Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

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Dividenden: Des Anlegers unterschätzter Freund

Posted by hkarner - 17. Juli 2017

Alexander Hahn, 16. Juli 2017, 10:00 derstandad.at

Ob als Beiwerk oder als ausgewählte Strategie: Dividenden sind für Anleger ein interessantes Instrument. Doch was sagt die Dividendenrendite aus, und wer bestimmt die Höhe?

Wien – Für viele Aktienanleger gelten Dividenden nur als willkommenes Beibrot, eigentlich hoffen sie jedoch auf üppige Kursgewinne. Dass diese selbst über längere Zeiträume keineswegs gewiss sind, zeigt die genaue Betrachtung des österreichischen Leitindex ATX und seines deutschen Pendants Dax in den vergangenen zehn Jahren. Während das Wiener Börsenbarometer mehr als ein Drittel unter dem Stand von 2007, also unmittelbar vor der Finanzkrise, notiert, hat der Dax heuer wieder neue Rekordmarken erklommen. Ein Plus von 56 Prozent steht seither zu Buche. Den Dax deshalb als Kursrakete zu betrachten täuscht jedoch, werden bei ihm doch als sogenannter Performanceindex – im Gegensatz zum ATX – die Dividenden der Unternehmen mit eingerechnet. Lässt man die Ausschüttungen außen vor und betrachtet allein die Kursentwicklung der Indexfirmen, ergibt sich ein wesentlich bescheideneres Bild. Dann kommen Anleger in zehn Jahren bloß auf knapp 13 Prozent Wertzuwachs. Diesen gewaltigen Unterschied, immerhin fast 43 Prozentpunkte in der Wertentwicklung, machen allein die Ausschüttungen der Unternehmen aus.

Mehr als ein nettes Zubrot

Ähnlich, wenngleich mit negativen Vorzeichen, sieht diese Rechnung für die Wiener Börse aus: Dem ATX als reines Kursbarometer fehlen fast 37 Prozent auf den Stand von vor zehn Jahren. Berücksichtigt man auch die Dividenden, verringert sich das Minus auf 15 Prozent – eine Differenz von immerhin annähernd 22 Prozentpunkten. Die Conclusio: Ausschüttungen sind weit mehr als ein nettes Zubrot, sondern fester Bestandteil der Wertentwicklung von Aktieninvestments. Wer nun bewusst auf Unternehmen mit hohen Ausschüttungen setzen will, sollte einige Grundsätze beherzigen:

Dividendenrendite:

Diese Kennzahl setzt die Dividende in ein Verhältnis zum aktuellen Kurs. Damit wird gewissermaßen die Verzinsung einer Aktie beziffert, die ein Käufer zum aktuellen Kursniveau erhält – sofern die Höhe der Ausschüttung wie erwartet ausfällt. Dividendenhöhe: Üblicherweise schlägt der Vorstand eines Unternehmens auf Basis des Jahresgewinns die Höhe der Dividende vor – das letzte Wort haben jedoch die Aktionäre als Eigentümer in der Hauptversammlung. In der Regel folgen diese jedoch der Empfehlung aus der Chefetage. Die Auszahlung an die Aktionäre erfolgt knapp darauf. Dividendenpolitik: Dabei gibt es verschiedene Zugänge: Manche Unternehmen peilen eine Ausschüttung in einem gewissen Prozentsatz des Jahresgewinns, etwa 30 Prozent, an. Wird diese Politik konsequent umgesetzt, kann die Dividende je nach Höhe des Jahresüberschusses stark schwanken bzw. bei Verlusten sogar gänzlich ausfallen. Zumeist streben die Firmen jedoch eine gewisse Dividendenkontinuität an. Das bedeutet, dass versucht wird, eine konstante bis leicht ansteigende Höhe der jährlichen Ausschüttungen zu erreichen. Dabei glättet das Unternehmen vorübergehende Gewinndellen aus Eigenmitteln.

Kursschwankungen:

Auch Aktien mit hohen Ausschüttungen können starken Schwankungen unterliegen, insbesondere bei negativen Börsenphasen. Grundsätzlich dämpfen aber hohe Ausschüttungen die Ausschläge, da sie zumeist auf einen langfristig stabilen Geschäftsverlauf des Unternehmens hinweisen.

Warnsignale:

Sinkt in einer neutralen oder positiven Marktphase der Kurs eines Unternehmens mit hohen Ausschüttungen stark, kann dies ein Anzeichen nahender Probleme für die Firma sein. Tritt dies ein, besteht die Gefahr, dass die Dividende gekürzt wird oder entfällt. Streuung: Auch bei einer auf Dividenden ausgerichteten Strategie sollten Anleger ihr Investment auf mehrere Unternehmen aufteilen. Am besten auf Firmen aus unterschiedlichen Sektoren und Staaten, um sich keine Klumpenrisiken aufzuhalsen, falls ein Land oder eine Branche Probleme bekommen sollte.

Langfristigkeit:

Eine Aktie kurz vor dem Ausschüttungstermin zu kaufen, um die Dividende abzukassieren, bringt zumeist nichts. Die Aktie notiert nämlich am Tag darauf „ex Dividende“, das heißt, die Ausschüttung wird gewissermaßen vom Kurs abgezogen. Die Logik dahinter: Der Vorjahresgewinn wurde bereits ausbezahlt und der des laufenden Jahres muss erst erwirtschaftet werden. Auch bei Dividendenaktien empfiehlt sich daher ein längerer Anlagehorizont.

Verwässerung:

Bei einer Kapitalerhöhung steigt die Aktienanzahl eines Unternehmens, wodurch sich der Anteil einer Aktie am Unternehmensgewinn schmälert und gegebenenfalls auch an der gesamten Dividendenausschüttung. Um dieser Verwässerung zu entgehen, muss der Anleger bei der Kapitalerhöhung mitziehen und der Firma Geld zuschießen. Aktienrückkauf: Der umgekehrte Effekt tritt ein, wenn ein Unternehmen eigene Aktien an der Börse zurückkauft und diese anschließend „einstampft“, also vernichtet. Dadurch erhöht sich der Anteil der restlichen Papiere am Firmengewinn.

Steuer:

Dividenden unterliegen einer Kapitalertragssteuer von derzeit 27,5 Prozent. Bei inländischen Wertpapieren wird diese zumeist automatisch von der Verrechnungsstelle abgeführt. (Alexander Hahn, 16.7.2017) – derstandard.at/2000061215735/Des-Anlegers-unterschaetzter-Freund

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