Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Warum Irlands Wirtschaft um 26,3 Prozent gewachsen ist

Posted by hkarner - 13. Juli 2016

13.07.2016 | 15:20 |  (DiePresse.com)

Da staunten Analysten nicht schlecht: Neuberechnungen der irischen Statistikbehörde haben ergeben, dass das BIP im Vorjahr um mehr als ein Viertel gewachsen ist. Wie geht das?

„Wir würden lachen, wenn solche Zahlen aus China kommen würden“, sagt der Ökonom Jim Power laut Nachrichtenagentur Bloomberg. Dennoch hält er die Zahlen für realistisch – aber auch für „bedeutungslos“: Um 26,3 Prozent soll die irische Wirtschaft im Vorjahr gewachsen sein. Da können selbst arme Volkswirtschaften wie Äthiopien (10,3 Prozent), die normalerweise schneller wachsen, nicht mithalten. Mit ihrer Berechnung für 2015 hat die irische Statistikbehörde CSO am Dienstag Analysten verblüfft. Wie kam das Wachstum zustande, mit dem Irlands Staatsschuldenquote auf einen Schlag von 108 Prozent des BIP auf 88 Prozent gesunken ist?

In der Aussendung der nationalen Statistikbehörde heißt es, der Grund sei eine „Restrukturierung von Unternehmen sowohl durch die Einfuhr von einzelnen Vermögenswerten als auch durch die Umgliederung ganzer Bilanzen.“

Zahlreiche internationale Konzerne

In erster Linie ist Irlands Steuerpolitik dafür verantwortlich. Konzerne werden von Irlands Steuergesetzen angezogen, wie Motten vom Licht. Und für die Bilanz einer kleinen Volkswirtschaft bedeutet es eben viel, wenn sich ein großes internationales Unternehmen dort ansiedelt. Beliebt sind sogenannte „Tax Inversion Deals“, bei denen eine US-Firma ein Unternehmen aus einem Land mit günstigen Steuersätzen übernimmt und anschließend ihren Sitz dorthin verlegt. So hat etwa der US-Pharmakonzern Medtronic im Vorjahr seinen Sitz komplett nach Dublin verlegt, nachdem er die irische Firma Covidien übernommen hat.

Ähnlich hätte heuer auch die Fusion zwischen dem US-Konzern Pfizer und dem irischen Botox-Hersteller Allergan funktionieren sollen. Nachdem die US-Regierung im April 2016 verschärfte Maßnahmen gegen Steuerflucht angekündigt hatte, wurde dann doch nichts daraus (>>> mehr dazu).

Dass mit solchen Tricks zwar beachtliche Vermögenswerte hin und her geschoben werden, aber keine Arbeitsplätze in Irland entstehen, liegt auf der Hand: Auch wenn die Arbeitslosenquote langsam zurückgeht, mit 9,4 Prozent ist sie noch lange nicht auf Vorkrisenniveau. Und daher verleiten die irischen Zahlen das Online-Wirtschaftsmagazin „Quartz“ zur Aussage, das Wirtschaftswachstum sei eher ein „Papiertiger“ als ein „keltischer Tiger“.

„Eigentliche“ Wirtschaft um 5,5 Prozent gewachsen

Immerhin: Laut Ökonom Jim Power ist die „eigentliche“ Wirtschaft Irlands im Vorjahr um 5,5 Prozent gewachsen. Immer noch sehr viel, wenn man bedenkt, dass es in Österreich gerade einmal 0,9 Prozent waren. Bereits zuvor hatte Irland zwei Jahre in Folge das stärkste Wachstum in der EU geschafft. Die „grüne Insel“ war in der Finanzkrise an die Grenze der Staatspleite geraten und wurde 2010 mit internationalen Krediten gerettet. Den Euro-Rettungsschirm verließ das Land 2014 wieder und gilt inzwischen als Musterschüler unter den ehemaligen Euro-Krisenstaaten.

Für den Start ins Jahr 2016 bedeuten die Neuberechnungen der irischen Statistiker aber erst einmal einen Dämpfer: Im ersten Quartal schrumpfte das BIP im Vergleich zu den letzten drei Monaten 2015 um 2,1 Prozent.

 

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