Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Innovation: Viel Mühe, wenig Lohn

Posted by hkarner - 16. August 2016

16.08.2016 | 18:00 | Von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Nach drei Jahren des Aufholens fällt Österreich beim Globalen Innovationsindex auf Platz 20 zurück. Die Ausgaben steigen, aber die Saat geht (noch) nicht auf. Warum?

GII2016Wien. Das sah schon besser aus: Drei Jahre kletterte Österreich im Globalen Innovationsindex der UNO langsam nach oben, von Platz 23 auf Platz 18. Jetzt fällt es auf Platz 20 zurück. Freilich: In den neun Ausgaben der Studie, an der die französische Elite-Uni Insead und die amerikanische Cornell-Universität mitwirken, ist das Land stets leicht über oder unter diesem Rang gelegen (die beste Wertung war 2009 mit Platz 15). So richtig in die Spitzengruppe schließt es nicht auf. Der innovativste Staat der Welt ist schon seit sechs Jahren die Schweiz. Deutschland rückt heuer erstmals zu den Top Ten vor. Was lässt sich von den erfolgreichen Nachbarn lernen?

Das Besondere an der Studie ist: Sie setzt ihre Ergebnisse aus über 80 Indikatoren zusammen. Für Österreich ergibt das ein scharf konturiertes Bild: Es wird viel gesät, aber im Vergleich dazu wenig geerntet. Im Detail: Die Rahmenbedingungen – politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, Arbeitsrecht – könnten kaum besser sein. Mit drei Prozent der Wirtschaftsleistung fließt mittlerweile eindrucksvoll viel Geld in Forschung und Entwicklung (Platz sieben), besonders von den Unternehmen (Platz sechs). Die akademische Ausbildung glänzt mit Platz zwei sogar zu hell: Die Autoren bewerten den Zustrom deutscher Studenten als positiv, obwohl er wenig mit der Qualität zu tun hat und für die Volkswirtschaft ein Verlustgeschäft ist. Aber auch bei den Patenten kann sich Österreich mit Platz zwölf noch gut sehen lassen.

Experte ortet Effizienzproblem

Dann aber bricht es jäh ab: Zu wenig neue Unternehmen (Platz 81), wohl auch deshalb, weil es sehr mühsam ist, hierzulande ein solches zu gründen (Platz 80) und dafür wie vorgeschrieben Steuern zu zahlen (Platz 61). Entsprechend niedrig sind der Zufluss von Direktinvestitionen (Platz 82) und die Werte an der Börse (Platz 60). Am Ende geht es auch bei der Innovation darum, dass mit ihrer Hilfe die Wirtschaft kräftiger wächst. Aber mit schwachen 0,5 Prozent Wachstum im Vorjahr landet Österreich nur auf Platz 99 – das schlechteste aller Teilergebnisse.

Wird das Geld also falsch eingesetzt? Auch wenn Wifo-Experte Jürgen Janger einige Einwände gegen den bunt zusammengewürfelten Index hat, kann er das Gesamtbild gut nachvollziehen: „Wir haben ein Problem mit der Effizienz.“ Die Unis werden über die Leistungsvereinbarungen ziemlich „gleichmäßig“ bedacht. In der siegreichen Schweiz hingegen herrscht bei der Finanzierung der Unis „viel mehr Wettbewerb“. So sei die Förderung der Grundlagenforschung durch den Schweizer Nationalfonds (SNF) sehr stark an die Qualität gebunden. Auch bei der staatlichen Förderung von Unternehmen sieht der Innovationsforscher hierzulande Spielraum für Verbesserung. Ob etwa die Forschungsprämie sinnvoll eingesetzt sei, lasse sich kaum nachprüfen, weil die Unternehmen nur wenige Daten preisgeben müssen. In Skandinavien sei man hier „viel weniger restriktiv“ – und damit zielgenauer.

Es geht also um das Verhältnis von Input zu Output. Auch hier punkten die führenden Staaten Schweiz, Schweden und Großbritannien: Sie setzen für den erzielten Ertrag relativ wenig Mittel ein. Das gilt besonders stark auch für Deutschland. Wobei Janger Österreich beim Output etwas zu streng bewertet sieht. Denn einige Indikatoren zielen allein auf Hightechprodukte ab. Die Stärke heimischer Firmen liege aber oft im Medium-Tech-Bereich. Vom Spezialstahl der Voest bis zu Scharnieren von Blum: Immer gehe es um „schwer kopierbare Nischenprodukte“, die einen klaren Wettbewerbsvorteil bieten.

Dennoch: Es mangelt an Effizienz. Da ist es ein schwacher Trost, dass China (als erstes Schwellenland heuer unter den Top 25) und Singapur viel kräftiger danebenschießen. Dort buttert der Staat relativ ungezielt gewaltige Summen in die Forschung und landet damit relativ wenige Treffer. Freilich gibt es dort genügend Mittel und wenig Erfahrung. In Österreich ist es umgekehrt. Aber die Hoffnung lebt: Wenn die Forschungsausgaben steigen, rechnet sich das natürlich noch nicht im gleichen Jahr durch mehr Wachstum. Erst kommt die Saat, später die Ernte.

der ganze Report: gii-full-report-2016-v1

 

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