Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Neue Töne in Davos: Lösungen für Krise der Mittelschicht suchen

Posted by hkarner - 18. Januar 2017

Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, 18. Jänner 2017, 18:40 derstandard.at

Beim Weltwirtschaftsforum wird verstärkt über die Schattenseiten der Globalisierung diskutiert und darüber, was gegen Ungleichheit getan werden kann

Ein bisher kaum benutzter Begriff ist heuer in Davos plötzlich in aller Munde: die Mittelklasse. Auch US-Vizepräsident Joe Biden nahm in seiner Abschiedsrede darauf Bezug und rief dazu auf, dass man etwas tun müsse: Immer mehr Reichtum konzentriere sich auf immer weniger oben und immer mehr Menschen müssten kämpfen, um überhaupt im Mittelstand zu bleiben.

„Ausgepresst und zornig: Wie kann man die Mittelklassenkrise lösen“, lautete der Titel einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, bei der rasch Einigkeit darüber herrscht, dass es diese Krise gebe. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, machte die Politik dafür verantwortlich: „Die Menschen trauen der Regierung nicht mehr, haben keine Hoffnung und sind desillusioniert.“

Auch der ehemalige Staatssekretär im US-Finanzministerium und nunmehrige Harvard-Ökonom Larry Summers konstatierte mit Blick auf den Ausgang der US-Wahl: Die Menschen hätten den Eindruck, „die Regierung kämpft nicht mehr für sie“. Die Regierung stecke ihre Energie in Maßnahmen in der Dritten Welt, in Immi granten oder Minderheiten. „Der Unterschied zwischen Umverteilung und Ungleichheit wurde mit der Trump-Wahl zum Ausdruck gebracht.“ Das Votum sei „eine bizarre Manifestation der Besorgnis über Ungleichheit“. Die Lehre aus der Geschichte habe jedoch gezeigt, dass Populisten keine Lösungen haben und häufig das beförderten, was sie bekämpfen wollten.

Erpressung

Er warf dem gewählten US-Präsidenten Donald Trump Erpressung von einer Handvoll Unternehmen vor, um sie zur Rückkehr in die USA zu bewegen. Summers nannte als Beispiel vier, fünf Telefonate, die Trump mit Konzernchefs geführt habe, um einige hundert Arbeitsplätze in den USA zu retten. Das habe zur Abwertung des mexikanischen Peso um 15 Prozentpunkte geführt. Diese kurzfristige Aktion könne aber tausende Jobs kosten, meinte Summers. Sie selbst habe sogar innerhalb des Währungsfonds Rückschläge erlitten, als sie 2013 darauf hingewiesen habe, man müsse etwas gegen die wachsende Ungleichheit unternehmen. „‚Das ist nicht unser Geschäft‘, hieß es“ schilderte IWF-Chefin Lagarde. Es gebe aber keine Wundermaßnahme, mit der man die Krise des Mittelstandes bekämpfen könne, sagte Lagarde. Sie sei aber für mehr umverteilende Maßnahmen der Politik. „Wenn die Politik das jetzt nicht mache, dann … ich weiß nicht, was dann geschieht.“

„EU hat keine Vision“

Die Europäische Union hat nach Ansicht von Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan keinen Plan, den sie populistischen Kräften entgegensetzen kann. Europa habe aber auch keine Antwort auf die Herausforderungen wie den künftigen US-Präsidenten Donald Trump sowie die Brexit-Entscheidung der Briten, sagte Padoan und klagte: „Wir haben keine Vision in Europa.“ Es gebe keine einfache Antwort, sondern nur schwierige Lösungen. Aber wenn Reformen notwendig seien, dann fehle rasch die Unterstützung der Medien und der Menschen „Wir brauchen eine Vision für die Menschen, die bisher fehlt“, betonte Padoan. „Nicht alle, die für Populisten stimmen, sind schlechte Leute.“ Vielmehr hätten die Menschen echte Sorgen. Es gebe das Gefühl, „unsere Probleme werden in Brüssel oder in Frankfurt gemacht.“ Diese Sorgen müssten sehr ernst genommen werden. Auch hier stimmte Lagarde zu, konnte sich aber eine Spitze gegen Trump nicht verkneifen. Sie könne gar nichts zu seinen Plänen sagen, denn es gebe nur sehr wenige Informationen darüber: „Falls es überhaupt so etwas wie einen Plan gibt“, fügte sie hinzu.

Geld-zurück-Garantie

Auch auf die Vertreter von Firmen färbten die Debatten ab, wie man Ungleichheit stärker bekämpfen und negative Auswirkungen der Globalisierung einschränken könne. So will die Pharmaindustrie ihr Imageproblem mit einer Art Geld-zurück-Garantie bekämpfen. Am Weltwirtschaftsforum warb Novartis-Chef Joe Jimenez für ein neues Preissystem, bei dem Medikamente nur bezahlt werden, wenn sie wirken. Die jüngsten Kontroversen über Medikamentenpreise hätten die bereits angeschlagene Reputation der Pharmaindustrie weiter geschädigt, schrieb Jimenez in einem Gastbeitrag auf der Webseite des Weltwirtschaftsforums. Die Branche muss sich laut Jimenez stärker bemühen, zu zeigen, dass sie ihr Geld auch wert ist. Um das zu erreichen, schlägt der Chef des Basler Pharmariesen eine Änderung im Preissystem vor: Die Pharmaindustrie soll sich für die Wirksamkeit ihrer Therapien bezahlen lassen anstatt für die Zahl der verkauften Pillen. Die Idee von Jimenez ist nicht neu. Novartis und Roche haben den Vorschlag schon vor zwei Jahren aufs Tapet gebracht. (afs, 18.1.2017) – derstandard.at/2000051078841/Neue-Toene-in-DavosWir-brauchen-eine-Vision-fuer-Menschen

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