Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

RBI baut faule Kredite ab und setzt auf Russland-Geschäft

Posted by hkarner - 10. August 2017

Die Raiffeisen Bank International konnte die Zahl notleidender Kredite stark reduzieren. Der Gewinn hat sich dadurch mehr als verdoppelt.

Wien. Bessere Zeiten, bessere Stimmung. Der Konjunkturaufschwung macht sich auch in den Büchern der Raiffeisen Bank International (RBI) bemerkbar. „Unser Halbjahresergebnis ist gut, besser, als wir erwartet haben“, sagte RBI-Chef Johann Strobl am Donnerstag in Wien. Der Nettogewinn steigt von 236 Mio. auf 587 Mio. Euro. „Hervorragend“, sagt Strobl zu diesen Zahlen seiner eigenen Bank.

Und sie sind tatsächlich der besseren Stimmung in der Wirtschaft geschuldet. Denn ein Großteil des Gewinns stammt aus der Reduktion von Kreditvorsorgen von 403 Mio. Euro im Vorjahr auf nur noch 76 Mio. Euro heuer. Heißt: Die Bank legt weniger Geld aus Angst vor ausfallenden Krediten beiseite. Das liegt auch daran, dass der Konzern seine notleidenden Kredite inzwischen ganz gut auf dem Markt anbringen kann. Ende Juni 2017 hatte er um eine Milliarde weniger an Problemkrediten in den Büchern als Ende 2016. Fast 470 Millionen Euro davon wurden verkauft. Das war nicht immer so leicht.„Im Vorjahr haben wir versucht, in Kroatien ein Kreditportfolio von rund 70 Mio. Euro zu verkaufen. Keine Chance“, erzählt Risikovorstand Hannes Mösenbacher: „Heuer haben wir dasselbe Portfolio wieder angeboten. Da hat es 20 bis 30 Interessenten gegeben.“ So wurden die notleidenden Kredite für die RBI zwar nicht zum Geschäft – aber das Problem ist gelöst. Der Markt hat sich darum gekümmert. Statt zu zwölf Prozent des ursprünglichen Wertes hat man es zu 24 Prozent loswerden können. Aber wer kauft Kredite, die unter Wasser stehen? „Das ist ein internationales Who’s who von Investoren. Da sind Hedgefonds dabei und spezialisierte Fonds, die dieses Thema besetzt haben.“

Aus Kroatien kommen freilich auch schlechte Nachrichten. Dort ist die RBI eine Gläubigerbank des krisengeschüttelten Agrokor-Konzerns. Dieser Konzern steht seit Frühjahr unter staatlicher Kuratel. Auch die RBI hat dort Forderungen wertberichtigt. Vor allem das hat bei der Kroatien-Tochter unterm Strich einen Verlust von 16 Mio. Euro im zweiten Quartal beziehungsweise von drei Millionen Euro im ersten Halbjahr 2017 erzeugt. In Kroatien hat die RBI 2110 Mitarbeiter und 78 Filialen.

Polen: Börsengang 2018?

Bessere Nachrichten gibt es aus anderen Ländern Osteuropas. Die Ergebnisse aus Ungarn und der Ukraine sind gut. Mit 241 Millionen Gewinn nach Steuern, ein Zuwachs um fast 50 Prozent, ist die Russland-Bank weiterhin Cashcow des Konzerns. Russland bleibe für Raiffeisen ein wichtiger Markt, sagte Strobl. Die Russen und die russischen Unternehmen hätten sich mit den Sanktionen arrangiert. Dass die europäische Politik sich inzwischen gegen immer neue Sanktionsauflagen gegen Russland wehrt, die von Washington ausgehen, sieht Strobl positiv: „Ich erwarte schon, dass auch in Europa Regierungen im Interesse des eigenen Landes agieren – und das haben sie meines Erachtens auch getan.“

Ein Fragezeichen steht weiter hinter dem Schicksal des Polen-Engagements der RBI. Die Polen-Tochter hätte eigentlich heuer an die Börse gehen sollen, jetzt wurde die Frist bis Mai 2018 verlängert. Dieser Zeitraum sei sehr knapp. „Wir wollen der Verpflichtung nachkommen, die Bank an die Börse zu bringen, aber es muss für uns auch ein attraktives Umfeld sein“, sagte Strobl. (jil/ag.)

 

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