Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Mehr Kredite? Staat soll dafür bürgen

Posted by hkarner - 10. Mai 2017

Trotz der EZB-Geldflut bekommt jedes dritte Unternehmen im Land von seiner Bank nicht genug Geld für geplante Investitionen. Schuld sind geringe Sicherheiten und strenge Regulierung. Nun soll der Staat als Bürge einspringen.

Mario Draghi denkt nicht daran, Europa den Geldhahn zuzudrehen. Unter seiner Führung kauft die Europäische Zentralbank weiter Staats- und Unternehmensanleihen auf und hält die Zinsen im Keller. Doch während das billige Notenbankgeld den Börsen zu immer neuen Rekorden verhilft, bleiben reale Investitionen weiter Mangelware, so eine aktuelle Auswertung der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Nur 7,9 Prozent von 1728 befragten Unternehmen konnten demnach 2016 größere Vorhaben umsetzen. Noch niedriger war diese Investitionsquote zuletzt im Krisenjahr 2009. Im heurigen Jahr wollen die Betriebe wieder mehr Geld ausgeben. Ob sie es sich auch leisten können, ist allerdings fraglich.

Zwar sitzen manche Großkonzerne nach den Schrumpfkuren der vergangenen Jahre auf regelrechten Cashbergen. Viele kleine und mittlere Unternehmen sitzen hingegen in der (Kredit)Klemme. 26,9 Prozent aller Betriebe, die im Vorjahr um einen Bankkredit für eine mittlere oder größere Investition angesucht haben, wurden ohne einen Cent wieder weggeschickt. Weitere 12,4 Prozent bekamen teils deutlich weniger als erhofft. Praktisch alle Firmen unter 50 Beschäftigten nahmen 2016 weniger Bankkredite in Anspruch als im Jahr davor.

Banken brauchen mehr Sicherheiten

Diese Zahlen untermauern jüngste Ergebnisse des Wifo, das zum Jahreswechsel nachgewiesen hatte, dass es durchaus eine Kreditklemme im Land gibt. Gleich kreditwürdige Unternehmen erhielten demnach in Österreich einen Kredit oder auch nicht – je nachdem, wie gut die Kapitalausstattung ihrer Hausbank ist. Die Branche hatten das bis dahin in Abrede gestellt und stattdessen argumentiert, dass es schlicht zu wenig Nachfrage nach Bankkrediten gebe.

Die Verknappung der Bankkredite ist für Österreich besonders brisant. Anders als in den meisten Staaten weltweit ist die heimische Wirtschaft traditionell von den Banken als Financiers abhängig. Doch seit der Finanzkrise hemmt die strengere Regulierung die Risikolust vieler Kreditgeber. Etliche Investitionen, die vor einigen Jahrzehnten problemlos finanziert worden wären, sind den Betreuern heute „zu heiß“, bestätigt auch die Erhebung von Marketmind. Jeder fünfte Kredit wurde abgelehnt, weil das Vorhaben als „zu risikoreich“ eingestuft wurde. In sieben von zehn Fällen reichten der Bank die gebotenen Sicherheiten nicht.

2,5 Mrd. Euro mehr Staatshaftungen

Betroffen sind demnach vor allem kleinere und innovativere Unternehmen. „Es besteht die Gefahr, dass aus der Kreditklemme eine Innovationsklemme wird“, warnte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl am Dienstag vor Journalisten. Wenn die Geschäftsbanken nicht können oder wollen, müsse eben der Staat einspringen, so seine Forderung. Konkret denkt die Wirtschaftskammer an die staatliche Förderbank AWS (Austria Wirtschaftsservice). In ganz Europa haben diese staatlichen Finanzierungsvehikel seit der Finanzkrise eine Renaissance erlebt. Auch das AWS tritt bereits als Bürge für Unternehmenskredite auf. Klein- und Mittelbetriebe können sich hier bis zu 80 Prozent ihrer Kreditsumme durch den Staat absichern lassen. In Summe stehen dem AWS dafür 300 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. Das Risiko für die restlichen 20 Prozent müssen die Banken tragen.Das Modell werde gut angenommen, betont AWS-Chef Berhard Sagmeister.

Leitl und er warben daher für eine deutliche Aufstockung der Mittel. Konkret solle die Regierung die 2017 bereits budgetierten 86 Millionen Euro nicht für kurzfristige Investionszuwachsprämien ausgeben, sondern lieber dem AWS für weitere Staatshaftungen zukommen lassen. Da im Schnitt nur etwa drei Prozent aller staatlichen Haftungen auch schlagend würden, könnten mit diesem Geld rund 2,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen ausgelöst werden.

 

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