Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Unternehmensschulden gefährden das Finanzsystem

Posted by egloetzl - 3. Dezember 2018

Neue Solidarität 48/2018

Der Zustrom von Geldern aus dem „umgedrehten Carrytrade“ hat vor allem die Aktienkurse und die Unternehmensschulden aufgebläht. Ein „Kamingespräch“ mit dem EIR-Wirtschaftsexperten Paul Gallagher.

Die drohende Gefahr eines Finanzkrachs war am 15. November das Thema des wöchentlichen „Kamingesprächs“ (Fireside Chat), einer Telefonkonferenz mit Aktivisten des LaRouche-Aktionskomitees aus den gesamten USA. Zu Gast war der EIR-Wirtschaftsredakteur Paul Gallagher, der insbesondere die gefährliche Entwicklung der Unternehmensschulden analysierte und warnte, der „Trump-Aufschwung“, von dem in Amerika häufig die Rede ist, könnte schon sehr bald zuende sein, „denn wir sind mit der Gefahr einer Explosion des Finanzsystems konfrontiert“. In diesem Zusammenhang sei das Programm, für das die amerikanische LaRouche-Bewegung eintritt, jetzt ganz entscheidend. Wir geben im folgenden eine Zusammenfassung von Gallaghers Argumentation.

Die Beschäftigung in der Industrie und allgemein im Produktionssektor sei zuletzt zwar recht deutlich gestiegen, „womit der Trend mindestens der letzten anderthalb Jahrzehnte – eigentlich ein Trend, der bis in die 1980er Jahre zurückreicht – in den letzten beiden Jahren wenigstens zeitweilig umgekehrt wurde“. Das habe Präsident Trump bisher eine gewisse Unterstützung gesichert.

„Aber man muß verstehen, daß das schon ziemlich bald verschwinden wird. Es beruht nämlich zu einem erheblichen Teil darauf, daß große Kapitalsummen aus anderen Ländern in die Vereinigten Staaten flossen. Einige bezeichnen das als ,umgedrehten Carrytrade’. Vorher hat die Federal Reserve Geld über Geld gedruckt, das sofort aus den Vereinigten Staaten abfloß, z.B. nach Brasilien, Südafrika oder über Hongkong in umfangreiche Rohstoffspekulation in China. Es floß ab. Nachdem nun die Federal Reserve die Zinsen anhebt und die Steuern plötzlich sinken, wird Amerika auf einmal ein interessantes Ziel für Anleger.

Es strömten buchstäblich Billionen zurück in die USA, vor allem im laufenden Jahr.“

Dies habe vor allem die Blase der Unternehmensschulden gefährlich aufgebläht. „Wir beobachten das seit Mai-Juni 2017. Dort liegt die große Gefahr eines weiteren Krachs, der vielleicht noch schlimmer wird als der Krach 2008. Diese Blase der Unternehmensschulden ist zu einer unglaublichen Größe angewachsen – zwischen 14 und 15 Billionen Dollar –, und die Kredite in dieser Blase, größtenteils ,gehebelte’ (fremdfinanzierte) Kredite, sind in einem katastrophalen Zustand. Es sind Kredite an Unternehmen, die schon vor der Kreditaufnahme überschuldet waren, die Kredite werden vergeben ohne irgendwelche Regelungen oder Abmachungen bezüglich der Anleihen, die die Unternehmen ausgeben. Im Grunde ist bei diesen Anleihen nicht einmal genau festgelegt, wann oder wie man etwas zurückzahlen muß. Die Firmen müssen kämpfen, bloß um die Zinsen bedienen zu können. Noch dazu bewerten die Ratingagenturen diese Kredite immer schlechter, die meisten der ausgegebenen Schulden sind sogar bereits Ramschanleihen oder nur eine Stufe darüber.“

Das sei aber nur eine von vielen Blasen, die kurz vor dem Platzen stehen, „insbesondere die Autokredite und sogar die Kreditkartenschulden. Experten sprechen von der ,Alles-Blase’, weil sie so riesig ist. Der Kollaps dieser 15-Billionen-Dollar-Blase der Unternehmensschulden hat schon begonnen – und bei der Summe rede ich nur von Amerika und nur von den Schulden der Nichtfinanzunternehmen, also nicht den Schulden der Banken, sondern z.B. über die Verschuldung von General Electric (GE). Das wird platzen, und das wird schon bald geschehen, man sieht schon alle Anzeichen dafür.“

Gallagher zitierte eine Internetseite des Weltwährungsfonds, den IMF Blog, in dem vor der gehebelten Kreditvergabe an Unternehmen gewarnt wird.

Es heißt dort: „In dieser Spätphase des Kreditzyklus, die an frühere Episoden der Exzesse und Krisen erinnert, ist es lebenswichtig, zu fragen: Wie anfällig ist der Markt der gehebelten Anleihen für eine plötzliche Änderung des Appetits für Investmentrisiken? Was wären die wirtschaftlichen Auswirkungen, wenn die Märkte stillstehen? Könnte ein völliger Zusammenbruch im schlimmsten Fall die Finanzstabilität bedrohen?“

Geld floß in Aktienrückkäufe

Gallagher fuhr in seiner Analyse fort: „Bisher, wie gesagt, kam das Geld dank der steigenden Zinsen und sinkenden Steuern zurück. Allein in diesem Jahr flossen 1,4 Billionen $ in Unternehmen, die das Geld zurückholten und damit ihre eigenen Aktien zurückkauften. Fünf dieser Unternehmen, die sog. FAANGs – Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google, die „Internet-Wunderknaben“ –, allein diese Unternehmen haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres für 115 Mrd.$ eigene Aktien zurückgekauft… Die Aktienrückkäufe dieser Unternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres sind schon zweieinhalbmal so groß wie in den gesamten zwölf Monaten in 2016 und 2017, als sie bereits auf einem Rekordniveau lagen. Es ist also nicht bloß ein neuer Rekordanstieg, es ist eine wahre Explosion der Geldmenge, die in die Aktienmärkte fließt. Das bedeutet, daß diese Unternehmen in den letzten zwei Jahren und vor allem in diesem Jahr sehr schnell eine Blase von Unternehmensschulden aufgebläht und sich dabei immer mehr verschuldet haben. Gleichzeitig haben sie ihr Eigenkapital verringert, indem sie ihre eigenen Aktien von den Märkten zurückkauften. Sie verringern ihr Kapital und gleichzeitig vergrößern sie ihre Schulden, und das im Raketentempo. Deshalb schlägt der IWF Alarm… Und wenn das sogar die Leute beim IWF sagen, die sonst nie was Böses ahnen, dann weiß man, daß es kurz bevorsteht.“

Gallagher kommentierte dann auch einen Artikel in der Washington Post mit der Überschrift „Ist die finanzielle Zeitbombe in Sicht?“ „Sie sprechen darin über den Derivatemarkt, vor allem den Markt für Kreditausfallswaps, die wieder in Mode kommen. Ich persönlich glaube nicht, daß dieser Teil des Derivatemarktes explodieren wird, es werden eher die Unternehmensschulden sein. Die fließen in die sog. CLOs ein, die durch den Film The Big Short berühmt wurden – durch Verbriefungen besicherte Obligationen. Zweckgesellschaften kaufen alle diese Unternehmensschulden und sammeln dazu Geld von Rentenkassen, Kapitalanlagefonds und allen möglichen anderen Fonds ein, um den überschuldeten Unternehmen Geld zu leihen.

Eines dieser Unternehmen, auf das jetzt oft hingewiesen wird, als Signal dafür, daß das ganze nun kollabiert, ist General Electric (GE), ein amerikanisches Vorzeige-Unternehmen, das nun kurz vor dem Bankrott steht. Das ist zum Teil eine Operation, weil GE enger mit China in der Gürtel- und Straßeninitiative (Belt and Road-Initiative, BRI) zusammenarbeitet als andere Unternehmen außerhalb Chinas. Dieses ständige Gerede über einen bevorstehenden Bankrott von GE ist also eine Operation, aber sie stehen wirklich dicht davor, der Börsenwert von GE hat sich momentan mehr oder weniger in Luft aufgelöst.

Das ist eines der Dinge, worin der IWF und andere ein Anzeichen dafür sehen, daß diese Bombe der Unternehmensschulden platzt.

Der Impuls für die Steigerung der Beschäftigung kam also aus dieser Richtung, und das endet jetzt. Deshalb müssen wir mit dem, was wir wissen und was wir vorschlagen, in eine Lage in Finanzen und Wirtschaft intervenieren, wo wir schon sehr bald mitten in einer Wende zu einer extremen Depression stecken können, und in der Gefahr eines Wirtschaftszusammenbruchs, der so schlimm oder noch schlimmer wird als 2008.“

Vier-Mächte-Abkommen notwendig

Obwohl die Angriffe auf den Präsidenten weiterliefen, habe Präsident Trump nach der Kongreßwahl etwas mehr Handlungsspielraum. Dieser müsse genutzt werden, um eine Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten, China, Rußland und Indien über die Schaffung eines neuen Weltwährungssystems zu treffen.

„Das hört sich nach einer großen und komplizierten Aufgabe an, ist es aber nicht“, sagte Gallagher. „In der Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis ungefähr 1970, als der Niedergang der US-Wirtschaft, der Produktivität und Löhne und alles andere begann, in diesen 25 Jahren gab es das Bretton-Woods-System, das ein Werk Franklin Roosevelts war. Dieses System verhinderte größere Devisenspekulationen, und es hielt die Wechselkurse zwischen den Landeswährungen ziemlich stabil, sie schwankten nicht wild herum wie in den letzten 45 Jahren. Aber noch wichtiger war, daß damit die Weltbank geschaffen wurde, und das war Roosevelts Hauptabsicht, vor allem anderen, als er 1944 das Bretton Woods startete.“

Roosevelt habe schon in den 1930er Jahren lange mit den südamerikanischen Ländern daran gearbeitet. „Er wollte, daß die Welt nach dem Krieg eine wirkliche Weltbank für Industrie und Infrastruktur haben sollte, die Projektinvestitionen, Infrastrukturinvestitionen in Entwicklungsländern macht; dazu sollte sie von den Industrieländern mit Kapital ausgestattet werden. Dies war für ihn selbst bei seiner Politik das Entscheidende.“

Das habe weitgehend stabile Währungen erfordert, denn „man will nicht, daß man einen langfristigen Kredit für solche Zwecke aufnimmt und dann während der Kredit bedient wird, die Währung immer weiter kollabiert, bis sie gar nichts mehr wert ist… Das macht eine solche langfristige Entwicklung sehr schwierig.“ Deshalb wollte Roosevelt nicht nur eine internationale Entwicklungsbank, sondern auch ein internationales Währungsarrangement, das diese Kredite möglich macht, indem es die Währungen stabilisiert.

„Das waren die beiden wichtigsten Elemente bei dem, was er getan hat, und es lieferte den eigentlichen Antrieb für 25 Jahre steigende Produktivität und relativen Wohlstand, bevor die Briten das im Zuge der Krise von August 1971 bis 1973 zerstörten, als wir die Goldbindung verloren und die Fluktuationen der Wechselkurse begannen.“

Präsident Trump habe vor, die Infrastruktur in den USA auszubauen, aber die im Kongreß diskutierten Investitionsbanken seien allesamt viel zu klein. „Bei allen ist davon die Rede, Kredite in der Größenordnung von 400-500 Milliarden Dollar in neue produktive Infrastruktur zu investieren. Aber der Amerikanische Ingenieursverband schätzt, daß man alleine schon 4,5 Billionen Dollar braucht, um die vorhandene Infrastruktur instandzuhalten – ohne irgend etwas hinzuzufügen, bloß für Ersatz, Reparaturen und Aufpolieren. Doch diese Vorschläge belaufen sich auf nur eine halbe Billion oder höchstens 600 Milliarden.“

Hochtechnologieprojekte

Hinzu komme etwas noch wichtigeres. Das LaRouche-Aktionskomitee setze sich für Lyndon LaRouches Vier Gesetze ein. „Aber wir tendieren dazu, uns zu sehr auf die ersten beiden zu konzentrieren“ – die Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankengesetz und zu einem nationalen Kreditsystem für Infrastrukturinvestitionen. „Doch wir haben nicht darauf fokussiert, um was für Projekte es dabei eigentlich geht. LaRouches Drittes Gesetz besagt, daß der Kredit vor allem für die Art von Infrastruktur und andere Investitionen verwendet werden soll, die die Produktivität der Arbeitskräfte und der Wirtschaft insgesamt am schnellsten steigern.“

Gallagher zählte Beispiele für solche Zukuftsinvestitionen auf:

Hochgeschwindigkeitsbahnen,

Ausbau der Kernkraft,

Nutzung von Kernkraft zur Meerwasserentsalzung, insbesondere im Westen der USA, und Nutzung der hohen Prozeßtemperaturen zur Produktion von Nebenprodukten wie z.B. Kunstdünger,

Anlagen zum Hochwasserschutz für praktisch jeden Hafen und jede größere Küstenstadt, von der Golfküste in Texas bis zur Nordspitze Neuenglands,

Erneuerung der Wasserstraßen im ganzen Land, Ausbau der Häfen zu modernsten intermodalen Umschlagszentren, die nicht nur viel Fracht aufnehmen, sondern sie auch schnell und effizient ins nationale Verkehrsnetz weiterleiten,

große Wassertransfersysteme gegen die Ausbreitung der Wüsten, wie sie derzeit im Westen der USA stattfindet,

Weltraumforschung, Rückkehr zum Mond und Industrialisierung des Mondes, sowie

ein Crashprogramm für die Kernfusion.

Leider sei nichts davon in den Vorschlägen der Demokratischen Partei für eine Infrastrukturbank vorgesehen. „Viel wahrscheinlicher ist, daß solche Technologien und solche Durchbrüche in der Raumfahrt und Kernfusion auf der Tagesordnung von Trump, Modi, Xi Jinping und Putin stehen, wenn sie über eine internationale Entwicklungsbank und ein neues internationales Kreditsystem sprechen. Rußland ist derzeit Weltführer in der Kerntechnik. Rußland ist führend in der Konstruktion und dem Export und sogar bei der möglichen Miniaturisierung von Kernkraftwerken, um sie modular zu machen. Auch China arbeitet daran.“ Diese Länder hätten auch bedeutende Weltraumprogramme – dabei dürfe man auch Indiens Weltraumprogramm nicht unterschätzen. „In der unbemannten Forschung liegen die Inder vor den Vereinigten Staaten. Sie bereiten sich darauf vor und planen, 2022 in die bemannte Raumfahrt einzusteigen. Die indische Weltraumforschungsorganisation ist sehr kompetent…, und über China brauche ich hier wohl nichts zu sagen.“

Er fuhr fort: „Wenn wir solche hochproduktiven Investitionen wollen, und nicht wollen, daß eine solche Infrastrukturbank dann nur große Investitionen in Solarparks oder Geothermie finanziert, dann kann man ein viel wirksameres und besseres Arrangement treffen, wenn diese vier Staatschefs und Japans Premierminister Abe und andere zusammenarbeiten, um ein neues internationales Kreditsystem zu schaffen.“

Die Beteiligung der Vereinigten Staaten sei absolut entscheidend, um einer neuen internationalen Entwicklungsbank Kredit zu verschaffen, der im wesentlichen aus Nationalbankkrediten dieser vier Länder bestehen wird. „Und dann werden andere in der zweiten Reihe sein – vor allem Japan und Deutschland –, die ebenfalls fundamentale Beiträge leisten werden… Wir müssen also eine Partnerschaft eingehen, eine Initiative, die von diesen vier Ländern ausgehen muß.“

Dafür müsse man sich einsetzen, denn dies könne die Volkswirtschaften der großen Nationen der Welt wirklich auf eine neue Ebene heben. „Die Chancen für die Entwicklungsländer in Afrika, in Südamerika und in Südostasien – ihre Chance, industrielle und voll ausgebildete Volkswirtschaften mit mittleren oder sogar höheren Einkommen zu werden –, hängt ab von der Schaffung eines solchen Kreditsystems, und das bedeutet vor allem eine internationale Entwicklungsbank und die Stabilisierung des Werts der Währungen.“

eir

 

Eine Antwort to “Unternehmensschulden gefährden das Finanzsystem”

  1. edge board said

    tnc rf connector

    Unternehmensschulden gefährden das Finanzsystem

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