Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Hohe Schuldenstände verhindern weitere Leitzins-Anhebungen

Posted by hkarner - 18. April 2019

Dank an H.G.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 16.04.19 17:14 Uhr
Die Notenbanken der westlichen Industriestaaten haben im ersten Quartal 2019 den
Zinserhöhungszyklus abgesagt. Die immens gestiegenen Schuldenstände bei Staaten, Haushalten
und Firmen machen höhere Zinsen unmöglich.

Der US-Großbank J.P. Morgan (JPM) zufolge hat die US-Zentralbank Federal Reserve die Phase der
Zinserhöhungen vorerst beendet. Der US-Leitzins liege derzeit zwischen 2,25 und 2,5 Prozent; angesichts der
aktuellen Inflation von 2 Prozent ergebe dies einen realen Leitzins nur knapp über der Nulllinie. In Europa habe
die EZB trotz fünfjähriger Wachstumsphase in der Eurozone gar nicht erst mit Zinserhöhungen begonnen und der
reale Leitzins ist mit minus 1 Prozent tief negativ.

Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei JPM, sieht die Situation durchaus kritisch: „Die jüngsten
Ergebnisse der Notenbanksitzungen in den USA und in Europa legen nahe, dass es das Phänomen der
überfürsorglichen Helikopter-Eltern auch auf den Kapitalmärkten gibt. Doch es ist an der Zeit, dass die
Notenbanken ihren Beschützerinstinkt für die Wirtschaft und die Märkte mäßigen, sodass die Wirtschaft wieder
lernt, auf eigenen Füßen zu stehen.“

Keine Frage: Nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftsfreundliche Notenbankpolitik haben die internationalen
Aktienmärkte wie auch deren Investoren in den ersten Monaten des Jahres 2019 deutlich profitieren und etwaige
Verluste aus 2018 wettmachen können. So hat beispielsweise der deutsche Leitindex DAX seit Beginn des Jahres
von rund 10.400 Punkte bis heute (Stand: 08.04.2019) auf 11.970 Punkte etwa 15 Prozent zugelegt.
Faktisch jedoch zeigt sich, dass es einer permanenten Bereitschaft der Zentralbanken bedarf – notfalls mit aus
dem Nichts geschaffener Liquidität zu intervenieren – damit die im Jahr 2008 sichtbar gewordenen Risse
im Weltfinanzsystem nicht wieder aufbrechen. „Jedoch sind die Zentralbanken immer wieder auch zur Stelle,
wenn es an den Finanzmärkten kracht. Das nährt den Verdacht, dass sie eben auch kapitalmarktabhängig agieren“,
schreibt Galler.

Die Tatsache, dass die Federal Reserve ihren Normalisierungskurs abgebrochen hat, als die Realzinsen die
Nullmarke nach oben hin durchbrechen wollten, sollte zu denken geben. Es bedeutet, dass das Finanzsystem
Zinsen in signifikanter Höhe aufgrund der hohen Gesamtverschuldung nicht mehr verträgt.

Galler zufolge führe die lockere Zinspolitik von Fed und EZB zu gravierenden Nebenwirkungen. Zum einen
befeuerten anhaltend niedrige Realzinsen Vermögenspreisblasen auf breiter Basis: Immobilien, Anleihen und
Aktien befänden sich im historischen Vergleich auf erhöhten Bewertungsniveaus. Demgegenüber führe
traditionelles Sparen zu einem kontinuierlichen realen Vermögensverlust. Dadurch würden vor allem
einkommensschwächere Schichten der Gesellschaften belastet, die in der Regel weniger reale Vermögenswerte
wie Aktien und Immobilien besäßen.

Als Folge davon befürchtet der JPM-Experte weitere tiefgreifende Auswirkungen: „Die Ungleichverteilung der
Vermögen in der Gesellschaft nimmt durch die Niedrigzinspolitik zu. Auch beim Thema Altersvorsorge steigt
aufgrund niedrigerer Ertragsaussichten das Risiko einer wachsenden Rentenlücke.“

Die größte Gefahr erkennt Galler jedoch in der Schaffung falscher Anreize durch die Niedrigzinspolitik. Für
Unternehmen sei es verlockend, eine höhere Rentabilität und riskante Akquisitionen durch mehr Schulden zu
finanzieren. Weltweit sei die Verschuldung der Nichtfinanzunternehmen in Relation zum BIP demnach seit der
Finanzkrise 2008/09 angestiegen. Auch die Finanzminister würden die Geldpolitik der Notenbanken zunehmend
nutzen, um die Ersparnis durch die verminderten Zinszahlungen für zusätzliche Wohltaten bei der Wählerschaft
auszugeben.

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