Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

„Trump ist der sonderbarste Präsident, den wir je hatten“

Posted by hkarner - 7. April 2017

US-Ökonom Jeffrey Sachs war zu Gast im Kreisky-Forum in Wien. Für Trumps Erfolg macht er ökonomische Ursachen verantwortlich.

„Wir leben in einer sehr seltsamen Zeit“, ist US-Ökonom Jeffrey Sachs überzeugt. Nur im Zeitalter der Massenmedien sei es möglich, dass ein Showman wie Donald Trump US-Präsident habe werden können, konstatierte Sachs bei einer Veranstaltung des Kreisky-Forums am Donnerstagabend in Wien. „Wir haben den sonderbarsten Präsidenten, den wir je hatten“, so Sachs.

Der Erfolg von Trump, der Brexit-Befüworter oder der Rechtspopulisten in Europa habe unterschiedliche Ursachen, allen gemeinsam seien aber ökonomische und ethnisch-kulturelle Ursachen. Trump habe seit dem Wahlkampf „fast nur mit Lügen agiert“, aber er setzte perfekt „auf den wirtschaftlichen Schmerz, den viele in Amerika spüren“, so Sachs. Außerdem habe er natürlich perfekt auf die ethnisch-nationalistische Karte gesetzt.

Vor Jahren schien es so, dass der Begriff Klasse in den hoch entwickelten Ländern verschwinden würde, mit dem Beginn der Präsidentschaft von Ronald Reagan 1981 sei in den USA aber nur mehr auf reine Marktkräfte gesetzt worden, berichtete Sachs. So sei die weiße Unterschicht, die in den 1960-er und 1970-er Jahren fast verschwunden sei, wieder neu entstanden. Alle Versuche, die soziale Ungleichheit einzugrenzen, seien stark verringert worden, „die soziale Mobilität wurde praktisch unmöglich gemacht.“

Einkommen für körperliche Arbeit stark gesunken

Zudem habe die Globalisierung dazu geführt, dass, während besser Ausgebildete davon profitierten, arbeitsintensive Produktion in andere Länder ausgelagert worden sei. Auch die zunehmende Automatisierung habe dazu geführt, dass die Einkommen jener, die von körperlicher Arbeit leben, seit den 1960-er Jahren sogar real gesunken sei, während sich das Einkommen der Menschen mit einem Hochschulabschluss fast verdoppelt habe, so Sachs.

In den USA habe auch die Migration zu einem großen demografischen Wandel geführt, so sei der Anteil der Hispanics seit den 1960-er Jahren von zwei auf etwa 15 Prozent der Bevölkerung gestiegen, so Sachs. Zwar habe die Wirtschaft durchaus von der Zuwanderung profitiert, doch viele Weiße, die wirtschaftlich nicht zu den Gewinnern zählten, würden sich dadurch bedroht fühlen. Statt die Klassenzugehörigkeit verantwortlich zu machen, sei es Trumps Botschaft gewesen, den Mexikanern oder Chinesen die Schuld dafür zu geben.

Trumps Dekrete seien bisher folgenlos geblieben, so Sachs. Seine sinkenden Popularitätswerte seien aber insofern bedrohlich, als dass Trump seine kriegerische Rhetorik wahr machen könnte um seine Popularität zu steigern, fürchtet der Wirtschaftswissenschafter. Die US-Außenpolitik, die fordere, „nimm unser politisches System an oder wir bombardieren euch“ sei überhaupt äußerst ineffektiv. Auch glaube er, dass es keine Flüchtlingskrise in Europa gegeben hätte, wenn nicht die USA und Saudi-Arabien massiv in Syrien eingegriffen hätten um die Rebellen gegen Bashar Assad zu bewaffnen. Europäische Außenpolitik habe es aber auch keine gegeben.

Herausforderungen für Europa

Auf Europa komme in den nächsten Jahrzehnten ohnehin einiges zu, glaubt Sachs. So sei die rasante Zunahme der Bevölkerung in Afrika und im Nahen Osten einen riesige Herausforderung. „Europa hatte 1950 doppelt so viele Einwohner wie Afrika und der Nahe Osten, 2100 wird es ein Zehntel davon haben“, so Sachs. Dafür gebe es aber eine sehr gute Lösung: „Jedes Kind in Afrika müsse eine gute Ausbildung bekommen und die Fertilitätsraten sinken drastisch.“

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: