Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Hans-Werner Sinn sagt neuen Austrittskandidaten voraus

Posted by hkarner - 10. Juli 2016

Date: 08-07-2016
Source: Die Welt

SinnLaut dem Ökonom würde ein Land in der Euro-Zone von einem Austritt aus der Währungsunion stark profitieren, gerade weil die Option wenig schmerzhaft sei. Selbst einen griffigen Namen gibt es schon.

Der ehemalige Präsident des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn meint, dass Finnland mittelfristig aus der Euro-Gemeinschaft austreten könnte. Das schreibt der Ökonom in einem Gastbeitrag der Wirtschaftswoche.

Nach Griechenland und Spanien kriselt es auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten. Seit dem Brexit-Votum der Briten mehren sich Stimmen, die auch die gemeinsame Währungsunion infrage stellen. So auch in einem skandinavischen Land. Es könnte als erster Kandidat seit der Griechenland-Krise einen Austritt aus dem Euro-Raum in Betracht ziehen – damals war über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone debattiert worden, zu dem Schritt kam es aber nicht.

Der Ökonom Hans-Werner Sinn hat Finnland als Kandidaten genannt, der mittelfristig aus der Euro-Gemeinschaft austreten könnte. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes seien schwerwiegend – und ein Austritt wenig schmerzhaft, schrieb er in einem Gastbeitrag der „Wirtschaftswoche“.

Anfang der Neunzigerjahre, in der schweren Krise zwischen 1991 und 1993 nach dem Untergang der Sowjetunion, habe das Land Probleme durch eine Abwertung der damaligen Währung Markka um 30 Prozent gegenüber der D-Mark abgewendet. Daran könnten sich die Finnen heute erinnern.

Derzeit versuche das Land, die Wettbewerbsfähigkeit durch eine reale Abwertung im Euro-Raum zu erhöhen. Bis derartige Maßnahmen greifen, könnte es jedoch einige Jahre dauern. Das zeigten die Erfahrungen in den südeuropäischen Ländern.

Auf Finanzmärkten wird bereits vom „Fixit“ gesprochen

Die heutigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Finnlands haben Sinn zufolge drei Gründe: den Einbruch bei Nokia, den Rückgang des Papierabsatzes aufgrund der Digitalisierung und die Sanktionspolitik der EU gegenüber Russland, die den Absatz finnischer Nahrungsmittel im Nachbarland beeinträchtigt.

Heute unterschreite das Bruttoinlandsprodukt (BIP) das Vorkrisenniveau von Ende 2007 zwar nur um 5,5 Prozent, führt Sinn aus, doch die Produktion des verarbeitenden Gewerbes liege um 20 Prozent niedriger. Diese Werte seien mit denen der südeuropäischen Staaten vergleichbar. In Spanien läge die Industrieproduktion etwa bei 25 Prozent unter dem Vorkriesenniveau, in Griechenland bei 24 Prozent.

Auf den Finanzmärkten hat sich analog zum Grexit bereits das Kunstwort „Fixit“ etabliert, zusammengesetzt aus „Finnland“ und „Exit“.

Warum Finnland als Kandidat für einen Euro-Austritt infrage kommt, erklärt der Ökonom wie folgt: „Ein Verzicht auf die Euro-Druckerpresse wäre für das Land weniger schmerzlich als für Griechenland, Italien oder Spanien, weil sich Finnland dieser Presse nicht überproportional bedient.“ Das Land hätte „die Chance, relativ verlustfrei aus dem Euro auszusteigen“.

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