Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

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„Einen europäischen Finanzminister wird es nicht geben“

Posted by hkarner - 26. September 2017

 Thomas Wieser, immer eine Inspiration und instinktsicherer Pragmatiker! (hfk)

„Mr. Euro“: Thomas Wieser, Chef der Euro-Arbeitsgruppe über Pläne für die Währungsunion, steigende Zinsen und Schifahren.

Nach der Wahl in Deutschland dürfte der deutsch-französische Reformmotor in der EU nun wieder anspringen – vor allem in Hinblick auf Maßnahmen für die Währungsunion. Dazu der Chef der Euro-Arbeitsgruppe, der Österreicher Thomas Wieser, im KURIER-Interview.

KURIER: Kann der Euro, wie er derzeit aufgestellt ist, die nächste Krise überstehen?

Thomas Wieser: Wie man in den Jahren 2010 bis 2015 gesehen hat, war der Euro nie in Gefahr – einzelne Länder natürlich sehr wohl. Er hat daher die große Finanzkrise und die Verwerfungen innerhalb der Eurozone gut überstanden. Auch Griechenland hat diese Situation, wenn auch mit großen Schwierigkeiten, gemeistert und wird Mitte 2018 das dritte Anpassungsprogramm erfolgreich verlassen. Gezeigt hat die  Krise aber auch, dass die Architektur der Währungsunion noch unvollständig ist. Vieles ist geschehen, etwa die Errichtung der Bankenunion mit der einheitlichen  Bankenaufsicht in Frankfurt. Aber es gibt noch offene Punkte – bei der Komplettierung der Bankenunion. Stichwort: Einlagensicherungssystem. Und in der Fiskalpolitik gibt es Überlegungen, die von einem eigenen  Eurozonenbudget für Stabilisierungszwecke bis hin zu einer Investitionsfazilität für die Eurozone reichen.

Welche Reformschritte sind kurzfristig zu erwarten?

Im Lauf des nächsten Jahres werden wir im Auftrag der Regierungschefs an der Komplettierung der Bankenunion arbeiten; und wohl auch weiter an einer Vertiefung der Währungsunion. Zu Fragen der Ausgestaltung der Eurozone mit eigenem Budget gibt es sehr unterschiedliche Haltungen. Manche rufen nach einem hauptberuflichen Finanzminister für die Eurozone, mindestens aber nach einem hauptberuflichen Vorsitzenden der Eurogruppe. Zudem gibt es die Vorstellung, aus dem ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) einen Europäischen Währungsfonds zu machen. Das ist ein gewisses Etiketten-Missverständnis, weil die  Finanzierung des Internationalen Währungsfonds eine vollkommen andere ist als  jene der ESM, der aus nationalen Budgetmitteln gespeist wird.

Ich vermute, dass dem ESM eine deutlich größere Kompetenz bei den Auflagen für allfällige Anpassungsprogramme für Eurozonenmitgliedsstaaten gegeben wird. Und ich schließe auch nicht aus, dass dann Schuldenrestrukturierungsmaßnahmen für jene Länder notwendig werden, die ein solches Programm beantragen. Ich glaube aber nicht, dass der ESM wirtschaftspolitische Überwachungs-Kompetenzen bekommen wird. Die sind vertraglich fest in der Kommission verankert. Da wird es keine Änderungen geben.

Was ist aus Ihrer Sicht notwendig und was soll das Ziel sein?

Ich halte eine deutliche Vertiefung der Bankenunion für möglich, wobei wünschenswert wäre, wenn die Bankenaufsicht in Frankfurt vertraglich von der EZB völlig losgelöst würde. Das würde ein höheres Maß an Neutralität und Überparteilichkeit gewährleisten. Es wird im Bereich der fiskalpolitischen Koordination gewisse, aber nicht überbordende Fortschritte geben. Aber ich glaube nicht, dass es gemeinsame Finanzierungselemente mit geteilter Haftung geben wird. (Manche Leute nennen das Eurobonds). Ich glaube auch nicht, dass es ein relativ großes Budget zur antizyklischen Konjunkturstabilisierung geben wird. Es wird daher keinen europäischen Finanzminister geben. Und schon gar nicht wird es jemanden geben, der diese Funktion in Personalunion mit dem Kommissar für Wirtschafts- und Währungsangelegenheiten ausüben wird. Das ist von den EU-Verträgen her aus guten Gründen vollkommen ausgeschlossen.

Hat Österreich genug getan? Was muss die nächste Regierung umsetzen, um das Land krisenresistent zu machen?

Krisenresistenz bedeutet, eine anpassungsfähige, flexible, produktive Wirtschaftsstruktur zu haben. Damit stellt man möglichst hohes potenzielles Wachstum sicher. Durch dieses höhere Wachstum werden Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Sicherheit garantiert. Dazu gehört auch das Schaffen von Puffern für den Fall, dass die nächste Krise kommt. Und sie wird kommen, wir wissen nur nicht, durch wen oder wann sie ausgelöst wird. Derzeit ist der Staatsschuldenstand zu hoch, als dass man sagen könnte, es seien ausreichend Puffer und Reserven vorhanden. Daher ist weiterer entschlossener Abbau der Staatsverschuldung unerlässlich. Und die Wirtschaftspolitik der nächsten Jahre muss stark darauf achten, die Produktivität der österreichischen Volkswirtschaft zu erhöhen. Man könnte sagen: Produktivitätssteigerung ist nicht alles. Aber ohne Produktivitätsteigerung ist alles ist nichts.

Und der Schlüssel zur Produktivitätssteigerung?

Zu einer Welt mit unglaublichem technologischen Fortschritt, mit einem rasanten Strukturwandel gehört die Erfahrung: Meist ist nicht Bayern die Konkurrenz, sondern Korea, Mexiko oder Brasilien. Dem begegnet man nur, wenn man nicht arbeitsintensive, sondern gehirnschmalzintensive Produkte und Dienstleistungen herstellt. Das bedeutet: Man muss massiv in die Qualität des Bildungs- und Ausbildungssystems investieren. Alles, was mit Bildung und Ausbildung zu tun hat, ist das Wachstum in 20 Jahren. Insofern ist die Versuchung für Politiker groß, jetzt nichts zu machen, weil sich die Versäumnisse bei der nächsten Wahl nicht bemerkbar machen. Aber wenn man vier Wahlen hintereinander nichts getan hat, beginnt es sich im Wachstumspotential negativ niederzuschlagen.

Wenn die EZB eines Tages die Zinsen wieder anhebt, welchen Staat wird das in Schwierigkeiten bringen?

Mittelfristig wird es zu einem Anstieg des Zinsniveaus kommen. Je niedriger das Schuldenniveau eines Staates, desto besser ist man gegen diesen möglichen Zinsanstieg gewappnet. Griechenland hat im Euroraum den höchsten Schuldenstand, ist aber durch die günstigen Refinanzierungskonditionen mit Laufzeiten jenseits von 30 Jahren von diesem Problem faktisch ausgenommen. Andere Mitgliedsstaaten mit Schuldenniveaus jenseits der 100 Prozent, Portugal, Italien, Belgien haben daher ein eminentes mittelfristiges Interesse daran, ihren Schuldenstand zu verringern.

Das Beispiel von Irland zeigt sehr eindrucksvoll, dass das geht. Es hatte einen Schuldenstand von 130 Prozent des BIP und der Plan ist ist, ihn bis Mitte der 2020er-Jahre bis unter 40 Prozent des BIP zu bringen. Das geht, aber nur mit der Schaffung des entsprechenden Wachstumspotentials. Und Irland ist, auch dank der Kleinheit seiner Wirtschaft, sicher ein Sonderfall.

Nach acht Jahren als Chef der Euro-Arbeitsgruppe hören Sie im Jänner auf. In dieser Zeit waren Sie Dauerkrisenmanager? 
(Er lacht): Ja, schon.

Was kommt für Sie nach dem Jänner? Rückzug auf eine griechische Insel? Die Bahamas?

Faktum ist, dass ich nicht ins österreichische Finanzministerium zurückkehren werde. Es gibt eine Reihe von Angeboten. Manche sind lukrativ, aber langweilig. Andere sind spannend, aber kaum entlöhnt. Als erstes kommt einmal Schifahren.

Zur Person: Thomas Wieser

Seit acht Jahren lang leitet der in den USA geborene österreichische  Ökonom die Euro-Arbeitsgruppe. Die meiste Zeit davon, wie er sagt, als „Dauerkrisenmanager“. „Mr. Euro“, der 62-jährige Wieser, gilt damit  als der nervenstarke  und kaum aus der Ruhe zu bringende  Mastermind hinter den Entscheidungen der 19 Euro-Finanzminister. Ende Jänner wird er seinen Job in Brüssel beenden. Spekulationen, die ihn als kommenden Chef der Oesterreichischen Nationalbank sehen, tut der verheiratete Vater eines Sohnes als „Gerücht“ ab.

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Europe must seize the chance to fix the euro

Posted by hkarner - 4. Juni 2017

Date: 01-06-2017
Source: The Economist: Charlemagne

An improving economy and Emmanuel Macron’s election are an opportunity that may not come twice

PICK a note, any note. The bills of Europe’s single currency are adorned with handsome bridges, arches, vaults and aqueducts, testament to the glorious architectural history of the old continent. True, the constructions are a little lacking in character; the notes’ designers were told to depict generic examples rather than specific structures to avoid offending countries whose splendours might be overlooked. But they speak of strength, sturdiness and the confidence of what some used to believe might be the world’s next reserve currency.

The euro itself, though, remains a wobbly, half-built enterprise, desperately unprepared for the next shock. When Europe caught America’s flu after 2008, bond markets picked off the euro’s weakest members one by one. Greece, Portugal, Ireland and Spain were forced into bail-outs. Italy, the euro’s third largest economy, tottered. Emergency funds were created, the European Central Bank implied it would create unlimited quantities of cash if needed, and the euro limped on. Today, growth is picking up and unemployment falling. But no one believes that the euro, which lacks the political and fiscal institutions typical of a currency area, can remain half-built forever. Investors are uncertain of its future, and governments have piled on debt since the last crisis, shrinking the space available to respond to the next one. Den Rest des Beitrags lesen »

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Vive l’Euro?

Posted by hkarner - 2. Juni 2017

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New ICMB/CEPR Report: Bail-ins and Bank Resolution in Europe

Posted by hkarner - 23. März 2017

Thomas Philippon, Aude Salord

Professor of Finance, Stern School of Business, NYU and CEPR Research Affiliate

Droit & Croissance

 

22 March 2017, voxeu

Nine years since the Global Crisis of 2008 and two and a half years after the launch the banking union in November 2014, some European countries are still struggling with significant banking problems. The total amount of non-performing loans (NPLs) in the EU is around €1 trillion and its allocation is far from equal. The rates of non-performance range from less than 5% in strong countries to 16% in Italy, 20% in Portugal, and 45% in Greece and Cyprus (EBA 2016). More than a third of EU countries have NPL ratios above 10%. These non-performing legacy assets present a challenge for the newly created banking union.

This column introduces the 4th Special Report in the Geneva Reports on the World Economy series. Den Rest des Beitrags lesen »

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The Eurozone is Still Vulnerable

Posted by hkarner - 23. März 2017

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Defending the Euro Starts With Cleaning Up the Banks

Posted by hkarner - 1. März 2017

Date: 28-02-2017
Source: The Wall Street Journal

Why European bad loans are more than just an economic burden

The European Central Bank is preparing to give eurozone lenders final guidance  on how to manage bad loans.

Fix Europe’s bad debts and you can start fixing Europe.

That is the bigger imperative as the European Central Bank gets set finally to push the Continent’s lenders to clean up their combined €1 trillion bad-debt pile.

Across the EU, bad debts average more than 5% of total loans, according to the European Banking Authority, which is almost three times the level of the U.S. or Japan, according to World Bank data. In some countries, they threaten financial stability: Italy, with more than €200 billion of duff loans, is the well-known standout. Den Rest des Beitrags lesen »

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The Financial Education of the Eurozone

Posted by hkarner - 15. Februar 2017

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The Art of European Integration

Posted by hkarner - 7. Februar 2017

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Das sizilianische Mutterl und die Bankenrettung

Posted by hkarner - 28. Dezember 2016

27.12.2016 | 18:27 | Josef Urschitz (Die Presse)

Italien spielt bei der Bankensanierung die Tränendrüsenkarte aus.

Ups: die italienische Pleitebank Monte dei Paschi braucht plötzlich nicht, wie bisher geglaubt, fünf, sondern 8,8 Mrd. Euro, davon 6,5 Milliarden vom Staat. Kein Problem, Bankbilanzierung ist ja keine exakte Wissenschaft. Und etwas mehr wird es wohl auch noch werden. Das haben Kapitallöcher bei Banken im Abwärtsstrudel so an sich.

Dass mit der Staatshilfe das gemeinsam beschlossene Bail-in-Gebot der EU gleich beim ersten Anlassfall gebrochen wird, wundert eigentlich auch niemanden. Wir haben an dieser Stelle ja schon festgestellt, dass die konsequente Nichteinhaltung der eigenen Regeln einer der Hauptgründe dafür sein wird, dass die EU in dieser Form nicht überlebt.

Allerdings hat die italienische Regierung ihre Bankenrettung sehr geschickt auf den Weg gebracht. Mithilfe der emotionalen Karte und starker Tränendrüsenmassage: Viele Kleinanleger hätten nachrangige Bankanleihen gezeichnet, es gehe also weniger um die Rettung einer Großbank als um die Rettung „vieler kleiner Sparer“. Das sitzt: Wer will schon dem armen sizilianischen Mutterl, das mit nachrangigen Monte-dei-Paschi-Anleihen auf die Heiratsausstattung der Enkel anspart, Geld wegnehmen? Den Rest des Beitrags lesen »

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Will Europe Let Germany Lead?

Posted by hkarner - 28. Dezember 2016

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