Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Das Ende der Leistungsgesellschaft

Posted by hkarner - 8. August 2017

Date: 07-08-2017
Source: http://www.zeit.de/

Die Nachkriegsgeneration brachte es durch Arbeit zu Wohlstand. Heute kann man kaum noch Vermögen aufbauen, ohne zu erben, sagen Wissenschaftler. Ein Millionär stimmt zu.

Im Kapitalismus träumen viele davon, irgendwann zu den Reichen aufzusteigen und im Luxus zu leben.

Peter Ackermann ist reich. Sein Vermögen hat er sich als Anwalt und Unternehmer selbst erarbeitet. 1938 in eine Berliner Familie von Pfarrern und Soldaten geboren, musste er während des Zweiten Weltkriegs und danach auf vieles verzichten. Das hat ihn geprägt. „Mein Ziel war schon früh, irgendwann mal zu den Wohlhabenden zu gehören“, sagt er heute. Er hat es geschafft.

Davon träumt wohl jeder. Doch Erfolgsgeschichten wie die von Ackermann sind in Deutschland inzwischen selten. Stattdessen zählt immer mehr, in welche Familie man geboren wird. Forscher der Universität Potsdam befragten im vergangenen Jahr 150 Wohlhabende mit einem Vermögen von mindestens einer Million Euro. Zwei Drittel gaben an, dass Erbschaften und Schenkungen ein wesentlicher Grund für ihr Vermögen seien.

Weil fast immer diejenigen erben, denen es sowieso schon gut geht, verstärken Erbschaften die Ungleichheit in der Gesellschaft. „Haushalte mit einem hohen Einkommen erhalten in der Regel hohe Erbschaften und Schenkungen, denn Kinder haben meistens einen ähnlichen sozialen Status wie ihre Eltern“, sagt Anita Tiefensee, die für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung zu Erbschaften, Vermögen und Einkommen forscht. Oder anders: Wer sowieso schon gut verdient, bekommt noch ein Erbe obendrauf.
In Deutschland wird immer mehr vererbt
Dieser Effekt wird sich in Deutschland in den kommenden Jahren besonders bemerkbar machen, weil zurzeit mehr vererbt wird als je zuvor: 400 Milliarden Euro jedes Jahr, haben Tiefensee und ein Kollege vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor Kurzem ausgerechnet. Für einige Deutsche zahlt sich jetzt eine Entwicklung aus, die nach dem Zweiten Weltkrieg begann.

Damals hatten viele Deutsche fast alles verloren. Doch ab den fünfziger Jahren ging es wirtschaftlich steil bergauf, das sogenannte Wirtschaftswunder. Jobs waren sicher und gut bezahlt. Sozialer Aufstieg war für viele möglich. Auch für Peter Ackermann. Er studierte Jura in Westberlin, eröffnete eine Kanzlei. Zog nach London, gründete eine Softwarefirma. Es lief gut. So gut, dass auch für Ackermanns Kinder noch einiges übrig bleiben wird.

In der DDR gab es kein Wirtschaftswunder
„Fast die gesamte westdeutsche Bevölkerung hat etwas angespart“, sagt Timm Bönke, Professor für Finanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Von dem Ersparten machten sich einige einen schönen Lebensabend. Andere steckten es in ein Eigenheim oder hinterließen ihren Kindern gut gefüllte Konten. Im Unterschied zu ihrem Vater damals müssen sich Ackermanns Kinder um Geld keine Sorgen machen. „Ich verwöhne meine Kinder nicht besonders“, sagt er. „Aber sie sind anständig versorgt und werden auch nicht verhungern, wenn sie mal vom Gerüst fallen sollten.“

Doch das Wirtschaftswunder gab es nur in Westdeutschland. In der DDR verhinderte eine sozialistische Diktatur, dass sich die Bevölkerung ein Vermögen aufbauen konnte. Hätte Peter Ackermann wenige Kilometer weiter östlich gewohnt, wäre er heute wahrscheinlich kein Millionär.

Das Wirtschaftswunder ist lange vorbei, die deutsche Wirtschaft wächst seit Jahrzehnten um weniger als fünf Prozent. Dazu kommt die Globalisierung. Arbeitskräfte konkurrieren heute nicht nur mit anderen Deutschen, sondern mit der ganzen Welt. Das gilt vor allem für gering Qualifizierte. Und es trägt dazu bei, dass die Löhne so langsam steigen, dass sie gerade mal die Inflation ausgleichen.

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