Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

„Bankprodukte sind nicht innovativ“

Posted by hkarner - 4. Februar 2017

Chuzpe, das mit der Nebelgranate der Staatshilfe bzw. „Bankenabgabe“. Dieser Herr hat 8 Jahre lang ( bis auf 8 Monate) die Bilanzierung der Erste Group zu verantworten gehabt.


Und hat es geschafft, dass diese von den 128 systemrelevantesten Euro-Banken beim Stresstest/AQR  der EZB 2014 den höchsten Korrekturbedarf aller bei den NPL Loans hatte, und das mit blamablen 35% (!!!). https://fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com/2014/11/19/eigenkapital-wie-von-zauberhand/

,Nur ein Versehen??? Oder war diese Fähigkeit wohl eines der Qualifikationskriterien, ihn zum Volksbank GD zu machen? (hfk)

Bei den Volksbanken gebe es eine „Aufbruchstimmung“, sagt Bank-Chef Gerald Fleischmann. Den Unterschied bei Bank-Standardprodukten müssen die Betreuer bringen.

Die Presse: Österreich gilt als „overbanked“. Es gibt im internationalen Vergleich also zu viele Bankfilialen. Wozu brauchen wir da die Volksbanken?

Fleischmann1Gerald Fleischmann: Ja, Österreich ist overbanked. Und ich glaube auch, dass es zu Bereinigungen kommen wird. Man muss auch offen sagen: Bis vor einem Jahr sind die Volksbanken der klassische Kandidat einer Flurbereinigung gewesen. Inzwischen haben wir aber unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben komfortabel über zwölf Prozent Eigenkapital, wir haben eine Menge Liquidität bei der EZB geparkt und sind wieder eine gesunde Bankengruppe. Daher sind wir auch nicht mehr der Kandidat, der von irgendjemandem geschluckt wird. 

Ein Teil dieser Gesundung ist auf die staatliche Hilfe zurückzuführen. Die Volksbanken haben rund eine Milliarde vom Staat erhalten. Ein gutes Geschäft für die Steuerzahler?

Ich glaube, in Summe ja. Die Abwicklung einer Bank, die über 20 Mrd. Primäreinlagen hat, hätte die Volkswirtschaft am Ende wahrscheinlich um vieles mehr gekostet. Außerdem hat die Bankbranche deshalb ja auch die Bankenabgabe an den Staat gezahlt, um für diese Hilfen aufzukommen. Allein die jüngste Abschlagszahlung bei der Änderung der Bankenabgabe macht erneut eine Mrd. Euro aus. Wir als Volksbanken werden zusätzlich zur Bankenabgabe auch 300 Mio. der erhaltenen Hilfe an den Staat zurückzahlen. Wir müssen das bis 2023 bezahlen, wollen es aber bis 2020 schaffen.

Eine zweite Vorgabe für Sie ist, bis Mitte 2017 die Struktur von einst rund 60 auf acht Volksbanken und zwei Spezialinstitute zu reduzieren. Geht sich das aus?

Das geht sich aus. Wir sind derzeit noch bei 14 Banken. Wir haben jede zweite Woche eine Fusion. Das ist eine richtige Maschinerie geworden, die fließend funktioniert. Die letzten Fusionen werden im zweiten Quartal passieren. Und dann sind wir Mitte 2017 in der Zielstruktur. Wir merken durch diese Fusionen auch, dass wir viele Synergien heben können. So haben sich die Filialen der einzelnen Volksbanken bisher oft überschnitten. Nun können wir die Zahl reduzieren, ohne dass es eine große Einschränkung für unsere Kunden gibt.

Kann man diese Effizienzsteigerung auch quantifizieren?

Wir sind bei unseren Kosteneinsparungen definitiv unter Plan, wenn auch noch nicht auf unserem Ziel einer Kosten-Ertrags-Relation von 60. Wir haben derzeit 4200 Mitarbeiter und sind somit 200 Personen unter Plan. Die Effizienz nimmt also stärker zu, als wir uns im Vorjahr zu planen getraut haben. Die Zahl der Filialen liegt bei knapp unter 400 und soll auf unter 350 gehen. Hierbei geht es oft um Kleinfilialen, in denen die Mitarbeiter so stark mit Kassa-Tätigkeiten beschäftigt sind, dass sie gar kein darüber hinausgehendes Service bieten konnten.

In der Wirtschaft geht es ja viel um die Stimmung. Sowohl in einem Land als auch in einer Firma. Sie kommen ursprünglich von der Salzburger Sparkassa. Wie war und ist die Stimmung bei den Volksbanken im Vergleich zur Sparkassa?

Das kann man natürlich nicht vergleichen. Die Salzburger Sparkassa ist ein gut verdienendes Unternehmen ohne wirtschaftliche und vor allem ohne existenzielle Probleme. Als ich 2015 hier hergekommen bin, waren die Volksbanken ja noch in Existenz-Sorgen. Dementsprechend schlecht war auch die Stimmung. Die Menschen waren durch die vielen Fusionen auch sehr verunsichert. Einzelne Mitarbeiter konnten früher mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren und müssen nun längere Wege in Kauf nehmen. Das ist auch ein Grund, warum wir Mitarbeiter verlieren und jetzt unter Plan sind. Seit dem Halbjahr haben wir aber die endgültige Genehmigung ohne Auflagen der EZB bekommen. Wir sind also auch offiziell wieder eine solide Bank. Wir haben ausreichend Kapital und können auch wieder finanzieren. Und daher merkt man jetzt auch eine Aufbruchstimmung. Es ist sogar so, dass jetzt viele Mitarbeiter von anderen Banken zu uns kommen. Das sind vom Typ dann vor allem Menschen, die was verändern wollen. Denn bei uns ist alles in Bewegung.

Und wie sieht es auf der Kundenseite aus? In der öffentlichen Wahrnehmung gilt die Volksbank ja oft noch als Krisenbank.

Unsere eigenen Kunden waren während der ganzen Krise überraschend loyal zu uns. Wir hatten vor der Krise laut Umfragen die zufriedensten Kunden. Nun sind wir zwar nicht mehr die ersten, aber immer noch weit vorne. (Kommentar hfk: „Wie bitte??? https://fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com/2017/01/18/banken-ranking-der-verfall-der-volksbanken/) Und bei diesen Kunden merken wir nun ebenfalls eine Art Aufbruchstimmung, dass etwa wieder mehr Kredite nachgefragt werden. Die Gewinnung von Neukunden gelingt uns aber noch nicht so richtig. Daran müssen wir nun auf jeden Fall arbeiten.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir müssen die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass es uns wieder gut geht. Wir sind daher auch dahinter, dass wir wieder ein verbessertes Rating bekommen, sodass wir nicht mehr auf „Junk“ stehen, sondern wieder Investment-Grad haben. Wir sind mit den Rating-Agenturen daher in einem intensiven Austausch und haben auch alles erfüllt, was diese von uns verlangt haben. Gleichzeitig wollen wir versuchen, unsere bestehenden Kunden dazu zu bringen, uns weiterzuempfehlen. In eine Bank geht man am ehesten, wenn sie von jemandem im persönlichen Umfeld empfohlen wurde. Und während der Krise haben ja selbst zufriedene Kunden uns nicht wirklich weiterempfohlen. An junge Kunden wollen wir wiederum verstärkt im Netz und über Social Media herantreten.

Die Ausrichtung der Bank soll ja sehr stark auf Retail gehen – also Privatkunden und kleine Gewerbe. In diesem Bereich sind einige Banken unterwegs – die Sparkassen, Raiffeisen oder die Bawag. Wie wollen Sie sich dort unterscheiden?

Als Bank ist es grundsätzlich sehr schwer, sich beim Kunden zu unterscheiden. Unsere Produkte sind in der Regel nicht sehr innovativ, sondern Standardprodukte – ein Kredit, ein Fonds, ein Bausparvertrag. Für den Kunden ist es dabei nicht wirklich relevant, ob das Logo ein blaues V, ein rotes S oder ein Giebelkreuz ist. Entscheidend für den Kunden ist die persönliche Beziehung zum Betreuer. Hier wollen wir unseren Fokus setzen. Außerdem wollen wir durch die Vereinfachung der Struktur auf nur mehr wenige Institute die Prozesse drastisch vereinfachen. Das hilft uns, auch im Massengeschäft, in dem die Margen klein sind, profitabel zu sein.

ZUR PERSON

Gerald Fleischmann ist seit Mitte 2015 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Wien-Baden. Diese ist seit der Abwicklung des ehemaligen Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG nun das neue Spitzeninstitut der Bankengruppe. Der 47-jährige Grazer begann seine Karriere 1994 nach dem Studium der technischen Mathematik an der TU Graz bei der Giro Credit. Den Großteil seiner Karriere verbrachte er jedoch bei der Erste Group, für die er zwischen 1998 und 2013 in verschiedensten Positionen tätig war. Zuletzt war Fleischmann der Vorstandsvorsitzende der Salzburger Sparkasse.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 04.02.2017)

 

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Eine Antwort to “„Bankprodukte sind nicht innovativ“”

  1. hkarner said

    von Presse.com White_Rabbit
    0 ★
    Typischer Zweckoptimismus von Fleischmann. Was hier fehlt: die Kosten rennen davon. Eine CIR-Wunschvorstellung von 60% ist lieb. In der Realität liegt sie wohl im dreistelligen Bereich. Die Fusionsmaschine läuft Richtung eine Bank.
    Eine Frechheit die Aussage mit der Staatshilfe. 1,3 Mrd. hat der Steuerzahler beigesteuert. 300 Mio. zahlen die zurück. Dieser marode Sektor hätte abgewickelt werden müssen. Wäre billiger gewesen.

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