Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Nowotny erwartet deutlich weniger Angestellte im Bankenbereich

Posted by hkarner - 22. April 2017

Die Filialdichte sei ebenfalls immer noch zu hoch, sagt der Nationalbank-Gouverneur. Auf eine Filiale kommen in Österreich rund 2100 Einwohner, in Holland 9600.

Die Banken müssen weiter ihre Kosten senken, sagt der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny. Es gibt noch Bedarf an Verbesserungen Verhältnis zwischen Aufwendungen und Erträgen (Cost/Income-Ratio), sagt er im „profil“-Interview. Also sei davon auszugehen, „dass es im Bankenbereich zu einer deutlichen Reduzierung der Beschäftigtenzahlen kommen wird“.

Diese Entwicklung sei „zum Teil technisch bedingt. Die Digitalisierung führt zu einem geringeren Bedarf an Filialen. Das verstärkt den ohnehin spürbaren Kostendruck“, sag der OeNB-Gouverneur. Zwar sei die Filialdichte zuletzt zurückgegangen, sie sei im internationalen Vergleich aber immer noch hoch. „Auf eine Filiale kommen in Österreich rund 2100 Einwohner, das entspricht in etwa dem Niveau von Italien, Spanien und Deutschland. In Finnland sind es demgegenüber 5200 Einwohner je Filiale, in den Niederlanden etwa 9600. Wir sollten jetzt nicht unbedingt den Niederlanden nacheifern. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Aber in der Mitte sind wir noch nicht.“

Regionalität bringt Probleme

In Österreich gibt es derzeit laut Nowotny 3967 Bankfilialen. Zum Höchststand waren es mehr als 5.000. „Wir haben in Österreich sehr große dezentrale Sektoren (Anm: Sparkassen, Raiffeisen, Volksbanken) und zahlreiche regional verankerte Banken, was durchaus Vorteile bringt – aber eben auch Kostenprobleme. Eine Revolution wird es hier jedenfalls nicht geben, mehr eine Evolution“, so die Einschätzung des Notenbankers.

Dass die Quote notleidender Kredite bei den Austro-Banken mit 6,6 Prozent doppelt so hoch ist wie bei deutschen Geldhäusern, ist auf das Ost-Exposure zurückzuführen, so Nowotny. „In den etwas höheren Zahlen für Österreich sind im Wesentlichen auch die Entwicklungen des Geschäfts in Zentral- und Osteuropa enthalten. Dort haben wir höhere non performing loans. Wenn ich Österreich isoliert sähe, dann kämen wir etwa auf den deutschen Wert“, so der Notenbanker. „Auch hier gab es übrigens eine deutliche Verringerung, weil das Geschäft in Osteuropa zum Teil zurückgefahren wurde und wird. Wir sind hier in keiner bedenklichen Situation.“

Das heiße aber nicht, dass nicht noch weiterer Verbesserungsbedarf bestehe, so Nowotny. „Das Osteuropageschäft bringt Vor- und Nachteile. In Summe haben die Vorteile doch überwogen. Die in Österreich tätigen Banken mit Ostexposure sind in gewissem Sinn nicht mehr nur österreichische Banken, sondern eher schon zentraleuropäische Banken. Das ist absolut zukunftsträchtig.“ Sehr wichtig sei, dass das Thema Hypo Alpe-Adria gelöst wurde: „Das war wie eine dunkle Wolke.“

Aufsichtsreform: „Da fehlt der politische Wille“

Zur Aufsichtsreform, bei der die Bundesregierung den etwa von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) präferierten Zusammenschluss von Finanzmarktaufsicht (FMA) mit der OeNB gestrichen hat, sagt Nowotny im „profil“: „Wir als Notenbank hätten uns einen engeren Zusammenschluss durchaus vorstellen können, aber da fehlt es wohl am politischen Willen. Ich denke, dass wir mit dem Kompromiss, der in einem Aufsichtsreformgesetz münden soll, positive Effekte erzielen können.“

Die gesetzlichen Grundlagen würden in wichtigen Bereichen geändert werden, so Nowotny. „Für uns als Aufsicht wird das Effizienzvorteile bringen, umgekehrt soll es für die Beaufsichtigten Vereinfachungen und mehr Rechtssicherheit geben. Wir haben für die großen Banken ja ohnehin die Regelungen auf europäischer Ebene. Für die kleinen Banken ist nun vorgesehen, dass wir stärker zu einem sogenannten risikoorientierten Ansatz übergehen. Das heißt, wir müssen nicht mehr jede Bank mit gleicher Intensität prüfen, sondern können nach Geschäftsmodell und Größe differenzieren.“

Dabei gehe es um Banken in einem Haftungsverbund (Sparkassen, Raiffeisen), die man nicht so intensiv prüfen müsse wie Häuser, die auf einer Stand-alone-Basis arbeiteten, sagt der OeNB-Gouverneur. „Die kleineren Häuser sollen in der neuen Struktur jedenfalls merklich entlastet werden und mehr Zeit haben, sich um ihre Kunden zu kümmern. Analog zum steuerrechtlichen Verfahren soll es künftig auch zu einem früheren Zeitpunkt verbindliche Prüfabschlüsse und damit mehr Rechtssicherheit geben, das soll sich nicht mehr unendlich lange hinziehen.“ Per Saldo würde aber nichts umgesetzt, was nicht fachlich begründet wäre. „Wir wollen da keine Scheinlösungen. Lieber weniger machen und das vernünftig, als Auslagenstücke herzustellen“, sagt Nowtny.

 

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