Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Bank Austria nur mehr Regionalbank

Posted by hkarner - 29. März 2017

Das größte inländische Finanzinstitut ist im Unicredit-Konzern nur mehr eine von vielen Töchtern. 2016 wurde die Bank halbiert, und musste unter dem Strich einen Verlust hinnehmen.

Wien. Man soll Symbole nicht übermäßig bewerten. Man darf sie aber auch keinesfalls unterschätzen. Und ein solches Symbol ist bei Unternehmen unter anderem die Präsentation der Bilanz. In der Regel wird mindestens einmal im Jahr die Darstellung der Geschäftszahlen von der jeweiligen Firmenspitze weidlich genutzt, um mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Bei den stark in Osteuropa engagierten Banken und Versicherungen werden dabei oft auch extra Journalisten aus Prag, Budapest oder Bukarest eingeladen. Zumindest gegenüber den heimischen Medien gilt die Bilanzpräsentation als Pflichttermin.

So war das bisher auch bei der Bank Austria. Einen Tag nach der Präsentation der Bilanz-Zahlen der italienischen Mutter Unicredit in Mailand lud die Bank ins sogenannte Oktogon in der ehemaligen Zentrale der Creditanstalt, damit die schnöden Zahlen des Geschäftsberichts vom Vorstand kommentiert und interpretiert werden konnten. Zumindest bis jetzt war das so.

Mustier will Einheitlichkeit

Nun hat der im Sommer des Vorjahres neu angetretene Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier jedoch die Zügel enger angezogen. Er will aus Unicredit eine „einheitliche paneuropäische Bankengruppe“ machen. Kommuniziert werden darf daher nur mehr von Mailand aus. Die Bilanzpressekonferenz bei der Bank Austria wurde daher ebenso gestrichen wie jene bei der Schwester HVB in München.

Der Geschäftsbericht für 2016 wurde von der Bank Austria indes still und beinahe heimlich am Dienstagabend auf die Homepage gestellt. Nicht einmal in Form einer Aussendung wurde darauf hingewiesen. Und während Ex-Bank Austria-Chef Willibald Cernko im Bericht für das Jahr 2015 natürlich noch im Rahmen eines Vorwortes seine persönliche Meinung über Lage und Ausblick der Bank zum Ausdruck bringen durfte, muss sein Nachfolger Robert Zadrazil auch darauf verzichten.

Sie hat sich also stark verändert in den vergangenen Monaten, die Bank Austria. Das ist auch aus den Zahlen des Geschäftsberichts 2016 abzulesen. Den Anfang machte das Auslaufen des „Bank der Regionen“-Vertrages Ende März des Vorjahres. Gab sich die Bank Austria-Führung im Jahr 2015 noch optimistisch, dass trotz des Wegfalls dieser vertraglichen Fixierung von Wien als Osteuropa-Zentrale, alles wie gehabt bleibe, wanderte das osteuropäische Geschäft bereits per Ende des dritten Quartals 2016 von Wien nach Mailand.

In der Bilanz der Bank Austria macht sich das mit einer Halbierung der Bilanzsumme von 193,6 Mrd. Euro auf nur mehr 105,8 Mrd. Euro bemerkbar. Im Inland dürfte das Institut damit zwar weiter die größte Einzelbank des Landes sein (Raiffeisen und die Erste Bank/Sparkassen sind ja ein Zusammenschluss von vielen eigenständigen Instituten), dennoch macht sich diese Reduktion des Geschäftsvolumens naturgemäß auch in der Ertragskraft deutlich bemerkbar.

Stöger kostete 506 Mio. Euro

Bereits inklusive der neun noch enthaltenen Monate des Osteuropageschäfts sank der Nettogewinn von 1,3 Mrd. Euro auf 641 Mio. Euro. Betrachtet man nur das Österreich-Geschäft allein, setzt es trotz eines Betriebsergebnisses von 583 Mio. Euro unter dem Strich einen Verlust von 362 Mio. Euro. Hauptgrund dafür sind Restrukturierungskosten in Höhe von 409 Mio. Euro, die 2016 verdaut werden mussten. Vor allem die höheren Kosten für den Übertrag von 3300 Mitarbeitern aus dem Bank-eigenen in das ASVG-Pensionssystem wurde deutlich teurer als geplant.

Wie mehrfach berichtet, wurde auf Druck von Sozialminister Alois Stöger ja eine ASVG-Novelle vollzogen, weshalb der Pensionsübertrag für die Bank laut den im Jänner 2017 zugestellten Bescheiden um 506 Mio. Euro teurer wurde. Da die dafür vorgesehen Rückstellungen nur zum Teil ausreichten, musste die Bank 2016 hier entsprechende Verluste einbuchen. Damit soll nun jedoch der Umbau der Bank weitgehend finanziert sein.

Wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist 2016 das Privatkundengeschäft. Nach einem Verlust von vier Mio. Euro im Jahr 2015 wurde im Vorjahr wieder ein Gewinn von 65 Mio. Euro erzielt. Allerdings ist bei den diesem Gewinn zu Grunde liegenden Erträgen auch ein Einmaleffekt von 95 aus dem Verkauf der Anteile an Visa enthalten. Deutlich verbessern konnte sich die Bank jedoch bei der Kernkapitalquote. Diese stieg dank einer Kapitalspritze aus Mailand von elf auf 18 Prozent.

Neben dem Übertrag der Mitarbeiter in ein anderes Pensionssystem war auch eine deutliche Reduktion der Filialen Teil des im Dezember 2015 vorgestellten Restrukturierungskonzepts. Laut Geschäftsbericht ist die Zahl der Filialen 2016 von 174 auf 141 gesunken. Geplant ist eine Zahl von 124 per Ende 2017. Der Mitarbeiterstand reduzierte sich von 6737 auf 6347.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 30.03.2017)

 

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