Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Das sizilianische Mutterl und die Bankenrettung

Posted by hkarner - 28. Dezember 2016

27.12.2016 | 18:27 | Josef Urschitz (Die Presse)

Italien spielt bei der Bankensanierung die Tränendrüsenkarte aus.

Ups: die italienische Pleitebank Monte dei Paschi braucht plötzlich nicht, wie bisher geglaubt, fünf, sondern 8,8 Mrd. Euro, davon 6,5 Milliarden vom Staat. Kein Problem, Bankbilanzierung ist ja keine exakte Wissenschaft. Und etwas mehr wird es wohl auch noch werden. Das haben Kapitallöcher bei Banken im Abwärtsstrudel so an sich.

Dass mit der Staatshilfe das gemeinsam beschlossene Bail-in-Gebot der EU gleich beim ersten Anlassfall gebrochen wird, wundert eigentlich auch niemanden. Wir haben an dieser Stelle ja schon festgestellt, dass die konsequente Nichteinhaltung der eigenen Regeln einer der Hauptgründe dafür sein wird, dass die EU in dieser Form nicht überlebt.

Allerdings hat die italienische Regierung ihre Bankenrettung sehr geschickt auf den Weg gebracht. Mithilfe der emotionalen Karte und starker Tränendrüsenmassage: Viele Kleinanleger hätten nachrangige Bankanleihen gezeichnet, es gehe also weniger um die Rettung einer Großbank als um die Rettung „vieler kleiner Sparer“. Das sitzt: Wer will schon dem armen sizilianischen Mutterl, das mit nachrangigen Monte-dei-Paschi-Anleihen auf die Heiratsausstattung der Enkel anspart, Geld wegnehmen?Klingt herzzerfetzend, hat aber einen Haken: Die US-Finanzagentur Bloomberg hat in typisch herzloser Kapitalistenmanier einfach Daten der italienischen Notenbank ausgewertet und – wir haben es geahnt – herausgefunden, dass die Tränendrüsenstory so nicht ganz stimmen kann: Zwar haben 5,4 Prozent der italienischen Haushalte Bankanleihen. Die sind aber weit überdurchschnittlich vermögend und gehören überwiegend dem obersten Einkommensdezil an.

Es handelt sich also um Leute, die normalerweise wissen, was sie tun. Etwa für höhere Zinsen höheres Risiko in Kauf nehmen. Ein klarer Fall von Pech gehabt.

Die italienische Regierung kann sich ihre Rühr-Story also an den Hut stecken: Es sind einfach nur wieder einmal Aktionäre und Gläubiger auf Staatskosten herausgeboxt worden. Und die Rechnung zahlen alle „kleinen“ Italiener mit. Denkt man sich in Brüssel eigentlich etwas dabei, wenn man solches genehmigt?

 

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