Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Banken bangen vor Euro-Exit Italiens

Posted by hkarner - 22. Januar 2017

Sollten Italien oder Frankreich die Währungsunion verlassen, stünden die dort tätigen Kreditinstitute vor großen Problemen, warnt die niederländische Großbank ING.

Den Haag. Die niederländische Großbank ING bereitet sich auf den möglichen Euro-Exit eines Landes der Eurozone vor. Sie trifft Maßnahmen für das schwärzeste Euro-Szenario, nämlich das, dass ein oder mehrere Länder die Eurozone verlassen könnten. Namentlich genannt werden vom ING-Chef Ralph Hamers in diesem Zusammenhang Italien und Frankreich, falls dort bei den bevorstehenden Wahlen im heurigen Jahr die rechtspopulistischen Parteien die Macht übernehmen sollten. Das sagte der Vorstandsvorsitzende der ING-Bank Ralph Hamers zur „Financial Times“.

Hamers nennt einen möglichen Austritt Italiens aus der Eurozone ein ,,pechschwarzes Szenario.‘‘ Wenn in Italien die Fünf-Sterne-Bewegung an die Macht komme, die den Austritt Italiens aus der Eurozone befürwortet, werde das für Banken große Probleme verursachen. Wenn wirklich ein Austritt Italiens aus der Eurozone erfolgen sollte, dann würden nämlich jetzt in Italien laufende Hypotheken, die in Euro begeben wurden, in viel billigere Lire-Hypotheken umgewandelt. Das würde die Kosten für Banken erheblich in die Höhe treiben. Es entstehe in einem solchen Fall nach Ansicht von Hamers ,,ein Mismatch in der Bilanz von Banken“.‘

Wackelkandidat Frankreich

Ein anderes Land, wo es Probleme mit einem möglichen Euro-Exit geben könnte, ist nach Ansicht des ING-Chefs Hamers Frankreich, falls dort bei den Wahlen im Mai der Front National (FN) an die Macht komme und FN-Chefin Marine Le Pen zur neuen Präsidentin gewählt würde. Der ING-Chef Hamers betont aber, dass die Gefahr, dass die Eurozone auseinanderbrechen könnte, heute kleiner ist als auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise vor zwei Jahren.

In den Niederlanden fürchtet der ING-Chef einen Wahlgewinn des Rechtspopulisten Geert Wilders. Wilders ist ebenfalls ein entschiedener Gegner des Euro. Auch Wilders plädiert dafür, dass die Niederlande die Eurozone und sogar die Europäische Union verlassen sollten. Wilders will, sollte er in Den Haag tatsächlich an die Macht kommen, die Niederländer in einem Referendum darüber abstimmen lassen, und sie fragen, ob sie in der EU und in der Eurozone bleiben wollen oder nicht. Nach dem Brexit, dem Austrittsvotum der Briten, die in einem Referendum mehrheitlich dafür stimmten, die EU zu verlassen, könnte in einem solchen Szenario der Nexit, der Austritt der Niederlande aus der EU, folgen.

Allerdings hält man es in Den Haag für unwahrscheinlich, dass der Rechtspopulist und Islamkritiker Geert Wilders neuer Ministerpräsident der Niederlande werden könnte. Selbst dann nicht, wenn er mit seiner Freiheitspartei PVV die Parlamentswahl am 15. März gewinnt. Alle übrigen Parteien haben eine Koalition mit ihm bereits ausgeschlossen.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 23.01.2017)

 

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