Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Posts Tagged ‘Furche’

ALLES WAS RECHT IST

Posted by hkarner - 16. November 2017

FURCHE-Kolumne 228 Wilfried Stadler

Nach den „Panama-Papers“ nun also die „Paradise Papers“: Wieder hat ein internationales Journalisten-Konsortium Dokumente ans Licht gebracht, mit denen sich systematische Umgehungen von steuerlichen Verpflichtungen durch vermögende Private und internationale Großunternehmen nachweisen lassen. Auch der Name jenes Wolfgang Flöttl ist dabei aufgetaucht, für dessen milliardenschwere Verlustgeschäfte sich im seinerzeitigen BAWAG-Prozess niemand interessieren wollte.

Diesmal stammen die Unterlagen aus einem auf den Bermudas angesiedelten Beratungsunternehmen, das praktischerweise auch Niederlassungen auf den Virgin Islands, Jersey, Mauritius und den Seychellen unterhält. Dessen hoch profitables Oasen-Geschäftsmodell ist simpel: man bietet Kunden aus aller Welt unter dem Siegel der Verschwiegenheit komplexe Rechtskonstruktionen zur Minimierung oder gar gänzlichen Vermeidung von Steuerzahlungen an.

Das Kunststück besteht im Austanzen sämtlicher, gerade noch als legal darstellbarer Möglichkeiten der Steuervermeidung. Dabei gilt es, den Anschein zu wahren, man bewege sich auch dann noch im Rahmen der geltenden Gesetze, wenn von Legitimität des Handelns längst nicht mehr die Rede sein kann. Gerade weil die Gesetzeslage derart komplex und zwischenstaatlich widersprüchlich ist, finden hoch bezahlte Spezialisten immer neue Umgehungs-Konstrukte, die im Ernstfall unangreifbar sind. Aber nicht alles was Recht ist, ist rechtens. Den Rest des Beitrags lesen »

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WIRTSCHAFTS-NOBELPREIS IN DER KRITIK

Posted by hkarner - 19. Oktober 2017

FURCHE-Kolumne 226, WilfriedStadler

Mitten in den ökonomischen und geopolitischen Turbulenzen einer Welt, deren politische und wirtschaftliche Machthaber sich immer schwerer dabei tun, einen gemeinsamen Takt zu finden, ging dieser Tage der Wirtschafts-Nobelpreis an den Verhaltens-Ökonomen Richard Thaler. Während die einen begrüßen, dass damit eine vermeintlich unterschätzte Forschungsrichtung endlich vor den Vorhang geholt wird, sehen andere in der Entscheidung für ein Orchideenfach schlichte Realitätsverweigerung. Angesichts eines dramatischen Nachholbedarfs der Wirtschaftswissenschaften in zentralen Fragen – von der digitalen Ökonomie über die wachsende Ungleichheit bis zur überfälligen Suche nach einem global durchsetzbaren Besteuerungssystem von Großunternehmen – erscheint mir diese Kritik berechtigt. Den Rest des Beitrags lesen »

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EUROPA IST WIEDER IM GESPRÄCH

Posted by hkarner - 5. Oktober 2017

FURCHE-Kolumne 225 , Wilfried Stadler

Die lange genug aufgeschobene Europa-Diskussion kommt nach der deutschen Wahl wieder in Schwung. Das Gipfeltreffen der Staatschefs im estnischen Tallin signalisierte zumindest die gute Absicht, verloren gegangenes Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union zurück zu erobern. Erfreulicherweise gibt der quer durch Europa spürbare wirtschaftliche Aufschwung den notwendigen Rückenwind. Nachdem es allzu lange im Gerede war, kommt Europa endlich wieder ins Gespräch.

Die Unions-Idee ist noch immer attraktiv – aber ihre Ausstrahlung hat unter den Folgen der Finanz und Euro-Krise Krise gelitten. Erschwerend kommt hinzu, dass das dritte Sonderproblem, die als Folge einer seit Jahrzehnten grundlegend verfehlten Nahost- und Afrikapolitik entstandene Migrationskrise, mit Geld und institutionellen Umbauten allein in überschaubarer Zeit nicht lösbar ist. Die mangelnde Bereitschaft zu solidarischen Lösungen und das Fehlen glaubwürdiger Strategien zur Vermeidung weiterer, unkontrollierter Flüchtlingsströme zerrütteten den Glauben in einen wenigstens minimalen europäischen Zusammenhalt in Zeiten der Bedrängnis. Den Rest des Beitrags lesen »

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(K)EINE ANLEIHE BEI DER ZUKUNFT

Posted by hkarner - 21. September 2017

FURCHE-Kolumne 224, Wilfried Stadler

Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts war die politische und wirtschaftliche Zuversicht schon einmal so hoch, dass sich genügend Käufer für Anleihen mit sehr langen Laufzeiten fanden. Auf einen eindrücklichen Beleg dafür stieß ich schon während meiner Studienzeit in einer auf einem Flohmarkt erworbenen Wiener Wochenzeitung aus 1894. Man empfahl dort wortreich den Ankauf drei-prozentiger Schuldtitel der soeben verstaatlichten SüdbahnGesellschaft. Die Verzinsung wurde als ausreichend angesehen, um den Nachteil auszugleichen, dass der Käufer – so die wörtliche Formulierung von anno dazumal – „im ungünstigsten Falle mit der Eventualität zu rechnen hat, dass er den Nominalwert erst 1968 ausbezahlt erhält.“ Wer konnte schon wissen, dass sich in den 74 Jahren bis dorthin zwei Weltkriege und zwei Totalentwertungen allen Geldes ereignen würden? Den Rest des Beitrags lesen »

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DIE WÄHRUNG DES (K)APP-ITALISMUS

Posted by hkarner - 24. August 2017

FURCHE-Kolumne 222 Wilfried Stadler

Reichlich kryptisch, was man da so hört und liest über Bitcoin: eine angebliche Währung, die doch nichts anderes ist als eine künstliche, digitale Rechengröße. Der technisch durchaus innovative Abwicklungsmodus dieses dezentralen Zahlungssystems – die sogenannte „Blockchain“ – stützt sich auf einen Algorithmus, dessen Erfinder bis heute anonym geblieben ist. Ebenso anonym lieben es die Nutzer, wird doch Bitcoin vornehmlich von Leuten eingesetzt, die ihre Zahlungen oder deren Herkunft aus guten oder weniger guten Gründen geheim zu halten versuchen.

Aber kann man damit nicht auch schnelles Geld machen? Immerhin hat sich der Kurs der ersten Krypto-Währung seit deren Erfindung 2009 entlang einer holprigen Berg- und Talfahrt zuletzt dramatisch erhöht – seit Jahresbeginn um nicht weniger als das Fünffache. Einer der Gründe dafür ist die Spielregel, dass die Zahl der Geldeinheiten („Coins“) mit einer Gesamtzahl von 21 Millionen limitiert werden soll. Diese vorgebliche Knappheit ist ebenso ein Kunstkniff wie der Begriff selbst. Denn nichts ist weiter von einer Münze entfernt als die virtuelle Buchungszeile in einer Pseudo-Geld-Maschine, die von niemandem – von keiner Notenbank und keinem Staat – kontrolliert wird. Den Rest des Beitrags lesen »

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(K)EINE FINANZKRISE ZU LEBZEITEN

Posted by hkarner - 10. August 2017

FURCHE-Kolumne 221   Wilfried Stadler

Janet Yellen, Präsidentin der amerikanischen Notenbank, sorgte kürzlich für mediale Aufmerksamkeit, als sie zehn Jahre nach Beginn der Marktturbulenzen vom Sommer 2007 den Ausbruch einer neuerlichen großen Finanzkrise „zu unseren Lebzeiten“ ausschloss. Die Reaktionen auf ihre optimistische Prognose waren überwiegend skeptisch – und das hat gute Gründe.

Zum einen sind Notenbanker selbst dann, wenn sie es besser wüssten, zu beruhigenden Sätzen verpflichtet, um das Vertrauen in die Stabilität der Finanzmärkte nicht zu gefährden. Zum anderen geraten sie mit ihren Standard-Theorien seit der Finanzkrise in fundamentale Erklärungsnöte. Das wiederum macht verlässliche Aussagen über Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen geldpolitischer Maßnahmen schwieriger denn je. Von einer neuen Normalität kann jedenfalls noch lange keine Rede sein, auch wenn ein Arsenal von früher undenkbaren Sondermaßnahmen der Notenbanken derzeit für so etwas wie Ruhe auf den Finanzmärkten sorgt. Ob es eine Ruhe vor dem Sturm gewesen ist, weiß man immer erst danach.

Ein Blick auf zwei der wichtigsten Handlungsfelder zeigt, dass wir ein Realexperiment mit unsicherem Ausgang erleben: Den Rest des Beitrags lesen »

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BARRIKADEN GEGEN WELTVERBESSERUNG

Posted by hkarner - 13. Juli 2017

FURCHE-Kolumne 219 Wilfried Stadler

Kürzlich erst schockierte der große Physiker und Weltentstehungs-Erklärer Stephen Hawkings mit seiner Empfehlung an uns Erdbewohner, in spätestens 100 Jahren für die dann angeblich unaufschiebbare Auswanderung auf einen anderen Planeten gerüstet zu sein. Angesichts der Absurdität und vollkommenen Realitätsferne dieser interplanetaren Migrations-Phantasie kann man vermuten, dass es ihm weniger um die wissenschaftliche Wahrheit ging als vor allem darum, die Bewohner des Raumschiffs Erde zu einer Umkehr im Denken und Handeln zu bewegen.

Nun gibt es in der Tat dringenden Lern- und Handlungsbedarf in allen wesentlichen Pflichtfächern der Globalisierung, von der Friedenspolitik über die Klimapolitik bis zur Armutsbekämpfung. Der schrille Alarmismus jedoch, mit dem Hawkings meinungsbildend wirken will, scheint mir der falsche Weg zu sein. Den Rest des Beitrags lesen »

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ÜBER AUTONOMES DENKEN UND FAHREN

Posted by hkarner - 29. Juni 2017

FURCHE-Kolumne 218 Wilfried Stadler 

Während des Versuchs, Eintrittskarten für ein Museum auf elektronischem Weg vorzubestellen, leuchtete mir jüngst am Bildschirm meines Notebooks die überraschende Aufforderung entgegen, durch Ankreuzen des Satzes „I´m not a robot“ mein Menschsein zu bestätigen. Nur kurz war ich verunsichert – dann klickte ich entschlossen meine Zustimmung. Erst nachdem mir das System diese digitale Selbst-Behauptung abgenommen hatte, ließ sich der Zahlungsvorgang abschließen. Ich war erleichtert. Was wäre wohl geschehen, hätte man – oder vielmehr: es – mir nicht geglaubt?
Gedankenspiele rund um eine künstliche Intelligenz, die uns eines Tages überlegen und damit zugleich übermächtig werden könnte, nehmen in geradezu beängstigender Dichte an Ernsthaftigkeit zu. Der „Homo Deus“, über dessen künftige Selbst-Überhöhung Yuval Noah Harari einen spannenden futuristischen Bestseller geschrieben hat, scheint in unaufhaltbarem Über-Mut seine intellektuelle Selbst-Enteignung vorzubereiten. Den Rest des Beitrags lesen »

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FRIEDE DURCH WIRTSCHAFTSHILFE

Posted by hkarner - 14. Juni 2017

FURCHE-Kolumne 217  Wilfried Stadler

Auf seiner Torkel-Tour durch den weltpolitischen Porzellanladen gefiel es dem amtierenden US-Präsidenten, anlässlich seines ersten Europa-Besuches den fatalen Satz „Germany is bad, very bad“ fallen zu lassen. Dankenswerterweise hat Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel darauf so souverän nicht reagiert, dass die aggressive Wortwahl mittlerweile beinahe schon wieder vergessen ist.

Und doch: welch ein Kontrast zu jenem Amerika, das vor ziemlich genau 70 Jahren mit dem „European Recovery Program“ (ERP) ein bis heute einzigartiges politisches Konzept zum Europäischen Wiederaufbau in die Welt setzte. Der nach seinem Initiator, dem WeltkriegsGeneral, Außenminister und späteren Friedensnobelpreisträger George C. Marshall benannte, ab 1948 umgesetzte Plan, mobilisierte damals Hilfsleistungen in einer Größenordnung, die über einen Zeitraum von vier Jahren annähernd zwei Prozent der US-Wirtschaftsleistung entsprach. Ein vergleichbarer Anteil an der amerikanischen Wertschöpfung von heute würde die gigantische Summe von nahezu 900 Milliarden US-Dollar ausmachen. Den Rest des Beitrags lesen »

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EIN EUROPÄISCHES PFINGSERLEBNIS

Posted by hkarner - 1. Juni 2017

FURCHE-Kolumne 216 , Wilfried Stadler 1. Juni 2017

Fünfzig Tage nach Ostern nun also Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, der Inspiration und geistigen Erneuerung. Die orthodoxen Kirchen feiern zu diesem Anlass auch die Dreifaltigkeit. In der Moskauer Tretjakow-Galerie kann man bewundern, wie der große Ikonenmaler Andrej Rublow in seiner zu Anfang des 15. Jahrhunderts entstandenen Darstellung der so rätselhaften Trinität mehr darüber sagt, als sich in Worten erklären lässt. Unter anderem davon wollte ich nach Rückkehr von einer Entdeckungsreise in die Hauptstadt Russlands in dieser Kolumne eigentlich erzählen.

Dann aber kamen mir all die Berichte über die ganz und gar unpfingstlichen politischen Zusammenkünfte in die Quere, bei denen – vom NATO-Gipfel über das Treffen der EUSpitzen bis zur G7-Tagung auf Sizilien – orientierungslos und irgendwie ent-geistert wirkende Darsteller offensichtlich nicht immer wussten, welche Rolle sie in welchem Stück auf der Weltbühne spielen sollten. Aber wenigstens die Gruppenfotos scheinen geklappt zu haben.
Ein „enfant terrible“ nicht an den Rändern sondern an der Spitze der Weltpolitik: das gab es seit ewigen Zeiten nicht mehr. Auch der Papst-Besuch des US-Präsidenten scheint wenig bewirkt zu haben. Keine Einigung auf ein gemeinsames Flüchtlingshilfe-Programm, keine koordinierte Initiative für Ernährungssicherheit, kein Bekenntnis zum Pariser UmweltAbkommen. Dafür – zur Freude der Rüstungsindustrie – bereitwilliges Apportieren von NATO-Staatschefs, wenn es um die Erhöhung der Militärausgaben geht. Den Rest des Beitrags lesen »

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