Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Die Erste in ruhiger See – mit Untiefen

Posted by hkarner - 28. Februar 2017

Die Großbank erzielte dank stark gesunkener Risikokosten ein Rekordergebnis und verdoppelt die Dividende. Aber Nullzinsen und fehlende Firmeninvestitionen trüben die Freude.

Treichl CCWien. Andreas Treichl wirkt sehr entspannt. Darf er auch: Seine Erste Group hat die Zeiten der „harten und unangenehmen Maßnahmen“ endgültig hinter sich gelassen. Der Milliardenverlust vor drei Jahren ist nur noch dunkle Geschichte. Im Vorjahr hat das Geldhaus mit 1,3 Mrd. Euro „das beste Nettoergebnis überhaupt“ erzielt. Damit kann Treichl sein Versprechen an die Aktionäre erfüllen und die Dividende von 50 Cent auf einen Euro pro Aktie verdoppeln. (1,8 %  Dividendenrendite – wie aufregend nach all den Wertvernichtungen der letzten Jahre! Der Kurs heute ist 44,65% des Höchstkurses. hfk)

Die schwarzen Zahlen ziehen sich nun durch alle Märkte, bis zu den früheren Sorgentöchtern in Rumänien, Ungarn und Kroatien. Denn: „Wir haben das Risiko in den Griff bekommen“. Tatsächlich sanken die Wertberichtigungen um drei Viertel auf nur noch 200 Mio. Im großen Stil brachte die Bank in Osteuropa Pakete mit faulen Krediten an den Mann. Auch schon ganz abgeschriebene Forderungen wurden überraschend wieder bedient. Der Anteil der notleidenden Kredite sank so auf unter fünf Prozent, früher als erwartet. 

Freilich haben es auch die Schuldner leichter. Nicht nur weil das wirtschaftliche Umfeld im EU-Osten wieder freundlich ist, mit solidem Wachstum und niedriger Arbeitslosigkeit. Auch die historisch niedrigen Zinsen helfen. Aber eben diese Nullzinsen bescheren der Bank allerorten deutliche Rückgänge in den operativen Erträgen. Die Margen sinken. Auch jeder Nachkauf ausgelaufener Staatsanleihen bringt noch weniger Ertrag als die alte Tranche. Hier kann sich nur behaupten, wer deutlich mehr Kredite vergibt. Was der Ersten auch gelingt: Das Volumen stieg um fünf Mrd. Euro.

George geht ins Geld

Aber ach: Die Spareinlagen stiegen doppelt so stark, um zehn Milliarden. Ein „Vertrauensbeweis“, natürlich erfreulich. Nur bringen Sparkunden keine Erträge, sie kosten, wenn auch zinsbedingt aktuell wenig. Auch Unternehmen bunkern ihre Gewinne bei der Bank und halten sich mit Investitionen zurück. Was zeigt, „dass das Niedrigzinsumfeld allein noch nicht zu Investitionen ermutigt“. Obwohl die Preise anziehen, dürfte die EZB heuer noch keine Zinswende einläuten. Also: weiter Druck auf die Margen und „bestenfalls stabile“ Einnahmen.

Was das zweitgrößte heimische Institut nicht davon abhält, viel Geld in die IT zu stecken, auch mit Hilfe externer Programmierer. Die in Österreich schon etabliere Onlineplattform George („ein Hit“) wird nun in Tschechien, der Slowakei und Rumänien ausgerollt. Damit steigen die betrieblichen Kosten weiter, um ein bis zwei Prozent. Auch die Risikokosten können so niedrig nicht bleiben. Aber selbst die erwartete Verdoppelung auf 400 Mio. wäre weit entfernt von den Milliardenabschreibungen aus der überwundenen Krise.

Mit der Politik hat Treichl seinen Frieden geschlossen. In Ungarn laufe es „extrem gut“, obwohl oder auch weil sich der Staat nun mit 15 Prozent an der Tochter beteiligt. Jedenfalls mische sich die Regierung Orbán, mit der es so viele Querelen gab, nicht in die Geschäfte ein. Und in Österreich? Bankomatgebühren werde man „sicher nicht“ einführen. Wozu auch anecken? Für die Bilanz machen sie „keinen Unterschied“. Was heißt: Sie sind ohnehin schon woanders eingerechnet.

Auch der Streit um die Bankenabgabe ist vom Tisch: Sie sinkt deutlich, dafür leisten die Institute eine einmalige Sonderzahlung. Die Erste überwies ihre 200 Mio. schon im Vorjahr. Aber Treichl tritt nach: Was Ex-Kanzler Faymann für „seinen größten Erfolg“ hielt, habe die heimische Wirtschaft „sehr stark getroffen“. Jedes Land, das eine Bankensteuer einführte, habe sich schlecht entwickelt. Deshalb sollten die Tschechen und Rumänen, wo sie nun zur Diskussion steht, besser ihre Finger von solchen „populitischen Maßnahmen“ lassen.

Von Rückzug ist keine Rede mehr: „Verkaufen werden wir sicher nichts“. Zukäufe sind nicht ganz so ausgeschlossen, aber wenn, dann nur in bestehenden Märkten. Die Zeiten der riskanten Abenteuer sind vorbei. Was die Erste-Aktionäre beruhigt, aber nicht berauscht: Der Kurs rührte sich am Dienstag kaum vom Fleck. (gau)

 

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