Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Auf 118 Einwohner kommt ein Banker

Posted by hkarner - 11. April 2017

Österreichs Banken verdienten im Vorjahr 4,8 Mrd. Euro. Trotzdem müssen sie die Kosten senken. Seit der Finanzkrise ging die Zahl der Filialen nur um sechs Prozent zurück.

Wien. Österreichs Banken erzielten 2016 ein Jahresergebnis nach Steuern von 4,819 Milliarden Euro, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Dienstag bekannt gab. Das sind um 359 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Von den 4,8 Milliarden Euro trugen die Töchter in Osteuropa rund zwei Milliarden Euro bei. Die OeNB forderte die Banken dennoch erneut auf, die Kosten zu senken.

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 ist in Österreich die Zahl der einzelnen Banken von 739 auf 570 zurückgegangen. Hier hat sich vor allem bei Raiffeisen einiges getan. So schlossen sich mehrere kleinere Raiffeisenbanken zusammen. Im gleichen Zeitraum ging allerdings die Zahl der Filialen nur um sechs Prozent zurück. Hier sieht der für die Banken zuständige Nationalbank-Vorstand, Andreas Ittner, noch einigen Spielraum, wie er am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten sagte. Von einem totalen Ausbluten des Filialnetzes könne laut Ittner keine Rede sein.

Im internationalen Vergleich verfügt Österreich noch immer über zu viele Zweigstellen. So kommen in Österreich 2100 Einwohner auf eine Bankfiliale. In Deutschland sind es 2400, in Finnland 5200. Die Niederländer liegen bei 9600 Einwohnern pro Standort. Auch beim Mitarbeiterabbau lassen sich die Banken Zeit. In Österreich betreut ein Bankmitarbeiter durchschnittlich 118 Einwohner, in Deutschland sind es 126 Einwohner, in Italien 203 und in Finnland rund 250.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut schätzt, dass in den nächsten Jahren von den 75.000 Stellen im österreichischen Bankensektor 25.000 wegfallen könnten.

Weniger Risikovorsorgen

Die jetzigen Milliardengewinne haben die Banken unter anderem den gesunkenen Risikovorsorgen zu verdanken. 2009 mussten die Banken noch Risikovorsorgen in der Höhe von knapp zehn Milliarden Euro bilden. Im Vorjahr waren es lediglich 1,215 Milliarden Euro. Denn die wirtschaftliche Lage in Österreich und in Osteuropa hat sich entspannt. Damit sank auch das Volumen der Problemkredite.

Nationalbank-Vorstand Ittner fordert die Banken dazu auf, die Zeiten niedriger Abschreibungen und gesunkener Risikovorsorgen zu nutzen, um die Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. Das Hauptproblem bei den Banken sind die Verwaltungsaufwendungen. Diese lagen 2016 bei 14,6 Milliarden Euro und damit in etwa auf dem Niveau von 2009.

Im internationalen Vergleich schneiden die heimischen Banken bei der sogenannten Cost-Income-Ratio, auch Kosten-Ertrags-Verhältnis genannt, nicht besonders gut ab. Ittner ist der Ansicht, dass eine durchschnittliche Geschäftsbank hier auf einen Wert von unter 50 Prozent kommen soll. Im Vorjahr lagen alle österreichischen Banken zusammen bei 66,8 Prozent. Doch es gibt auch positive Ausreißer wie die Bawag. Diese erreichte im Vorjahr eine Cost-Income-Ratio von 44,4 Prozent. Eigentümer ist der US-Finanzinvestor Cerberus, der in den vergangenen Jahren bei der Bawag rigide Sparmaßnahmen durchführte und massiv Personal abbaute. Laut Nationalbank-Vorstand Ittner ist eine Effizienzsteigerung auch deswegen notwendig, weil die Banken in den nächsten Jahren viel Geld in die Digitalisierung und in die Cybersicherheit investieren sollen.

Dass die Bankenaufsicht weiterhin auf Nationalbank und Finanzmarktaufsicht aufgeteilt bleibt, nimmt Ittner als politische Entscheidung zur Kenntnis. Offenbar wollte man nicht die „maximalen Synergien“ suchen und den Weg des geringsten Widerstands gehen, sagte Ittner. Die Nationalbank hatte gehofft, dass sie die Bankenagenden von der FMA übernehmen kann. (höll)

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 12.04.2017)

 

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