Emmanuel Macron ist ein ungeduldiger Politiker. Immerzu will er nach vorne stürmen. Die Zukunft wartet nicht, man muss ihr im Laufschritt entgegeneilen – das ist sein fester Glaube, der ihm große Erfolge beschert hat. Zum Beispiel 2017, als Macron als Außenseiter völlig überraschend das Amt des französischen Staatspräsidenten eroberte.

Typisch Franzose, denken sich viele andere Europäer: viel Pathos, viel Wortgeklingel, und dahinter verbirgt sich doch nur der alte, imperiale Anspruch Frankreichs. Man ärgert sich über so viel französische Arroganz, und schaltet in einen dumpfen Abwehrmodus. Das ist verständlich. Aber falsch.

Stillos, aber bestechend

Es mag ja sein, dass Macron stillos war, als er vergangene Woche die Nato als „hirntot“ bezeichnet hat; es mag ja sein, dass er übertreibt, wenn er die Europäische Union „am Abgrund“ sieht – aber seine Analyse besticht. Allein schon deshalb verdient der französische Präsident eine Antwort. Sie müsste zuallererst aus Deutschland kommen. Den Rest des Beitrags lesen »