Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Schattenbanken sind ein riesiger Wirtschaftsfaktor

Posted by hkarner - 30. Oktober 2016

30.10.2016 | 10:08 |  (DiePresse.com)

Einer aktuellen AK-Studie zufolge bleibt das Schattenbankensystem auch nach der Finanzkrise wichtig.

Schattenbanken, also Finanzinstitute jenseits von Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, sind auch nach der Finanzkrise ein riesiger Wirtschaftsfaktor, vor allem in Europa. Weltweit sind 75,2 Billionen Dollar (68,8 Billionen Euro) in diesem Sektor geparkt, fast die Hälfte davon (48 Prozent) in Europa. Regulierung sei bisher „eher gemächlich und zögerlich“ erfolgt, heißt es in einer AK-Studie.

Acht Jahre nach der Finanzkrise von 2008 sei die Regulierung in Europa „noch nicht annähernd abgeschlossen“, so die Arbeiterkammer-Studie. Die Autoren Lars Bräutigam und Karl Michael Beyer ziehen aus den Entwicklungen den Schluss, dass die EU-Kommission „die Finanzierungsseite von Schattenbankstrukturen sicherer und transparenter gestalten (will), während marktbasierte Kreditvergabeformen unter Duldung oder Missachtung der mit ihnen verbundenen Risiken gefördert werden“. Man müsse davon ausgehen, dass der Schattenbankensektor im europäischen Finanzsystem weiter an Bedeutung gewinnen werde. Seit 2008 habe sein Anteil am gesamten Finanzsektor des Euroraums jedenfalls zugenommen und liege jetzt bei rund einem Drittel.

Weltweit entsprechen die 75,2 Billionen Dollar im Schattenbankensystem 25 Prozent aller Werte des globalen Finanzsystems und dem 1,2-fachen der globalen Wirtschaftsleistung (BIP). In der Eurozone machten die Aktivitäten von Schattenbanken 2014 bis zu 24,5 Billionen Euro aus (Die Studie gibt Minimal- und Maximalwerte an). Das wäre das 2,4 fache des BIP. Dieser Durchschnittswert zeigt aber nicht die Betroffenheit einzelner Staaten. Denn das kleine Luxemburg hat sogar in absoluten Zahlen den aktivsten Schattenbankensektor aller EU-Staaten mit 4,8 bis 7,97 Billionen Euro – das sind bis zu 23 Prozent des gesamten Sektors in Europa und bis zum 163-fachen der nationalen Wirtschaftsleistung. Der Schattenbanksektor ist hier auch fast acht Mal größer als der restliche Finanzsektor.

Schattenbanken in Österreich

Ungefähr gleich groß wie in Luxemburg ist, in absoluten Zahlen, der Schattenbankensektor in Großbritannien. Dort entspricht dies aber „nur“ dem 3,5-fachen der Wirtschaftsleistung. Dazu kommt, dass der reguläre Bankensektor gut drei Mal so groß ist wie der Schattenbanksektor. Die anderen EU-Länder mit hypertrophen Schattenbankaktivitäten sind die Niederlande, Irland, Malta und Zypern. In diesen Ländern macht der Schattenbanksektor das 8- bis 21-fache des BIP aus.

Österreich liegt im EU-Mittelfeld, die einschlägigen Aktivitäten werden in der Studie mit maximal dem 1,2-fachen des BIP veranschlagt. Der reguläre Finanzsektor ist gut drei Mal so groß wie der Schattenbankenbereich und kommt auf das 4,5-fache der Wirtschaftsleistung. Seit der Finanzkrise von 2008 ist die Bedeutung des Schattenbanksektors in Österreich relativ konstant geblieben bzw. sogar gesunken. Geldmarktfonds, Hedgefonds und Verbriefungsgesellschaften spielen in Österreich kaum eine bis keine Rolle.

„Eine weithin akzeptierte Definition des Schattenbankensystems liegt gegenwärtig noch nicht vor“, schreiben die Autoren. Es sei aber nachgewiesen, dass ein weitverzweigtes und komplexes System der Kreditvermittlung neben dem relativ strikt regulierten Bankensektor existiert. Dieses sei stark mit dem regulierten Bankensektor verschränkt und sei „wesentlich für die in der Finanzkrise zutage getretene Instabilität des globalen Finanzsystems verantwortlich“ gewesen. Die Spieler im Schattenbankensystem üben bankentypische Tätigkeiten aus und das System erlaubt „eine betriebswirtschaftlich profitable Verwertung von Krediten, indem gebührenbasiert Möglichkeiten für Investoren geschaffen werden, Teile der originären Schulden gegen Renditeversprechen zu übernehmen“. Während also im traditionellen Geschäft die Banken die Kreditrisiken tragen, werden im neu entstandenen System der Vermittlung von Krediten sowohl die Finanzierung als auch das Ausfallrisiko „in den Markt“ verteilt.

 

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