Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Die Märkte glauben nicht an den Brexit

Posted by hkarner - 1. Juli 2016

01.07.2016 | 17:07 | Josef Urschitz (Die Presse)urschitz

Waren die politischen und wirtschaftlichen Wirren umsonst?

Im Zuge der Brexit-Nachwehen werden jetzt immer öfter Stimmen laut, auch andere EU-Länder würden „einen Farage“ (UKIP-Chef Nigel Farage ist Mastermind hinter dem Brexit) brauchen. Einspruch, Euer Ehren: Die EU braucht jetzt dringend eine umfassende Reform, die Brüssel wieder in Einklang mit den Bevölkerungen der EU-Länder bringt, denn so wie bisher geht es nicht weiter. Aber sicher keine verantwortungslosen, staatszerstörerischen Polit-Rabauken.

Schauen wir uns einmal an, was uns das Brexit-Referendum in nur einer Woche beschert hat: In Großbritannien zerreißt es gerade die beiden bisher staatstragenden Parteien, am Horizont droht die Abspaltung Schottlands und damit der Zerfall des Vereinigten Königreichs. Die Gesellschaft ist tief gespalten, eine Welle primitivster Fremdenfeindlichkeit gegen EU-Bürger schwappt über das Land. Die Ratingagenturen haben Großbritannien um zwei und die EU um eine Stufe downgegradet. Good job, isn’t it?

Und wofür? Für den Austritt aus der EU? Sorry, aber den wird es so schnell nicht geben. Wer das bezweifelt, der möge sich die Börsen ansehen und die Rede des Großinvestors George Soros vor dem Europaparlament analysieren.

Er wird dann sehen: Die Märkte glauben nicht mehr an den Brexit. Zumindest nicht an einen schnellen und sauberen. Deshalb, und nur deshalb, haben die Börsen (einschließlich der britischen) die anfänglichen Brexit-Verluste weitgehend kompensiert. „Die Märkte“, das sind die großen Investoren (meist angelsächsische Fonds) und deren trendfolgende Handelsalgorithmen. Sie können sich irren (und tun das auch regelmäßig), aber ihre Analysen sind meist sorgfältiger, weil jeder Irrtum sehr viel Geld kostet.

Die sehen: Zahlreiche Brexiteers sind beim Zurückrudern, in der Regierung will niemand die heiße Kartoffel Austrittsverhandlungen anfassen. Der konkrete Antrag kommt frühestens 2017. Und dann wird nach mehrjährigen Verhandlungen wohl irgendein fauler Kompromiss mit einer Quasi-Einbindung in die EU stehen. Wenn Populismus solche Ergebnisse zeitigt, dann können wir ihn wohl leichten Herzens entbehren.

 

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