Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Mittelständler weichen nach Deutschland aus

Posted by hkarner - 11. April 2017

43 Prozent der mittelständischen Unternehmen sagen, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiver geworden ist, so eine Umfrage von EY. Immer mehr Firmen begeben daher Schuldscheine nach deutschem Recht.

Wien. Gibt es eine Kreditklemme, oder ist schlicht die Nachfrage der Unternehmen nach frischem Geld zu gering? Die Antwort auf diese Frage fällt sehr unterschiedlich aus – je nachdem, ob sie von einem Vertreter einer Bank oder von einem Vertreter eines Unternehmens kommt. Fakt ist, dass viele Firmen das Gefühl haben, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiver geworden ist. In einer Umfrage der Unternehmensberatung EY sagen 43 Prozent der Befragten, dass es in den vergangenen drei Jahren schwieriger geworden ist, einen Kredit zu erhalten.

Natürlich hänge die Kreditvergabe immer sehr stark von der Bonität des Unternehmens ab, sagt Andreas Steiner-Posch von EY. „Seit Mitte 2015 gibt es wieder kräftigen Wettbewerb um jene Firmen mit guter Bonität. Diese erhalten die Kredite nun wieder relativ leicht.“ Anders jedoch die Situation bei Firmen, die vielleicht nicht ganz so gut dastehen. Diese hätten oft ordentliche Probleme, Investitionen mit Fremdkapital zu finanzieren. „Und dabei trifft es auch Unternehmen, die es eigentlich nicht treffen sollte“, so Steiner-Posch.

Neue Finanzierer notwendig

Gerade für Firmen, die im „Graubereich“ der Bonität unterwegs sind, sei es inzwischen wesentlich wichtiger geworden, sich gegenüber den Kreditgebern auch gut selbst darzustellen. „Dort funktioniert die Kreditvergabe bisher oft noch aufgrund von langjährigen Beziehungen. Sucht ein Unternehmen dann jedoch eine neue Bank, wird es schwierig“, sagt Steiner-Posch. Doch für die meisten Firmen wird es künftig notwendig sein, auch abseits der angestammten Banken Finanzierungsangebote einzuholen. „Die oft angewandte Methode – man hat zwei Hausbanken und lässt diese gegeneinander antreten – reicht oft nicht mehr.“

Dass die österreichischen Unternehmen auf diese Veränderungen bereits reagieren, zeigt ein Blick auf den Markt mit Schuldscheindarlehen. Damit wird eine Hybridform zwischen Kredit und Anleihe bezeichnet. So wird ein Schuldscheindarlehen wie ein Kredit ausgestaltet, lässt sich aber wie eine Anleihe auf mehrere Banken aufteilen und kann von diesen auch ohne Zustimmung des Emittenten weiterverkauft werden.

„Das ist ein immer beliebter werdendes Instrument, um Kredite ab einem Volumen von zehn bis 20 Mio. Euro zu finanzieren“, so Steiner-Posch. Wurden 2010 in Deutschland noch rund 30 entsprechende Deals durchgeführt, waren es im Vorjahr bereits fast 120. Rund 15 Prozent davon stammten aus Österreich.

Denn Schuldscheindarlehen können zwar auch nach heimischem Recht begeben werden. Da im deutschen Recht jedoch viele Details genauer geklärt sind, greifen auch die meisten österreichischen Emittenten auf eine Begebung in Deutschland zurück. Vor allem nutzen zuletzt auch immer mehr größere Unternehmen die Hybridform aus Anleihe und Kredit. Dadurch stieg das durchschnittliche Kreditvolumen von 122 Mio. Euro im Jahr 2012 bis zum Vorjahr bereits auf 214 Mio. Euro an.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 11.04.2017)

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: