Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Treichl: „Aussagen der Aufsicht verzichtbar“

Posted by hkarner - 6. August 2016

von: H.F. Karnerkarner_kl

„Dass die Erste Bank im ersten Halbjahr dennoch ein neues Rekordergebnis vermelden konnte, hänge mit der Bilanzbereinigung der vergangenen Jahre zusammen.“ Haben denn alle, die nun jubeln und gratulieren so ein kurzes Gedächtnis? Im Jahr 2011 musste die Erste (nach peinlicher Intervention der EBA) einen Riesen-Verlust eingestehen (z.B. wegen mangelnder Abschreibung des Firmenwertes bei der BCR u.a.). Beim Stress Test und Asset Quality Review der EZB (veröffentlicht am 26/10/2014) hieß die Bank von den geprüften 130, die den grössten Korrekturbedarf bei den Non Performing Loans hatte, ERSTE GROUP. Sie musste die NPLs um 

35% (in Worten: fünfunddreissig) nach oben korrigieren.

Wundert es also, dass „So vermeldete das Institut im Jahr 2014 ja einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro, weil Abschreibungen in Höhe von rund drei Mrd. Euro für faule Kredite und Firmenwerte vollzogen wurden.“ Wie heißt übrigens der für diese Jahre Verantwortliche für die Bilanzierung der Erste Group: Gerald Fleischmann, jetzt Vorstandsvorsitzender der Volksbank Wien (de facto: des Volksbanken-Sektors)

05.08.2016 | 19:00 |  (Die Presse)

Erste-Bank-Chef Andreas Treichl kritisiert den Banken-Stresstest, bei dem sein Institut nur unterdurchschnittlich abschnitt. Im ersten Halbjahr erzielte die Bank ein Rekordergebnis.

Wien. Es war kein rühmliches Ergebnis, das die heimischen Banken beim europäischen Stresstest vor einer Woche abgeliefert haben. Wie berichtet landete die Raiffeisen Zentralbank auf dem vorletzten Platz, und auch die Erste Bank fand sich lediglich im hinteren Mittelfeld wieder. Im Ländervergleich der European Banking Authority (EBA), bei dem aus allen geprüften Banken eines Landes ein Schnitt errechnet wurde, erhielt Österreich sogar die rote Laterne. Die heimischen Banken haben also immer noch ein Kapitalproblem, so die öffentliche Wahrnehmung.

Ganz anders das Bild, das sich bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der Erste Bank am Freitag zeigt. Bankchef Andreas Treichl kann nicht nur einen Rekordgewinn für die ersten sechs Monate des Jahres mit einem Nettoüberschuss von 842 Mio. Euro vermelden, auch die Kernkapitalquote – der Ausgangspunkt für den Stresstest – stieg seit dem Ende des Vorjahres von 12,3 auf 13,3 Prozent an.

Freude über Stress-Szenario

Treichl zeigt sich in der Folge auch alles andere als erfreut über den Stresstest und die allgemeine Interpretation der Ergebnisse. „Bei jedem Stresstest werden Annahmen getroffen“, sagt der Erste-Bank-Chef. Diese seien in Bezug auf Osteuropa für ihn jedoch oft nicht logisch gewesen. „Es wurde ein abrupter Zinsanstieg um 1,5 Prozent angenommen – und das während sämtliche Zentralbanken die Zinsen weiter senken. Ich würde mich freuen, wenn dieses Szenario Wirklichkeit werden würde“, so Treichl weiter.

Die angenommenen Folgen kann er hingegen nicht nachvollziehen. So wurde etwa davon ausgegangen, dass die Immobilienpreise in Tschechien doppelt so stark einbrechen wie in Dänemark oder Holland. „Warum sollte das so sein?“ Auch spezifisch gegenüber der Erste Bank habe die EBA für Treichl unverständliche Annahmen getroffen – etwa jene, dass die Bank den Zinsanstieg nicht an die Kreditkunden weitergeben könne, den Einlagenkunden die höheren Zinsen aber zahlen müsse. „Das hat uns sehr getroffen“, so Treichl.

„Ich akzeptiere das Ergebnis, aber manche Aussagen unserer Aufsicht dazu waren extrem verzichtbar.“ Dass die heimische Regierung zu wenig Lobbying bei der EBA für die österreichischen Banken betrieben habe, sieht Treichl nicht. „Das Thema geht die Politik nichts an.“ Er sei daher froh, dass es kein Lobbying gegeben habe und fände es falsch, wenn es in anderen Ländern so gewesen sein sollte.

Verärgert zeigt sich Treichl über die Aufsicht aber auch in einem anderen Bereich – wegen der Vorgabe an Banken, aus Liquiditätsgründen Staatsanleihen kaufen zu müssen. „Es geht mir inzwischen ziemlich auf den Nerv, dass wir in Staatspapiere investieren müssen“, so Treichl. Denn aufgrund der aktuellen Zinslage werde dabei kaum mehr Rendite erzielt und das Ergebnis geschmälert.

Bilanzputz wirkt

Dass die Erste Bank im ersten Halbjahr dennoch ein neues Rekordergebnis vermelden konnte, hänge mit der Bilanzbereinigung der vergangenen Jahre zusammen. So vermeldete das Institut im Jahr 2014 ja einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro, weil Abschreibungen in Höhe von rund drei Mrd. Euro für faule Kredite und Firmenwerte vollzogen wurden. Im ersten Halbjahr 2016 fielen zwar ebenfalls Abschreibungen an – allerdings lediglich 26 Mio. Euro für notleidende Kredite. Die Quote der sogenannten Non-performing Loans ist gegenüber dem Ende des Vorjahres von 7,1 auf 5,8 Prozent gefallen – auch weil eine Mrd. an Krediten verkauft wurde. „Die Watschen, die wir uns in den letzten Jahren holten, haben sich nun ausgezahlt“, kommentiert Treichl. Die Dividende könne heuer von 50 Cent auf 1,10 Euro je Aktie erhöht werden.

Kein Thema ist bei der Erste Bank die Bankomatgebühr, wie es auf Nachfrage heißt. Man werde von den eigenen Kunden sicher nichts verlangen. Dass sich die Politik – in diesem Fall die SPÖ – in das Thema einmische und ein spezifisches Verbot solcher Gebühren plane, sei aber dennoch „Schwachsinn“, sagt Privatkunden-Vorstand Peter Bosek. Und auch Treichl hat dazu nur einen knappen Kommentar auf Lager: „Mir würden auch sehr viele staatliche Gebühren einfallen, die ich gern verbieten würde.“ (jaz)

 

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s