Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

OECD-Studie: Diese Jobs brechen in Deutschland weg

Posted by hkarner - 13. Juni 2017

Date: 13-06-2017
Source: SPIEGEL

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsmarkt-oecd-immer-weniger-jobs-fuer-menschen-mit-mittlerer-qualifikation-a-1151881.html

Facharbeiter in Not: Laut einer OECD-Studie ist der Anteil von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation in den Industrieländern dramatisch gesunken. Die Spaltung des Jobmarkts nimmt auch in Deutschland zu.

Roboter in der Autofertigung

Die Struktur des Arbeitsmarktes hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Deutschland und in anderen Industrieländern tief greifend verändert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dem Beschäftigungsausblick 2017 der OECD zufolge nimmt in allen beobachteten Staaten die Polarisierung des Arbeitsmarkts zu.

Das bedeutet: Es gibt sowohl im niedrig qualifizierten Bereich als auch im Bereich hochqualifizierter Tätigkeiten mehr Jobs. In Deutschland beträgt das Plus in den beiden Segmenten seit 1995 etwa 3,4 beziehungsweise 4,7 Prozent. Gleichzeitig nimmt allerdings die Beschäftigung im Segment mittlerer Qualifikation deutlich ab. In Deutschland liegt der Rückgang bei minus 8,1 Prozent.

In Österreich fällt dieser Effekt noch stärker aus. Dort ist der Anteil von Arbeitsplätzen mittlerer Qualifikation an der Gesamtbeschäftigung um mehr als 16 Prozent zurückgegangen. Allerdings entstanden dort laut OECD auch deutlich mehr neue Arbeitsplätze, die eine hohe Qualifikation erfordern.

Die Autoren der Studie identifizieren mehrere Faktoren, die diese Entwicklung befeuern:

  • Besonders stark ist offenbar der Einfluss eines Phänomens, dass die OECD Deindustrialisierung nennt. Damit gemeint ist der Strukturwandel in vielen etablierten Industrieländern. Dort nimmt der Anteil produzierender Betriebe an der Gesamtwirtschaft seit Jahren ab, dafür steigt der Anteil des Dienstleistungsbereichs. Dieser Strukturwandel sei verantwortlich für etwa ein Drittel der beobachteten Polarisierung des Arbeitsmarktes, so die OECD.
  • Darüber hinaus führt der technologische Fortschritt offenbar zu einer Verschiebung der Beschäftigungsstruktur innerhalb des produzierenden Gewerbes, so die OECD-Studie. Der Anteil von Arbeitsplätzen mittlerer Qualifikation sinkt, dafür gibt es mehr Jobs, die eine hohe Qualifikation erfordern. Im Dienstleistungssektor hingegen führten neue Technologien zu keinen signifikanten Verschiebungen.
  • Für ein anderes, oft vorgebrachtes Argument konnten die Autoren der Analyse keine eindeutigen Hinweise finden: Es gebe keinen klaren Beleg, dass mehr Globalisierung (die Verflechtung eines Landes in weltweite Wertschöpfungsketten oder hohe Importe aus China) die Beschäftigungsstruktur in bestimmten Branchen verändere.

Der technologische Fortschritt und die Digitalisierung könnten in den kommenden Jahren zahlreiche Arbeitsplätze vernichten beziehungsweise deren Anforderungsprofil ändern. Die OECD appelliert deshalb an die Industrieländer: Deren Regierungen müssten mehr Anstrengungen für Bildung und Weiterbildung von Arbeitnehmern unternehmen. Dazu gehöre frühkindliche Förderung ebenso wie die Weiterbildung von Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und OECD-Generalsekretär Ángel Gurría kommen nach der Vorstellung der Studie am Dienstag im Rahmen einer Konferenz in Berlin zusammen, um Wege für mehr und bessere Arbeitsplätze diskutieren. Die OECD will dort Vorschläge für Arbeitsmarktreformen in Deutschland unterbreiten.

Die Organisation sieht vor allem zwei Schwächen des deutschen Arbeitsmarkts. Zum einen liege der Anteil von Arbeitsplätzen mit starkem Stress über dem Schnitt der OECD-Länder, zum anderen bleibe das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ein großes Problem.

Gut schneidet Deutschland dagegen ab in den Bereichen Einkommenshöhe und Arbeitsplatzsicherheit sowie wegen des derzeit hohen Beschäftigungsgrades.

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