Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Banken: Bei den Krediten klemmt es doch

Posted by hkarner - 22. Dezember 2016

Also mich überrascht das Ergebnis der Studie wirklich nicht: das ist doch betriebswirtschaftlich realistisch, hat mit Kreditklemme in guten bzw. schlechten Zeiten nichts zu tun. (hfk)

22.12.2016 | 18:20 | Von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Weniger Kredite seit der Krise? Nur weil die Nachfrage fehle, behaupten die Banken. Stimmt nicht, weist nun das Wifo nach: Ob eine solide Firma Kredit erhält, hängt von der Kapitalquote der Hausbank ab.

Wien. Es war bis jetzt eine offene Frage: Hat die strengere Regulierung der Banken als Folge der Finanzkrise zu einer Kreditklemme für Österreichs Wirtschaft geführt? Viele Unternehmer sind davon überzeugt. Die heimischen Banken haben das immer bestritten: Sie würden liebend gern mehr Kredite vergeben, aber leider sei eben die Nachfrage zu schwach. Tatsächlich spielen beim Kreditwachstum Angebot und Nachfrage zusammen, und Ökonomen tun sich schwer, diese Effekte zu trennen. Dazu müsste man konkrete Firmen und ihre Banken über die Zeit beobachten, wofür meist die Daten fehlen. Das Wifo hat diese Übung nun – erstmals weltweit – geschafft. Und dabei die Behauptung der Banker widerlegt. Denn das Fazit lautet: Gleich kreditwürdige Unternehmen erhalten in Österreich einen Kredit oder auch nicht – je nachdem, wie gut die Kapitalausstattung ihrer Hausbank ist.

Für ihre Studie nutzten Wifo-Bankenexperte Franz Hahn und seine Koautoren hauseigene Umfragen bei den Unternehmen. Ein Drittel der Firmen gab während und nach der Krise an, schwerer Kredite zu bekommen als früher. Was allein nichts beweist: Sie könnten krisenbedingt schlechter dastehen, oder ihr Eindruck könnte sie täuschen. Also zapften die Forscher die Daten des KSV an. Die Kreditschützer verwenden, um die Kreditwürdigkeit zu bewerten, ganz ähnliche Ratings wie die Banken. Und sie wissen, mit welchen Instituten jede Firma in Verbindung steht. Ins Sample kamen rund 950 kleinere und mittlere Unternehmen, die nur eine Hausbank haben (und sich auf dem Kapitalmarkt nicht finanzieren können). Ihnen gegenüber stehen 235 kleinere Geldhäuser – vor allem die vielen übers Land verstreuten Sparkassen, Raikas, Volksbanken.

Makrofolgen stärker als gedacht

Nun verglichen die Ökonomen Firmen, die Einschränkungen erlitten hatten (weniger Kreditlinien, höhere Sicherheiten), mit ähnlichen, denen das erspart geblieben war. „Ähnlich“ heißt: gleiches Rating, aber auch vergleichbare Größe und Alter, Exportabhängigkeit und wirtschaftliche Dynamik in der Region. Wenn trotzdem eine Firma Kredit erhält und die andere nicht, muss es an der Bank liegen. Aber woran genau? Die Forscher spielten allerlei Bilanzdaten durch: Liquidität, Gewinn, Kosten-Ertrags-Verhältnis. Alles Fehlanzeige. Aber ein klarer, starker Zusammenhang: mit der (Kern-)Kapitalquote.

Auf sie schauen ja auch die Aufseher und der Kapitalmarkt, um einzuschätzen, wie viel Verluste ein Geldhaus tragen kann – also: wie sicher oder riskant, wie gesund oder krank es dasteht. Heimische Institute sind meist eher schlecht mit Eigenkapital ausgestattet. Entsprechend groß ist der Druck der Aufseher auf viele, Kapitalpuffer zu erhöhen, zu sparen und Risiko zu reduzieren. Dass sie deshalb weniger Kredite vergeben, erscheint logisch. Aber bewiesen musste es erst werden. Das Risiko von Einschränkungen, heißt es in der Studie, dürfte „viel höher“ sein, „als viele, Experten wie Behörden, bis heute bereit sind zu glauben“. Für viele Firmen ist es ein Aha-Effekt, dass die viel gerühmten „guten Beziehungen“ zur Hausbank hier nichts nützen. Hahns einfache Botschaft: „Sie sollten sich eine Bank aussuchen, die gut kapitalisiert ist.“ Seine Studie schätzt auch volkswirtschaftliche Folgen ab. Es zeigt sich: Firmen, die Einschränkungen erleiden, haben in der Folge eine schwächere Umsatzentwicklung und schaffen weniger Jobs als vergleichbare, besser bediente Unternehmen. „Auch diese Makroeffekte“, sagt Hahn, „sind größer, als wir alle angenommen haben.“

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