Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Antworten an den Club of Rome

Posted by hkarner - 19. Oktober 2016

Hans-Jörg Naumer, 18. Okt. 2016, Ökonomenstimme

Der „Club of Rome“ hat seinen neuen Report „Reinventing Prosperty“ veröffentlicht, in dem er sich gegen die  Fokussierung aufs Wirtschaftswachstum ausspricht. Dieser Beitrag kritisiert die statischen Aussagen des Berichts. Wirtschaftswachstum könne auch mit Umweltschutz Hand in Hand gehen, wenn der Wettbewerb seine Rolle als Garant der effizienten Allokation knapper Güter spielt und die Preise ihre Signalfunktion ausüben können.

Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie wir in den 70’ern „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome diskutierten. Überbevölkerte Erde, Rohstoffknappheit, Öko-Kollaps … so ließ sich die Botschaft zusammenfassen. Ein Gefühl von „und Malthus hatte doch Recht“ kam auf.

Tatsächlich ist von Anfang der 80’er Jahre die Weltbevölkerung um über 3 Mrd. auf jetzt ca. 7,2 Mrd. Menschen angewachsen. Anders als erwartet ist aber der Anstieg von Massenarmut und Hungersnöten ausgeblieben. Im Gegenteil. Der Anteil der Weltbevölkerung, die in absoluter Armut lebt – als Maßstab dafür gilt, wer weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zum Leben hat – ist von 45% auf unter 15% gefallen. Die Weltbevölkerung ist gewachsen, der Anteil der Armen ist global dennoch deutlich zurückgegangen.

Abbildung 1: Wachsende Weltbevölkerung – Sinkende absolute Armut

Anteil der Weltbevölkerung, der weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zum Leben hat.

Das Pro-Kopf-Einkommen ist, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kaufkraft, auf knapp 7.500 gemessen mit dem Geary-Kamish US-Dollar gestiegen. Die Ungleichheit der Weltbevölkerung ist währenddessen gesunken.[ 1 ]

Abbildung 2: Wachsende Weltbevölkerung – Wachsender Wohlstand

Entwicklung des Pro-Kopfeinkommens (Welt; 1990 International Geary-Kamish $) in Relation zur Weltbevölkerung

Die Lebenserwartung ist weltweit gestiegen und steigt weiter. Die Kindersterblichkeit geht zurück. Noch nie zuvor hat die Menschheit so gesund und so lange gelebt, wie u.a. Angus Deanton[ 2 ] und Max Roser[ 3 ] mit unerschöpflich vielen Zahlen belegen. Noch nie ging es der Erdbevölkerung so gut. Dabei ist das Phänomen des Breitenwohlstands ein Phänomen, das erst mit der Industrialisierung einsetzte. Also gerade mal ca. 200 Jahre alt.

Ja, Wachstum und Wohlstand haben auch ihren Preis. Ja, wir stehen vor dem Klimawandel. Ja, unsere Weltmeere sind vermüllt. Ja, der Kampf um Rohstoffe wird immer schärfer. Aber wird jetzt der Mensch als Krone der Schöpfung gleichzeitig der Schöpfung größte Last? Müssen wir Menschen vor die Wahl stellen „Kinder oder Geldprämie?“

Die Studie der Autoren des Club of Rome konzentriert sich auf die drei Herausforderungen Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel, denen er mit 13 Lösungsansätzen begegnen will. Eine „Nicht-Gebärprämie“ gehört dazu. Frauen, die bis zum 50. Lebensjahr kein zweites Kind bekommen, sollen im Gegenzug 80.000 US-Dollar erhalten. Alles wird dem Ziel, das Wirtschaftswachstum auf ein Prozent pro Jahr zu beschränken, untergeordnet. Massive Umverteilungsprogramme kommen dazu, um den Wohlstand zu nivellieren.[ 4 ]

Die Studie ist statisch und regulativ.

Statisch, da sie die Kraft der „kreativen Zerstörung“[ 5 ] zu unterschätzen scheint. Wäre hätte den Siegeszug der erneuerbaren Energien Anfang der 70’er vorwegnehmen können? Wie können die Veränderungen, die unter dem Begriff „disruptiv technologies“ zusammengefasst werden, in Zukunftsprognosen integriert werden? Regulativ, da der Club hauptsächlich auf Planvorgaben für das Wachstum und die Umverteilung setzt, statt die Kräfte des Marktes und des Wettbewerbs zu nutzen.

Abbildung 3: Die Geschichte unseres Wohlstands, ist die Geschichte der schöpferischen Kraft der Zerstörung

Wer sagt denn, dass gerade in Anbetracht des radikalen technologischen Wandels Wachstum und Ressourcenverbrauch auf ewig gekoppelt sein müssen? Besteht nicht das „Elend des Historizismus“ (Karl Popper)[ 6 ] gerade darin, dass wir die Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben und die Dynamik der Veränderung unterschätzen? Fünf große Wachstumszyklen hat die Menschheit seit der Industrialisierung erlebt.[ 7 ] Der sechste Zyklus steht an, und man muss dabei nicht der Radikalität eines Jeremy Rifkin[ 8 ] folgen, der das Ende von Wirtschaft und Wachstum vorhersagt, wie wir es kennen, um zu erwarten, dass die nächste große Wachstumswelle eine „grüne Welle“ werden könnte, die auf erneuerbaren Energien, Recycling und Daten und Dienstleistungen statt auf Materie beruht. Dabei zeichnen sich die Konturen des „2. Maschinenzeitalters“ gerade erst ab.[ 9 ][ 10 ]

Meine Antworten an den Club of Rome lauten daher: Nicht statisch-regulativ, sondern dynamisch-kompetitiv muss sich die Zukunft entfalten, sollen die großen Herausforderungen der Menschheit ohne Verteilungskonflikte gelöst werden.

  1. Dynamisch-kompetitiv: Statt das Wirtschaftswachstum in ein Korsett zu pressen und Obergrenzen festzulegen, müssen die schöpferischen Kräfte zur Entfaltung kommen, um die Knappheitsprobleme – auch „Umwelt“ ist knapp – zu lösen und die Verteilungskonflikte zu entschärfen.
  2. Die Bewahrung der Schöpfung muss innerhalb eines Ordnungsrahmens erfolgen, der die negativen Effekte verhindert indem die Kosten internalisiert werden. Innerhalb dieses Ordnungsrahmens findet der Wettbewerb statt, mit den Preissignalen als Lenkungsfunktion.
  3. Zum Ordnungsrahmen gehört die Ordnungsethik, wie sie Karl Homann dargelegt hat.[ 11 ] Dieser Ordnungsrahmen beruht auf der Erkenntnis, dass die ethische Maxime, Gutes zu tun, nicht zur dauerhaften Selbstausbeutung des Einzelnen führen darf. Nur so sind Wirtschaftssysteme dauerhaft stabil.
  4. Dem Wettbewerb um knappe Ressourcen kommt dabei nicht nur die Funktion der effizienten Allokation der Güter zu, sondern auch der optimalen Nutzung des Wissens, welches im Hayekianischen Verständnis auf die Wirtschaftssubjekte verteilt und nicht aggregiert bei einer Schar an „Philosophen“ zu finden ist.[ 12 ][ 13 ] In ihm steckt auch der „Entdeckungsmechanismus“,[ 14 ] der neue Technologien hervorbringt.
  5. Die Preissignale als Mittel der effizienten Allokation der Ressourcen können genutzt werden, um ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Resultate zu erzielen. Ein wichtiger Ansatzpunkte wäre hier z.B. dass die Umwelt ein „Preisschild“ erhält, dass also der Umweltverbrauch in den Preisen internalisiert wird. Ganz praktisch: Die Kosten des Klimawandels würden z.B. im Verbrauch traditioneller Energieträger eingepreist, was nicht nur erneuerbare Energiequellen relativ bevorteilen, sondern auch den Verbrauch der klimaschädlichen Energien entsprechend verringern würde.
  6. Nicht zu unterschätzen ist der Preis für Kapital. Wenn jüngst die großen Ratingagenturen die ausgefeilte Klaviatur der ESG-Anforderungen in ihre Ratingbeurteilungen mit aufgenommen haben, und Morningstar zukünftig Fonds, unabhängig von deren Anlageziel, mit einem ESG-Rating versehen will, ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass die Finanzierung von Investitionen per Eigen- oder Fremdkapital zukünftig noch stärker unter dem Siegel „ESG – Environmental Social“ & Governance“ beurteilt wird.[ 15 ] Konkret bedeutet dies: Wer ein niedriges ESG-Rating hat, für den wird sich die Kapitalbeschaffung verteuern. Einen effizienteren Mechanismus zur Einhaltung von Umwelt-, Gesellschafts- und Governance-Standards kann es kaum geben. Gelder, die nach den Prinzipien des verantwortungsvollen Investierens („PRI“ – „Principles of Responsible Investment“) der Vereinten Nationen verwaltet werden, belaufen sich schon heute auf ca. 60 Billionen US-Dollar – die Hälfte der global verwalteten, institutionellen Gelder.[ 16 ]

Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der Verteilungskonflikte. Wer eine friedliche Welt will, muss diese Konflikte zwischen und innerhalb der Gesellschaften zuerst lösen. Bei der Frage nach dem Wachstum geht es daher nicht um das „Ob“ sondern um das „Wie“.

 

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