Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

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Geht die Deutsche Bank AG pleite?

Posted by hkarner - 3. Oktober 2016

Andreas Männicke, 2/10Männicke

 

Der Kurs der Aktie der Deutschen Bank AG erreichte am 30. September morgens ein neues Allzeit-Tief von unter 10 €, um am 30. September intraday wieder um über 10 Prozent auf 11,6 € anzusteigen. Es mehren sich die Gerüchte, dass sich die Deutsche Bank AG auch wegen der Klage aus den USA in einer Liquiditätskrise befindet und eine Not-Kapitalerhöhung machen muss. Immer mehr Hedgefonds spekulieren nicht nur auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank AG – wie auch die Investmentlegende George Soros -, sondern räumen auch ihre Konten bei der Deutschen Bank AG, was ein erstes Alarmzeichen ist, denn die Deutsche Bank AG ist die größte Clearing-Stelle für fast 200 Hedgefonds in Europa.

Zudem plant die Commerzbank einen Stellenabbau von 9000 Stellen. Viel besser geht es – allen Unkenrufen zum Trotz – der russischen Sberbank in Russland mit einem Plus von über 150 Prozent seit Anfang 2015. Kann es aber bei einer Pleite der Deutschen Bank AG zu einem System-Crash kommen oder Muss die Deutsche Bank AG – anders als in 2008/9 – dann doch Staatshilfe in Anspruch nehmen? Kommt es nun zu einer neuen Bankenkrise in Europa?

Deutsche Bank am Freitag nach neuen Gerüchten erholt, aber…

Die Aktien Großbanken Deutsche Bank AG und Commerzbank AG verloren ausgehend vom Höchstkurs schon über 90 Prozent an Wert und sind bei einer so geringen Marktkapitalisierung von nur noch 16 bzw. 7 Milliarden € geeignete Übernahmekandidaten, aber keiner weiß so genau, wie hoch die Risiken beider Banken einzustufen sind. Das Hoch lag bei der Deutschen bank AG in 2007 bei etwa 120 € und bei der Commerzbank in 2000 bei etwa 140 € und in 2007 bei etwa 130 €. Nun sind die Aktienkurse auf 11,6 bzw. 5,7 € eingebrochen. Ein Fiaskos für alle in- und ausländischen Aktionäre.

…Vertrauenskrise bei der Deutschen bank AG hält an

Bei der Commerzbank AG ist bereits seit der Krise im Jahr 2008/9 der Staat mit 25 Prozent beteiligt. Die Commerzbank will bis 2020 90000 Stellen streichen, um wieder profitabel zu werden. Beide Großbanken leiden unter der Minus-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), denn so werden die Zinsmargen immer geringer. Sie müssen die Gebühren erhöhen, um den Wegfall der Erträge auszugleichen. Die EZB trägt insofern eine Mitschuld an der Misere, aber viele Probleme sind auch hausgemacht. Die Deutschen Bank AG bekommt eine Klage nach der anderen auf den Tisch und bildete dafür schon Rückstellungen im Volumen von 5,5 Milliarden €. Dies dürfte aber in Anbetracht der neuen Klage des US-Justizministeriums über 14 Mrd. US-Dollar nicht ausreichen, auch wenn der Betrag nach einem Vergleich geringer ausfallen wird. Die Deutschen Bank AG strudelt damit aber auch in eine Vertrauenskrise.

Ist ein Vergleich wirklich in Sicht?

Nun mehren sich die Gerüchte, dass auch die Deutsche Bank AG Staatshilfe oder zumindest eine Kapitalerhöhung benötigt. Der Aktienkurs der Deutschen Bank AG fiel am 30. September morgens zunächst auf ein Allzeit-Tief von unter 10 €, um dann wider auf 11,6 € sprunghaft anzusteigen, was per Saldo 6,39 Prozent über den Schlusskurs des Vortags war. Auslöser für den Kursprung war ein von der französischen Presse aufgebrachtes Gerücht, dass die Deutsche Bank AG bald ein Vergleich für die 14 Mrd USD-Dollar Klage des US-Justizministerium machen könne. Dies Gerücht wurde von der Deutschen Bank AG aber nicht bestätigt.

Deutsche Bank AG mit hohen Risiken und zu geringer Kapitalausstattung

Die Fakten um die Deutsche Bank AG belegen, dass es sich um ein hochgradiges „Risikopapier“ handelt. Wie groß die Risiken genau sind und ob die Bank aufgrund der Risiken Pleite gehen kann, ist ungewiss, aber möglich. Die Bilanzsumme der Deutschen Bank AG beträgt 1,6 Billionen €, was die Hälfte des deutschen Bruttosozialprodukts ist. Das Eigenkapital beträgt aber nur 68 Milliarden €, was nur 4 Prozent der Bilanzsumme ist. Die Marktkapitalisierung beträgt mit 16 Milliarden € nur 1 Prozent der Bilanzsumme. Schon an diesen Zahlen erkennt man, wie stark die Deutsche Bank AG mit fremdem Geld hebelt, was schon von daher größer Risiken in sich birgt.

Die hohen Bonuszahlungen sind ein Skandal

In den letzten Jahren wurde seit 2009 zwar durch Kapitalerhöhungen 13,9 Milliarden € eingesammelt, die schon alle überwiegend durch Rechtsstreitigkeiten und eine Lawine von Gerichtsprozessen verpulvert wurden, aber auch 19,3 Milliarden an Bonuszahlungen geleistet. Wofür eigentlich? Für Unfähigkeit im Management? Dies ist ein Skandal!

Hohe CDS-Prämien zeigen die hohen Risiken auf

Das ehemalige Flaggschiff Investmentbanking wurde zwar in London abgebaut, aber auch hier kann es immer wieder zu Schieflagen kommen. Die größten Gefahren liegen aber bei außerbörslichen Derivategeschäfte wie vor allem die Credit Default Swaps (CDS), also Absicherungsgeschäfte für Kredite und Zinsen. Die Höhe der Risikoprämien für CDS sind aber immer ein gutes Zeichen, wie hoch der Markt die Risiken einschätzt und die sind bei der Deutschen Bank AG in den letzten Wochen sprunghaft nach oben gestiegen.

Wer blickt noch durch bei den Derivategeschäften?

Bei den außerbörslichen Derivaten weiß keiner so genau Bescheid, da diese Geschäfte nicht geregelt und daher auch nicht extern kontrolliert werden. Auf dem Papier sind Derivategeschäfte als Absicherungsgeschäft zwar Nullsummenspiele; dies aber nur, wenn ein großer Counterpart nicht ausfällt oder es einen Markt gibt. Wenn aber nicht, kann das ganze Kartenhaus zusammenbrechen. Das ist genau wie bei Versicherungen. Wenn die Versicherung selbst Pleite geht, sind keinerlei Risiken abgesichert, da es keinen gibt, der Zahlungen vornehmen kann. Wie wir alle wissen brach der Interbankenmarkt 2008 fast vollständig zusammen, weil keine Bank der andern vertrauen konnte. Wenn so ein Zustand erreicht ist, bricht auch der Derivatemarkt zusammen und auch andere Märkte werden wegen mangelnder Liquidität austrocknen, insbesondere, wenn Banken und auch Versicherungen pleitegehen wie es 2008 der Fall war. So etwas kann aber wieder passieren, auch wenn es den US-Banken jetzt etwas besser geht als den deutschen Banken.

Das weltweite Derivatevolumen sank zwar nach der Lehman Brothers Pleite von 620 auf 480 Billion US-Dollar, es hat aber immer noch den Charakter von Massenvernichtungswaffen, wie es Waren Buffet nannte. Allein Derivate-Volumen allein der Deutschen Bank AG ist mit 32 Billionen € – einige behaupten sogar 60 Billion USD-Dollar, wobei JP Morgen „nur“ 52 Billionen USD-Dollar an Derivaten hat- , 10 bis 20 mal größer als das Bruttosozialprodukt Deutschlands und mehr als doppelt so groß wie das Bruttosozialprodukt Europas mit 14 Billionen €. Im Jahr 2008 gab es schon so eine Situation, wo fast alle Banken und Versicherungen der Welt pleite waren und nur durch Staatshilfe gerettet wurden, was freilich auch die Verschuldung der Länder seitdem enorm erhöhte.

Die Notenbanken verschärfen die Bankenprobleme durch die Nullzinspolitik

Nun versuchen die Notenbanken durch die Nullzinspolitik die Probleme in die Zukunft zu schieben, was bisher auch gelang. Es entstand aber dadurch eine gewaltige Anleihen-Blase, wo auch durch die Höhe der Zinsen die Risiken nicht richtig widergeben werden. Da wir uns an diese Nullzins- oder sogar Negativzinspolitik gewöhnt haben, nenne ich das die „Drogenpolitik! der Notenbanken, was auch ein planwirtschaftlicher Akt ist. Auch die Tatsache, dass systemrelevante Banken nicht Pleite gehen dürfen ist ein Beleg, dass die Marktwirtschaft ad absurdem geführt wurde. Die Deutsche Bank AG ist aber zu groß wo weder ein „Bail out“ (durch Staatshilfe) noch ein „Bail in“ (durch Aktionäre, also durch Kapitalerhöhungen) funktionieren würde. wenn die Deutsche Bank AG in das „schwarze Loch“ der nicht mehr erfüllbaren Derivategeschäfte fallen würde.

Ungeregeltes und unkontrolliertes Derivate-Geschäft als Zeitbombe

Wenn auch die Regulierung im Bankensektor immer mehr zunahm und die europäische Union eine wenig leistungsfähige Bankenunion schuf, die demnächst wohlmöglich die Deutsche Bank AG retten muss, so gibt es nach wie vor keine Regulierung im OTC-Derivategeschäft der Banken, wo auch kaum ein Banker mehr durchblickt. Man kann nur hoffen, dass das Risikomanagement und die internen Kontrollen der Banken seit 2008 verbessert wurden.

Einige große Hedgefonds kehren der Deutschen Bank AG schon den Rücken

Der Fall Deutsche Bank AG lässt aber schon wieder alle Alarmglocken klingeln, die es nur gibt. Denn die Deutsche Bank AG ist die Haupt-Clearingstelle für europäische Derivategeschäfte mit fast 200 Hedgefonds. Einige große Hedgefonds sollen nach Bloomberg angeblich schon die Konten bei der Deutsche Bank AG geräumt haben wie Millennium Partners, Capula Investment Management und Rokos Capital Management, die neben 7 weiteren Hedgefonds der Deutschen Bank AG den Rücken gekehrt haben oder zumindest ihr Exposition reduziert haben. Dies ist bereits das erste Zeichne einer ernsthaften Vertrauenskrise. Angeblich hat China eine Transaktion über 3,9 Mrd US-Dollar bei der Deutschen Bank AG blockiert. Sicherlich werden jetzt auch negative Gerüchte um die Solidität gestreut, weil jetzt auch viele Hedgefonds bei der Deutschen Bank AG short sind, nicht zuletzt der Investmentguru George Soros. Der US-Investmentexperte Martin Armstrong warnt vor einer globalem System-Kernschmelze, die schon am 4. Oktober beginnen kann, wenn der Felle der Deutschen Bank AG wegschwimmen sollten.

Die üblichen Beruhigungspillen für das Volk

Der EZB-Chef Mario Draghi meinte kürzlich bei seiner Stellungnahme im Deutschen Bundestag, wo er seine außergewöhnliche Geldpolitik verteidigte, dass ein Problem bei der Deutschen Bank AG nicht sein Problem sei, dabei wurde zuvor die italienischen Bank Monte Paschi im Sommer auch mit Hilfe der EU und EZB gerettet. Nach einer Bankenkrise in Italien droht nun auch eine Bankenkrise in Deutschland und damit auch in Europa. Der Deutsche Bank AG-Chef Cryan meint, dass eine Kapitalerhöhung im Moment nicht notwendig sei und die Bank hinreichend Liquidität besitze, um auch die Gelder für die Klage aus den USA aufzubringen. Von Angela Merkel kam eine ähnliche Stellungnahme, dass eine Staatshilfe nicht auf der Tagesordnung steht. Dabei gibt es schon lange einen Notfallplan der Regierung, falls eine Großbank in eine Schieflage kommt. Nur darf man sowas natürlich nicht äußeren, weil dann noch mehr das Vertrauen schwindet und ein Banken Run eingeleitet wird, der auch zu einem System-Crash führen kann. Dies sind die üblichen Beruhigungsspillen für das Volk, damit es nicht zu einem Banken Run kommt. Die gab es vor der Lehman Brothers-Pleite aber auch, geadelt durch das hohe Rating der Rating-Agenturen, von denen man jetzt aber auch nichts hört, ebenso wenig wie von der BaFin.

Es lebe der große Unterschied

Wesentlich besser als bei der Deutschen Bank AG sieht es nach wie vor bei der Sberbank aus, die ihre Erträge in diesem Jahr durch normales Kreditgeschäft wesentlich erhöhen könnte. Der Kurs gab zwar am Freitag um 1,7 Prozent auf 8,4 € nach; er stieg aber um fast 100 Prozent schon in diesem Jahr und um über 150 Prozent seit Anfang 2015. Russland konnte nun auch einen Eurobond über 1,75 Milliarden US-Dollar mit eine Rendite von fast 4 Prozent platzieren, wobei die Nachfrage sehr groß war. Allen Unkenrufen und allem Russland-Bashing zum Trotz waren und sind Anleger in Russland bisher wesentlich besser aufgehoben als in Deutschland insbesondere wenn man die Kurse der Deutschen Bank AG und der Sberbank, aber auch von Aeroflot und der Lufthansa AG vergleicht. Es lebe der große Unterschied!

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