Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Italiens Bahn kauft griechische Staatsbahn

Posted by hkarner - 17. Juli 2016

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, derstandard.at, 17. Juli 2016, 18:34

Die griechische Staatsbahn TrainOSE wird an die italienische Staatsbahn FS verkauft, die ihrerseits privatisiert und an die Börse gebracht werden soll

Auf ihrem Weg zur eigenen Privatisierung gibt sich die italienische Staatsbahn Ferrovie dello Stato Italiane (FS) international. FS bekam vom griechischen Privatisierungsfonds den Zuschlag für den Erwerb der griechischen Staatsbahn OSE um 45 Millionen Euro. Welche Pläne FS mit der maroden OSE verfolgt, soll in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Athen erfüllt mit dem Verkauf eine wichtige Vorgabe der Gläubiger für weitere Finanzhilfen. Der seit knapp einem Jahr amtierende FS-Chef Renato Mazzoncini hat sich auch sonst mächtig ins Zeug gelegt. Die in Grande Stazioni Retail gebündelten 465 Shops auf 14 italienischen Großbahnhöfen wurden an ein französisch-britisches Konsortium mit Mailänder Beteiligung verkauft. Der Erlös für den 55-prozentigen FS-Anteil: 420 Millionen Euro.

Neuer Geschäftsplan

Unter Dach und Fach ist auch ein Abkommen mit dem Iran über den Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Qom-Arak (100 Kilometer) und Teheran-Hamedan (300 Kilometer). In Diskussion ist eine Fusion mit dem staatlichen Straßenbauer Anas. Im Herbst will Mazzoncini seinen neuen Geschäftsplan „mit einem hohen Internationalisierungsgrad“ präsentieren. Nach dem Zugunglück in Apulien intervenierte der Bahnchef: FS seien bereit, den Betrieb des derzeit von privaten Bahnbetreibern geführten regionalen Bahnverkehrs in Süditalien zu übernehmen.

Schuldenabbau durch Privatisierung

Italien drückt ein gewaltiger Staatsschuldenberg von mehr als 2200 Milliarden Euro. Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versucht – auch auf Druck der EU -, diesen Berg abzubauen. Die Teilprivatisierung von Staatsunternehmen soll dafür Geld in die Kassen spülen. Im Vorjahr wurde die erste Tranche der Poste Italiane um 3,4 Milliarden Euro abgegeben. Am 26. Juli steht der Börsengang der Flugaufsicht Enav bevor, und 2017 soll tatsächlich ein Teil der FS privatisiert werden. Die Regierung will zunächst 40 Prozent der Anteile an die Börse bringen und hofft dabei auf institutionelle Investoren, Kleinanleger und Bahnangestellte als Aktionäre. Geschätzte vier Milliarden Euro soll die Privatisierung der Bahn einfahren. Wie viel tatsächlich, hängt maßgeblich davon ab, ob das Schienennetz dabei ist.

Wenig Gütertransport auf Schiene

Die Stimmung scheint nicht schlecht, das Interesse ausländischer Finanzinvestoren an Italien steigt wieder. Die von Unicredit und Keppler Cheuvreux organisierte Italian Investment Conference erzielte mit 147 in- und ausländischen Investoren einen Beteiligungsrekord. „Die Situation in Italien verleiht den Investitionen Impulse“, meint Unicredit-Chefökonom Marco Valle unter Verweis auf Restrukturierung in einigen Branchen, niedrige Zinsen und Reformen samt Steuersenkungen. Während die Staatsbahn im Regional- und Nahverkehr langsam, unzuverlässig und veraltet ist, bietet sie im Fernverkehr mit ihren Freccia-Rosso-Zügen eine echte Alternative zum Flugverkehr. FS verfügt über ein Schienennetz von 16.723 Kilometer, zählt 69.347 Beschäftigte und wies 2015 bei einem Umsatz von 8,5 Milliarden Euro einen Gewinn von 464 Millionen Euro aus. Der Warenverkehr auf der Schiene macht in Italien nicht einmal zehn Prozent des gesamten Gütertransports aus. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 18.7.2016) – derstandard.at/2000041263485/Italiens-Bahn-kauft-griechische-Staatsbahn

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