Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Posts Tagged ‘Furche’

DIE WÄHRUNG DES (K)APP-ITALISMUS

Posted by hkarner - 24. August 2017

FURCHE-Kolumne 222 Wilfried Stadler

Reichlich kryptisch, was man da so hört und liest über Bitcoin: eine angebliche Währung, die doch nichts anderes ist als eine künstliche, digitale Rechengröße. Der technisch durchaus innovative Abwicklungsmodus dieses dezentralen Zahlungssystems – die sogenannte „Blockchain“ – stützt sich auf einen Algorithmus, dessen Erfinder bis heute anonym geblieben ist. Ebenso anonym lieben es die Nutzer, wird doch Bitcoin vornehmlich von Leuten eingesetzt, die ihre Zahlungen oder deren Herkunft aus guten oder weniger guten Gründen geheim zu halten versuchen.

Aber kann man damit nicht auch schnelles Geld machen? Immerhin hat sich der Kurs der ersten Krypto-Währung seit deren Erfindung 2009 entlang einer holprigen Berg- und Talfahrt zuletzt dramatisch erhöht – seit Jahresbeginn um nicht weniger als das Fünffache. Einer der Gründe dafür ist die Spielregel, dass die Zahl der Geldeinheiten („Coins“) mit einer Gesamtzahl von 21 Millionen limitiert werden soll. Diese vorgebliche Knappheit ist ebenso ein Kunstkniff wie der Begriff selbst. Denn nichts ist weiter von einer Münze entfernt als die virtuelle Buchungszeile in einer Pseudo-Geld-Maschine, die von niemandem – von keiner Notenbank und keinem Staat – kontrolliert wird. Den Rest des Beitrags lesen »

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(K)EINE FINANZKRISE ZU LEBZEITEN

Posted by hkarner - 10. August 2017

FURCHE-Kolumne 221   Wilfried Stadler

Janet Yellen, Präsidentin der amerikanischen Notenbank, sorgte kürzlich für mediale Aufmerksamkeit, als sie zehn Jahre nach Beginn der Marktturbulenzen vom Sommer 2007 den Ausbruch einer neuerlichen großen Finanzkrise „zu unseren Lebzeiten“ ausschloss. Die Reaktionen auf ihre optimistische Prognose waren überwiegend skeptisch – und das hat gute Gründe.

Zum einen sind Notenbanker selbst dann, wenn sie es besser wüssten, zu beruhigenden Sätzen verpflichtet, um das Vertrauen in die Stabilität der Finanzmärkte nicht zu gefährden. Zum anderen geraten sie mit ihren Standard-Theorien seit der Finanzkrise in fundamentale Erklärungsnöte. Das wiederum macht verlässliche Aussagen über Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen geldpolitischer Maßnahmen schwieriger denn je. Von einer neuen Normalität kann jedenfalls noch lange keine Rede sein, auch wenn ein Arsenal von früher undenkbaren Sondermaßnahmen der Notenbanken derzeit für so etwas wie Ruhe auf den Finanzmärkten sorgt. Ob es eine Ruhe vor dem Sturm gewesen ist, weiß man immer erst danach.

Ein Blick auf zwei der wichtigsten Handlungsfelder zeigt, dass wir ein Realexperiment mit unsicherem Ausgang erleben: Den Rest des Beitrags lesen »

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BARRIKADEN GEGEN WELTVERBESSERUNG

Posted by hkarner - 13. Juli 2017

FURCHE-Kolumne 219 Wilfried Stadler

Kürzlich erst schockierte der große Physiker und Weltentstehungs-Erklärer Stephen Hawkings mit seiner Empfehlung an uns Erdbewohner, in spätestens 100 Jahren für die dann angeblich unaufschiebbare Auswanderung auf einen anderen Planeten gerüstet zu sein. Angesichts der Absurdität und vollkommenen Realitätsferne dieser interplanetaren Migrations-Phantasie kann man vermuten, dass es ihm weniger um die wissenschaftliche Wahrheit ging als vor allem darum, die Bewohner des Raumschiffs Erde zu einer Umkehr im Denken und Handeln zu bewegen.

Nun gibt es in der Tat dringenden Lern- und Handlungsbedarf in allen wesentlichen Pflichtfächern der Globalisierung, von der Friedenspolitik über die Klimapolitik bis zur Armutsbekämpfung. Der schrille Alarmismus jedoch, mit dem Hawkings meinungsbildend wirken will, scheint mir der falsche Weg zu sein. Den Rest des Beitrags lesen »

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ÜBER AUTONOMES DENKEN UND FAHREN

Posted by hkarner - 29. Juni 2017

FURCHE-Kolumne 218 Wilfried Stadler 

Während des Versuchs, Eintrittskarten für ein Museum auf elektronischem Weg vorzubestellen, leuchtete mir jüngst am Bildschirm meines Notebooks die überraschende Aufforderung entgegen, durch Ankreuzen des Satzes „I´m not a robot“ mein Menschsein zu bestätigen. Nur kurz war ich verunsichert – dann klickte ich entschlossen meine Zustimmung. Erst nachdem mir das System diese digitale Selbst-Behauptung abgenommen hatte, ließ sich der Zahlungsvorgang abschließen. Ich war erleichtert. Was wäre wohl geschehen, hätte man – oder vielmehr: es – mir nicht geglaubt?
Gedankenspiele rund um eine künstliche Intelligenz, die uns eines Tages überlegen und damit zugleich übermächtig werden könnte, nehmen in geradezu beängstigender Dichte an Ernsthaftigkeit zu. Der „Homo Deus“, über dessen künftige Selbst-Überhöhung Yuval Noah Harari einen spannenden futuristischen Bestseller geschrieben hat, scheint in unaufhaltbarem Über-Mut seine intellektuelle Selbst-Enteignung vorzubereiten. Den Rest des Beitrags lesen »

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FRIEDE DURCH WIRTSCHAFTSHILFE

Posted by hkarner - 14. Juni 2017

FURCHE-Kolumne 217  Wilfried Stadler

Auf seiner Torkel-Tour durch den weltpolitischen Porzellanladen gefiel es dem amtierenden US-Präsidenten, anlässlich seines ersten Europa-Besuches den fatalen Satz „Germany is bad, very bad“ fallen zu lassen. Dankenswerterweise hat Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel darauf so souverän nicht reagiert, dass die aggressive Wortwahl mittlerweile beinahe schon wieder vergessen ist.

Und doch: welch ein Kontrast zu jenem Amerika, das vor ziemlich genau 70 Jahren mit dem „European Recovery Program“ (ERP) ein bis heute einzigartiges politisches Konzept zum Europäischen Wiederaufbau in die Welt setzte. Der nach seinem Initiator, dem WeltkriegsGeneral, Außenminister und späteren Friedensnobelpreisträger George C. Marshall benannte, ab 1948 umgesetzte Plan, mobilisierte damals Hilfsleistungen in einer Größenordnung, die über einen Zeitraum von vier Jahren annähernd zwei Prozent der US-Wirtschaftsleistung entsprach. Ein vergleichbarer Anteil an der amerikanischen Wertschöpfung von heute würde die gigantische Summe von nahezu 900 Milliarden US-Dollar ausmachen. Den Rest des Beitrags lesen »

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EIN EUROPÄISCHES PFINGSERLEBNIS

Posted by hkarner - 1. Juni 2017

FURCHE-Kolumne 216 , Wilfried Stadler 1. Juni 2017

Fünfzig Tage nach Ostern nun also Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, der Inspiration und geistigen Erneuerung. Die orthodoxen Kirchen feiern zu diesem Anlass auch die Dreifaltigkeit. In der Moskauer Tretjakow-Galerie kann man bewundern, wie der große Ikonenmaler Andrej Rublow in seiner zu Anfang des 15. Jahrhunderts entstandenen Darstellung der so rätselhaften Trinität mehr darüber sagt, als sich in Worten erklären lässt. Unter anderem davon wollte ich nach Rückkehr von einer Entdeckungsreise in die Hauptstadt Russlands in dieser Kolumne eigentlich erzählen.

Dann aber kamen mir all die Berichte über die ganz und gar unpfingstlichen politischen Zusammenkünfte in die Quere, bei denen – vom NATO-Gipfel über das Treffen der EUSpitzen bis zur G7-Tagung auf Sizilien – orientierungslos und irgendwie ent-geistert wirkende Darsteller offensichtlich nicht immer wussten, welche Rolle sie in welchem Stück auf der Weltbühne spielen sollten. Aber wenigstens die Gruppenfotos scheinen geklappt zu haben.
Ein „enfant terrible“ nicht an den Rändern sondern an der Spitze der Weltpolitik: das gab es seit ewigen Zeiten nicht mehr. Auch der Papst-Besuch des US-Präsidenten scheint wenig bewirkt zu haben. Keine Einigung auf ein gemeinsames Flüchtlingshilfe-Programm, keine koordinierte Initiative für Ernährungssicherheit, kein Bekenntnis zum Pariser UmweltAbkommen. Dafür – zur Freude der Rüstungsindustrie – bereitwilliges Apportieren von NATO-Staatschefs, wenn es um die Erhöhung der Militärausgaben geht. Den Rest des Beitrags lesen »

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ENDLICH WACHSTUM! WELCHES WACHSTUM?

Posted by hkarner - 4. Mai 2017

Wilfried Stadler, Die Furche, 4. Mai 2017

So durchwachsen dieser spätwinterliche April auch gewesen sein mag – der Konjunktur-Frühling ist nicht aufzuhalten. Auch wenn sich im Rückblick sämtliche Aufwärts-Prognosen der Wirtschaftsforscher der vergangenen Jahre als zu optimistisch erwiesen haben: diesmal wollen wir ihnen glauben, dass die Wachstumsschwäche überwunden ist. Und, ja, das ist eine gute Nachricht! Denn wenn auch längst unbestritten ist, dass die Veränderung des Bruttosozialproduktes, die wir in Wachstumsraten abbilden, keine allein seligmachende Messzahl sein kann, dient sie doch als Anhaltspunkt, an dem sich der Zustand einer Volkswirtschaft ablesen lässt: ob die Kaufkraft steigt, ob Arbeitsplätze geschaffen werden, ob die Stimmung in den Unternehmen gut ist, kurz: ob etwas weitergeht.

Seit der 1972 veröffentlichten Studie des „Club of Rome“ über „Die Grenzen des Wachstums“ gehören Umwelt und Ressourcenschonung zur unverrückbaren Voraussetzung verantworteten Wirtschaftens. Soziale Marktwirtschaft schließt die ökologische Dimension untrennbar mit ein. Mit der Finanzkrise ist eine weitere Grenze sichtbar geworden: unlimitiertes Wachstum des Finanzkapitals und der ihm entsprechenden Schuldenberge kann das Wirtschaftssystem jederzeit zum Kippen bringen. Wir müssen deshalb dafür Sorge tragen, dass Großbanken und Kapitalmärkte wieder auf ihre Kernaufgabe zurückgeführt werden, realen Wohlstand zu fördern, statt zu Selbstbedienungsläden für Spekulationsexperten zu verkommen. Denn Wertschöpfung ist nun einmal wichtiger als Geldschöpfung. Den Rest des Beitrags lesen »

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UMGANG MIT UNBEQUEMEN WAHRHEITEN

Posted by hkarner - 6. April 2017

FURCHE-Kolumne 206, Wilfried Stadler


Unbequeme Wahrheiten kann man entweder zur Kenntnis nehmen oder verdrängen. Eine dritte Möglichkeit ist, sie einfach für unwahr zu erklären. Das funktioniert allerdings nicht auf dem Weg einer sachlichen Widerlegung durch anders geartete Fakten. Viel verlässlicher wirkt die Diskreditierung derer, die sie verbreiten.
Wie das geht, führt uns ein auch in Ökologie-Fragen wild um sich twitternder US-Präsident vor. Das Problem des menschengemachten Klimawandels sei, so behauptet er, nichts als eine Erfindung Chinas, das sich damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem durch Klima-Rücksichtnahmen in seinem Wachstum gehemmten Westen verschaffen will. Sein Umweltminister Scott Pruitt, ein ehemaliger Lobbyist der Erdölindustrie und dezidierter Gegner alternativer Energien, dreht eilfertig die ökologische Uhr zurück. Der „Clean Power Plan“ zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen ist bereits außer Kraft gesetzt. Als nächstes soll das Pariser Klima-Abkommen aufgekündigt werden. Den Rest des Beitrags lesen »

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ARBEIT IM DIGITALEN ZEITALTER

Posted by hkarner - 9. März 2017

FURCHE-Kolumne 210 9. März 2017, Wilfried Stadler

Eine der vielen Fragen, über die sich Ökonomen nicht einig werden können, ist die nach den Folgen des Vordringens von Robotern und der Digitalisierung für die Beschäftigung. Während die einen steigende Arbeitslosigkeit erwarten, sehen andere nur einen weiteren jener Technologiesprünge, die zwar zunächst Verluste von Arbeitsplätzen in bisher ausgeübten, traditionellen Tätigkeiten nach sich ziehen, dafür aber in anderen, bisher unbekannten Bereichen ganz neue Erwerbsmöglichkeiten eröffnen.
Die Sorge, dass unser Gesellschaft die Arbeit ausgehen könnte, begleitet uns jedenfalls, seit es technischen Fortschritt gibt. Auf einen eindrücklichen Beleg dafür stieß ich vor kurzem ganz zufällig bei der Lektüre des Programmheftes zur Oper „Peer Gynt“ im Theater an der Wien. Dort fand sich das folgende Zitat von Hannah Arendt aus ihrem 1960 veröffentlichten Hauptwerk „Vita Activa oder Das tätige Leben“: Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein? Den Rest des Beitrags lesen »

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KRÖNUNGSTHEORIEN AM PRÜFSTAND

Posted by hkarner - 23. Februar 2017

Wilfried Stadler, FURCHE-Kolumne 209 23. Februar 2017Stadler CC

Es war keine unbeschwerte Geburtstagsfeier, zu der Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, anlässlich des 25. Jubiläums der Unterzeichnung des im Februar 1992 besiegelten Vertrages von Maastricht eingeladen hatte. Befürworter und Gegner der europäischen Währungsunion trafen zusammen, um Zwischenbilanz zu ziehen: Was hat funktioniert, welche der seinerzeitigen Warnungen waren berechtigt, wo soll die Reise hingehen?

Die Grundthese der Skeptiker von damals: erst wenn sich Volkswirtschaften in Bezug auf ihre Wettbewerbsfähigkeit aneinander weitgehend angeglichen haben, kann eine Gemeinschaftswährung als krönender Abschluss gegenseitiger Annäherung funktionieren. Deren frühzeitige Einführung würde hingegen zu noch größeren Ungleichgewichten und letztlich auch politischen Krisen führen, da der Verzicht auf Wechselkursschwankungen die außenwirtschaftliche Anpassung erschwert.
Die Anhänger dieser „Krönungstheorie“ unterlagen jedoch einer deutlichen Mehrheit von Ökonomen und Europapolitikern, die „Krönung“ ganz anders – nämlich politisch – definierten: sie sahen die Einführung des Euro als Voraussetzung einer schrittweisen realwirtschaftlichen und budgetpolitischen Annäherung der Teilnehmerstaaten, die eines Tages in einen europäischen Bundesstaat und damit auch eine „Fiskalunion“ münden sollte. Um bis dahin kein unkoordiniertes Nebeneinander zu riskieren, führte man die als „Maastricht-Regeln“ bekannten Grenzwerte für die Staatsverschuldung ein. Den Rest des Beitrags lesen »

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