Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Die Erträge öffentlicher Pensionsfonds brechen ein

Posted by hkarner - 24. August 2016

Genial daneben | 22.08.2016, MakroskopFlassbeck CC

Staatliche Pensionsfonds geraten unter Druck. Die Renditen sinken. Nun stellt man fest, dass das mit dem Zurücklegen von Geld nicht so einfach ist und schon bricht Panik aus. Was läuft da falsch?

Wissen Sie, was ein staatlicher Pensionsfonds ist? Wenn nicht, ist das eine entscheidende Wissenslücke. Weil nämlich staatliche Pensionsfonds die genialste menschliche Idee seit der Erfindung des Rades sind. Besonders anfällig für diese grandiose Idee sind solche deutschen Landesregierungen, die ihren geistigen Horizont freiwillig dadurch beschränken, dass sie die schwäbische Hausfrau zu ihrem wichtigsten ökonomischen Ratgeber machen. Ein Brett vor dem Kopf reicht da nicht, da müssen schon ganz dicke Balken her.

„In den Fonds der Länder“, so die Süddeutsche Zeitung (hier) mit größtem bayrischem Bierernst, „wird Geld zurückgelegt, das für die Auszahlung von Beamtenpensionen verwendet werden soll.“ Nur, wohin wird das Geld eigentlich „zurückgelegt“? Gibt es eine irgendwie automatische Geldvermehrung, wenn man das Geld nur ordentlich „zurücklegt“? Nun stellt man fest, dass das mit dem Zurücklegen nicht so einfach ist und schon bricht Panik aus.

Und wer, bitte schön, ist jetzt so dreist, sich an den Pensionen unserer Landesbeamten zu vergreifen? Wer reduziert die Erträge des zurückgelegten Geldes derart, dass die schönen Pensionen unsere Beamten in 20 bis 30 Jahren gefährdet sind? Was haben die klugen Länder, die auf moderne Art und Weise vorsorgen wollten, falsch gemacht? Zurücklegen ist doch immer gut – oder?

Dazu will ich auf eine faszinierende Geschichte aus Bayern aus dem Jahre 2008 verweisen, jenem Freistaat also, wo jeder Politiker und jeder Beamte einen Eid auf die Mikroökonomie ablegen muss; wo man schwören muss, niemals über den Horizont der schwäbischen Hausfrau hinaus zu denken und zu handeln und wo jedes Zuwiderhandeln durch sofortigen Ausschluss aus der Staatspartei geahndet wird.

Hier findet sich die Geschichte aus dem Bayern-Land genau so, wie sie damals bei den Nachdenkseiten abgedruckt wurde. Lesen Sie ganz in Ruhe nach und genießen sie die scharfsinnigen Beobachtungen des damaligen bayrischen Finanzministers, der auf den  Namen Erwin Huber hörte.

Wenn Sie das gelesen haben, dann können Sie mit Leichtigkeit die Frage beantworten, wer sich an den zukünftigen, den „zurückgelegten“ Beamtenpensionen vergreift. Ja, es ist der Staat selbst. Weil er keine Zinsen mehr zahlt auf die Anleihen, die er begibt, bekommt er auch selbst keine Zinsen mehr für die Fonds, die er für seine Beamten angelegt hat.

Da werden sie jetzt das zurückgelegte Geld vermehrt in Aktien „investieren“. Zwar steigen die Gewinne der Unternehmen auch nicht, wenn mehr Aktien gekauft werden, aber es sieht doch gut aus, wenn die Kurse kräftig nach oben gehen. Wenn der nächste Aktiencrash kommt – und der kommt mit Sicherheit – dann muss allerdings der Staat (oder die Zentralbank) nicht nur die Banken retten, er muss dann auch all die im Wert fallenden Aktien aufkaufen, um die Pensionen der Beamten krisenfest zu sichern.

Man sieht, das mit dem „Zurücklegen“ des Geldes hat seine Tücken. Man fragt sich nicht nur, wie die schwäbische Hausfrau das eigentlich macht, sondern auch, wieso es bei den Eichhörnchen so gut klappt. Hunderttausende von Jahren legen die schon ihre Nüsse zurück und man hat noch nie gehört, dass bei denen die Zinsen unter Druck geraten wären oder es gar einen Finanzcrash gegeben hätte.

 

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