Das ist wenig überraschend, denn Libra ist nichts anderes als ein Angriff auf das Währungsmonopol des Staates. Konzerne wollen ihr eigenes Geld herstellen. Bedenklich ist das nicht zuletzt wegen der Macher. Viele Unternehmen sind dabei, die nicht dafür bekannt sind, Skrupel zu haben, wenn sie sich die ganze Branche untertan machen. Und sie arbeiten bei Libra auch noch zusammen.

Am Montag wurden die Libra-Macher deshalb einbestellt: zum Treffen in der so verschwiegenen wie mächtigen Bank der Notenbanken, der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), in Basel. Nachher war zu hören, dass es den Notenbankern vor allem um eines ging: dem Umgang mit der sogenannten Reserve, das ist das Geld, mit dem die Libra gedeckt sein soll. Eingezahlt wird es von den Menschen, die Libra kaufen. Und das Geld in der Reserve ist der Grund, dass Libra überhaupt eine Währung ist. Bestünde es zu 100 Prozent aus Euro, die man auch jederzeit wieder ausbezahlt bekommen könnte, dann wäre Libra eher eine Möglichkeit, Zahlungen abzuwickeln. Dem ist aber nicht so, denn ein Warenkorb verschiedener Währungen ist angedacht. Und auszahlen lassen kann man sich den nach den bislang bekannten Plänen auch nicht.

Die Gespräche sind ein Anfang. Aber wo führt er hin? Hier sind drei Thesen zur Zukunft digitaler Währungen:

These eins: Ohne E-Geld geht es nicht

Selbst so behäbige Institutionen wie Notenbanken müssen irgendwann mit der Zeit gehen. Wer genau hinschaut, sieht derzeit überall in Deutschland Menschen, die an der Kasse nicht mehr nach dem Bargeld kramen, sondern: eine Karte auflegen, die Uhr präsentieren, das Handy zücken. Wenn es ein Feld in der Finanzwirtschaft gibt, das sich gerade rasant wandelt, dann ist es das Bezahlen. Es wird zunehmend digital. Das gibt den Notenbankern zu denken. Denn wenn das weiter fortschreitet, wird das Bargeld mehr und mehr zurückgedrängt – und damit auch das Geld, das EZB, Fed und Co. direkt kontrollieren. Das Bargeld geben nämlich die Notenbanken aus. Am elektronischen Geld, das auf unseren Konten liegt und mit dem wir nun auch im Laden vermehrt bezahlen, ist die Notenbank nur indirekt mit einem kleinen Anteil beteiligt. Unser Geld wird also schon heute zum allergrößten Teil von den Banken geschaffen. Diese Entwicklung hat noch nichts mit der geplanten Digitalwährung Libra zu tun. Da die Bürgerinnen und Bürger immer mehr Möglichkeiten nutzen, Euro-Bargeld durch elektronisches Euro-Geld zu ersetzen, geschieht der Bedeutungsverlust des Zentralbankgeldes von ganz allein.

Die Notenbanken sollten nicht mehr versuchen, das zu verhindern. Sie haben das elektronische Bezahlen lange genug erschwert. Sie sollten sich stattdessen überlegen, wie sie von der Veränderung vielleicht sogar profitieren können. Eine Idee ist, eigenes elektronisches Notenbankgeld auszugeben, auch an Privatleute. Das wäre dann so etwas wie elektronische Bargeld, 100 Prozent garantiert von der Notenbank. Denn das Geld bei der Bank ist – das haben wir in der Finanzkrise gesehen – eben nicht von der Notenbank gedeckt. Die Idee gibt es schon lange, passiert ist bislang allerdings wenig.