums der Unterzeichnung des im Februar 1992 besiegelten Vertrages von Maastricht eingeladen hatte. Befürworter und Gegner der europäischen Währungsunion trafen zusammen, um Zwischenbilanz zu ziehen: Was hat funktioniert, welche der seinerzeitigen Warnungen waren berechtigt, wo soll die Reise hingehen?

Die Grundthese der Skeptiker von damals: erst wenn sich Volkswirtschaften in Bezug auf ihre Wettbewerbsfähigkeit aneinander weitgehend angeglichen haben, kann eine Gemeinschaftswährung als krönender Abschluss gegenseitiger Annäherung funktionieren. Deren frühzeitige Einführung würde hingegen zu noch größeren Ungleichgewichten und letztlich auch politischen Krisen führen, da der Verzicht auf Wechselkursschwankungen die außenwirtschaftliche Anpassung erschwert.
Die Anhänger dieser „Krönungstheorie“ unterlagen jedoch einer deutlichen Mehrheit von Ökonomen und Europapolitikern, die „Krönung“ ganz anders – nämlich politisch – definierten: sie sahen die Einführung des Euro als Voraussetzung einer schrittweisen realwirtschaftlichen und budgetpolitischen Annäherung der Teilnehmerstaaten, die eines Tages in einen europäischen Bundesstaat und damit auch eine „Fiskalunion“ münden sollte. Um bis dahin kein unkoordiniertes Nebeneinander zu riskieren, führte man die als „Maastricht-Regeln“ bekannten Grenzwerte für die Staatsverschuldung ein. Den Rest des Beitrags lesen »

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POPULISMUS UND HALBVOLLE GLÄSER

Posted by hkarner - 27. Januar 2017

FURCHE-Kolumne 207 Wilfried Stadler, 25/1/17
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Der neue Präsident unserer westlichen Welt hat in seiner bestürzend inhaltsleeren Antrittsrede das, was man die internationale Gemeinschaft nennt, gar nicht erst erwähnt. Die mehrfach wiederholte Beschwörungsformel „America first“ signalisiert den Abtausch der aufgeklärten, weltpolitischen Führungsrolle der USA gegen einen unverhohlenen globalen AllmachtsAnspruch. Sieben Jahrzehnte einer unverbrüchlichen Nachkriegsverbundenheit wären damit Vergangenheit, die transatlantische Partnerschaft verkümmert zu einem Zweckbündnis. Dumm nur, dass die EU darauf nicht vorbereitet ist, sondern gerade vor Austrittsverhandlungen mit einem Nettozahler-Mitgliedsstaat steht, dessen Wirtschaftsleistung mehr als fünfzehn Prozent der europäischen Wertschöpfung ausmacht.

Trumps Hauptthema, die Abwanderung von Arbeitsplätzen und permanente globale Billiglohnkonkurrenz, beschäftigt längst auch den klassischen europäischen Mittelstand. Eine hektische Suche nach Lösungen gegen die damit verbundenen Zukunftsängste hat eingesetzt. Der Konsens der traditionellen Volksparteien der linken und rechten Mitte über die Segnungen des Binnenmarktes und der mit ihm verbundenen Wanderungsfreiheit wird brüchig. Den Rest des Beitrags lesen »

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KEINE ANGST VOR HANDWERKS-BILDUNG

Posted by hkarner - 12. Januar 2017

FURCHE-Kolumne 206 , Wilfried Stadler, 12. Jänner 2017Stadler CC

„Erlerne zuerst Dein Handwerk. Es wird Dich nicht davon abhalten, ein Genie zu sein“. Diese bedenkenswerte Weisheit wird dem französischen Maler Eugene Delacroix zugeschrieben. Sie dient als Leitmotiv einer aktuellen Ausstellung im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) zum Thema „Handwerk“.
Gerade die mit Digitalisierung vertraute Generation scheint ja eine neue Vorliebe für liebevoll in Kleinserie erzeugte Produkte zu entwickeln – vom „Crafts-Beer“ über allerlei Designerstücke aus den Sechzigerjahren bis zum wiederbelebten „Do it yourself“ in Gestalt des aus den USA importierten „Maker Movement“. Diesem Interesse kommt Museumsdirektor Christoph Thun-Hohenstein entgegen. Sein optimistisches Credo: würden alle digital vernetzten Menschen ihr Leben mit der Sorgfalt und dem Anspruch von gutem Handwerkertum gestalten, bräuchten wir die Digitale Moderne nicht zu fürchten.

Vielleicht trägt seine Initiative auch dazu bei, den gesellschaftlichen Stellenwert jener unverzichtbaren Berufe zu erhöhen, die das Funktionieren unseres Alltags sicherstellen. Während nämlich globale Luxus-Marken in ihrer Werbung gezielt auf Handwerk als Qualitätsmerkmal einsetzen, kämpfen lokale Handwerker/innen um Anerkennung und vernünftige Bezahlung. Den Rest des Beitrags lesen »

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WELT GEHT NICHT VERLOREN

Posted by hkarner - 22. Dezember 2016

FURCHE-Kolumne 205    Wilfried StadlerWilfried Stadler_1      22/12

Das österreichische „Wort des Jahres“ war heuer so gar nicht nach meinem Geschmack. Noch im Vorjahr landete die „Willkommenskultur“ auf dem ersten Platz – diesmal jedoch fiel die Wahl auf das aus nicht weniger als 51 Buchstaben bestehende semantische Ungetüm „Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“. Wie erleichternd, dass das trotzdem gut ausgegangen ist!

In England und Deutschland hat es „postfaktisch“ als internationales Wort des Jahres aufs Podest geschafft. Dieser Begriff, den wir vor einem Jahr noch kaum gekannt haben, hat eine semantische Blitzkarriere hingelegt. Er steht für die in Zeiten wuchernder Internet-Medien vordringende Praxis, Gerüchte und Gefühle vor Faktentreue zu stellen. Sein Gebrauch soll sich im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Zwanzigfache erhöht haben.

In der Schweiz lautet das Wort dieses Jahres „Filterblase“, eine Bezeichnung für jene mit dem Vordringen der Sozialen Medien sich herausbildenden „Echokammern“, in denen man in seinen Ansichten und Vorlieben ständig verstärkt wird und sich damit in einer Nische von Gleichgesinnten in der Mehrheit fühlt. Abseits der klassischen Medien wird Meinungsbildung damit immer mehr zur Angelegenheit vernetzter Gruppen, deren Gleichschaltung – etwa bei Facebook – durch entsprechende Algorithmen sogar noch verstärkt wird.   Den Rest des Beitrags lesen »

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DER ITALIENISCHE PATIENT

Posted by hkarner - 7. Dezember 2016

FURCHE-Kolumne 204  Wilfried StadlerWilfried Stadler_1     7.  Dezember 2016

Nun gibt es also doch keine Stories über Österreich als „Versuchsstation des Weltuntergangs“ (© Karl Kraus). Ab sofort gilt die ganze Aufmerksamkeit des zur Präsidentschaftswahl aus aller Welt angereisten Medientrosses unseren Nachbarn in Italien. Dort wurde am vergangenen Sonntag die von Ministerpräsident Matteo Renzi vorgeschlagene Verfassungsreform abgelehnt. Dass die Staatsverschuldung in der drittgrößten Volkswirtschaft Europas schon bei über 130 Prozent des Bruttosozialprodukts liegt, erschwert die Situation nach dessen Rücktritt ebenso wie eine manifeste Krise des Bankensektors.

Während die nördlicheren EU-Staaten ihre Bankensysteme in der Finanzkrise mit Hilfe von Staatsgeldern saniert haben, ist Italien dieser Weg versperrt. Denn die neuen Spielregeln der Bankenunion sehen vor, dass sich anstelle der Steuerzahler nun auch Anleihegläubiger durch teilweisen Forderungsverzicht an der Rettung schwacher Institute beteiligen müssen. Was aufs erste Hinhören vernünftig klingt, bedeutet in der Praxis, dass viele „kleine“ Anleger ihr hart erspartes Geld verlieren würden. Renzi bestand deshalb bis zuletzt darauf, doch Budgetmittel zur Bankenrettung einzusetzen – notfalls gegen geltende EU-Regeln.  Den Rest des Beitrags lesen »

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DEMOKRATIE, FREIHANDEL, ET CETARA

Posted by hkarner - 27. Oktober 2016

FURCHE-Kolumne 201 Wilfried StadlerStadler CC

Der Wettkampf um Meinungen wird in Zeiten der Social Media immer schneller und härter. Sobald ein neues Thema auftaucht, spalten sich Gegner und Befürworter eilends in Lager auf: Daumen rauf oder Daumen runter. Dazwischen bleibt kaum Platz für ausgewogene Meinungen. Mag das Thema noch so komplex sein – uninformierte Entscheidungsfreudigkeit ist gefordert, das Bauchgefühl feiert Triumphe über die Ratio.

Der Abstand zum politischen System ist so groß geworden, dass es vielfach nicht mehr als repräsentativ wahrgenommen, sondern nur mehr von außen gesehen und je nach Stimmungslage entweder „geliked“ wird oder eben nicht. Die von „früher“ gewohnte Übersichtlichkeit national getroffener Entscheidungen wurde längst abgelöst durch supranationale Vorgänge, die uns undurchschaubar, wenn nicht undurchsichtig erscheinen. Wir nehmen an ihnen nicht teil und niemand erwartet unsere Anteilnahme daran. Unser mit der Teilnahms-Losigkeit wachsendes Misstrauen durchbrechen wir nur dann, wenn es ein Thema schafft, uns aufzuregen. Dann kippt die politische Routine, dann ist Krisenmanagement angesagt.  Den Rest des Beitrags lesen »

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 GLOBEXIT IST KEINE LÖSUNG

Posted by hkarner - 15. September 2016

FURCHE-Kolumne 198 , Wilfried Stadler Stadler CC                             

In jüngster Zeit scheinen die Vorreiter der Re-Nationalisierung einen Etappensieg  nach dem anderen einzufahren. Sie punkten mit dem Versprechen, die innerhalb weniger Jahre vom Hoffnungsprojekt zum Feindbild gewordene Globalisierung zu bekämpfen. Wohl selten hat sich ein politisches Leitbild so rasch verbraucht.

Zwar verlauteten schon bald nach dem Fall der Mauer 1989 und der nachfolgenden Öffnung ehemaliger Planwirtschaften für Demokratie und Marktwirtschaft erste Warnrufe vor den Folgen einer „Globalisierungsfalle“ – so der Titel des damaligen Bestsellers von Hans Peter Martin und Harald Schumann. Dennoch blieb die Vision eines globalen Aufbruchs zu mehr Wohlstand und Demokratie bis zum Ausbruch der Finanzkrise weitgehend intakt. 

Damit ist es nun vorläufig vorbei. Aus dem unschuldigen Sammelbegriff für weltumspannende Informations-, Güter- und Geldflüsse ist ein Synonym für lange verdrängte Schattenseiten der ursprünglich so aussichtsreichen Sache geworden. Verstärkt durch das europäische Versagen in der Flüchtlingskrise schwindet das Grundvertrauen in das politische System, Europäisierung und Globalisierung werden zunehmend als Elitenprojekte wahrgenommen. Den Rest des Beitrags lesen »

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SORGEN UM BANKEN

Posted by hkarner - 18. August 2016

Wilfried Stadler, Furche, 17/8 Stadler cc 2

In den letzten Wochen war wieder viel von der Verfasstheit der europäischen Banken die Rede. Berichte über die prekäre Lage der italienischen Monte dei Paschi di Siena – diese 1472 gegründete, älteste Bank der Welt trug im europäischen Banken-Stresstest das Schlusslicht davon – erweckten den Eindruck, es handle es sich wieder einmal um Sonderprobleme südlicher „Peripheriestaaten“. Dieser Eindruck täuscht jedoch. Auch in Euro-Kernländern sind Großbanken mit Eigenkapitalproblemen zu Hause. Verheddert  im regulatorischen Gestrüpp einer fehlgeleiteten Regulierung geraten sie gegenüber dem dominanten anglo-amerikanischen System in den Rückstand. Peripherie ist überall.

Man könnte das als Sorgen einer Branche abtun, die noch immer mit den Folgen einer Finanzkrise ringt, an der sie ein gerüttelt Maß an Mitschuld trägt. Wozu also Tränen vergießen? Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man sich klar macht, wie elementar wichtig ein starkes, auch international leistungsfähiges Bankensystem für die europäischen Unternehmen und ihre Stellung in der Welt ist.    Den Rest des Beitrags lesen »

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Perspektiven der europäischen Fianzmärkte

Posted by hkarner - 10. Juli 2016

Stadler Vortrag

Stadler cc 2Die Frage des Zusammenhalts der Euro-Zone durch das Ende der Vision von der „Ever converging Union“  hat wieder hohe Aktualität. Wir werden das institutionelle Gefüge der „virtuellen Fiskalunion“ glaubwürdig festigen müssen, wenn das Währungskonstrukt nicht auseinanderfallen soll. Die unrealistischen Vorgaben und die völlig asymmetrische Praxis bei der „Bestrafung“ von gegen die Regeln verstoßenden Euro-Staaten zeigen allerdings, dass die derzeitigen fiskalischen Vorgaben gründlich zu überarbeiten sein werden.

Das gilt im Übrigen auch für die zweite Säule der Bankenunion: wie ich schon formuliert hatte, erweist sich die theoretisch so bestechende „Bail-in“-Regel bei Bankensanierungen als Schönwetter-Regel. Sobald es nämlich um eine systemische Krise geht, löst allein die Erwartung in das Eintreten solcher Haircuts bei Senior-Gläubigern die Gefahr von Liquiditätsengpässen und Bankruns aus – siehe aktuell Italien. Deutschland wird dort daher nicht lange auf Regel-Konformität bestehen können…

Es stellt sich immer wieder heraus, dass die einzig konsequente System-Sicherheit in der Schaffung größerer, „echter“ Eigenmittelpolster besteht. Keine nachrangigen Bonds (die mussten im ersten Quartal bei ersten Marktunsicherheiten von der Deutschen Bank zurückgekauft(!) werden – statt, wie theoretisch vorgesehen, als Eigenmittelpuffer zu dienen) und keine noch so ausgeklügelten „Bail-in“-Vorschriften führen an dieser nüchternen Wahrheit vorbei.

Der Vortrag: Stadler Vortrag Zentrum Friedensforschung Fassung mit Folien 24 05 2016

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