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Neue Ära bei UniCredit: Franzose Mustier rückt zum CEO auf

Posted by hkarner - 30. Juni 2016

nix Passera! (hfk)

30.06.2016 | 16:09 |  (DiePresse.com)

mustierJean-Pierre Mustier muss den Weg für einen größeren Umbau des größten Geldhaus des Landes und eine milliardenschwere Kapitalerhöhung ebnen.

Bei UniCredit beginnt nach wochenlangem Führungsvakuum eine neue Ära. Der Franzose Jean-Pierre Mustier ist am Donnerstag vom UniCredit-Verwaltungsrat einstimmig zum neuen CEO der Bank-Austria-Mutter ernannt worden. Der Board war zu einer Sondersitzung einberufen worden, um den neuen Chef der Bank aus einer vom Personalberater Egon Zehnder erstellten Shortlist auszuwählen.

Der 55-jährige Mustier steigt in den UniCredit-Aufsichtsrat ein und übernimmt sein Amt am 12. Juli, teilte UniCredit in einer Presseaussendung mit. Er ersetzt den seit 2010 amtierenden Federico Ghizzoni, der am 11. Juli dem Aufsichtsrat seine Demission einreichen wird. Ghizzoni hatte sich Ende Mai nach anhaltender Kritik über die Performance der Bank zum Rücktritt bereit erklärt. Er hatte eingewilligt, noch solange die Geschäfte führen, bis ein Nachfolger im Amt ist. Einige Großinvestoren hatten den niedrigen Aktienkurs kritisiert.

Aktie stand unter Druck

In den vergangenen Wochen war die UniCredit-Aktie wegen der Ungewissheit um den neuen Chef stark unter Druck geraten. Großaktionäre hatten sich darüber irritiert gezeigt, dass Ghizzoni sich zum Rücktritt bereit erklärt hatte, ohne dass ein Nachfolger in Sicht war. Unter dem Druck der Volatilität der UniCredit-Aktie an der Mailänder Börse nach dem Brexit-Referendum am vergangenen Donnerstag hat der Board der Bank die Beratungen für den Chefwechsel beschleunigt. Auch Premier Matteo Renzi und Notenbankchef Ignazio Visco hatte zuletzt auf einen raschen Führungswechsel bei der Bank-Austria-Mutter gedrängt.

Mustier galt von Anfang an als Favorit im Rennen um Ghizzonis Nachfolge, da er auf eine internationale Karriere zurückblicken kann, zugleich jedoch auch Erfahrung bei UniCredit gesammelt hat. Der Vater von zwei Söhnen hat seine Karriere 1987 bei Societe Generale begonnen. 2011 wurde er zum Chef der Corporate und Investment Banking-Abteilung (Cib) und zum Vize-Generaldirektor der UniCredit ernannt. Diesen Posten bekleidete er bis Dezember 2014. Danach wechselte er zum Fonds Tikehau Capital. Die Mailänder Börse reagierte positiv auf die Designierung Mustiers zum neuen UniCredit-Chef. Die Aktie der Bank legte am Donnerstag um zwei Prozent auf 1,96 Euro zu.

Mustier steht keine einfache Aufgabe bevor. Er muss den Weg für einen größeren Umbau des – gemessen an der Bilanzsumme – größten Geldhaus des Landes und eine milliardenschwere Kapitalerhöhung ebnen. Italiens einzige global bedeutsame Bank hat die Sorgen nicht ausräumen können, dass sie eine Kapitalerhöhung benötigt. Nach Einschätzung von Analysten könnte UniCredit zwischen 5 und 10 Mrd. Euro frisches Kapital benötigen.

 

derstandard.at

Karrierestart bei Franzosen

Mustier hat seine Karriere 1987 bei der Société Générale begonnen. Hier war er in den verschiedensten Positionen, unter anderem in den Bereichen Corporate- und Investmentbanking tätig. Auch für das Investmentbanking von Unicredit arbeitete er, und brachte es dort bis zum Vize-Generaldirektor. Im Dezember 2014 wechselte er von dort zum türkischen Fonds Tikehau Capital. Im Rennen um den Unicredit-Chefposten waren auch der frühere Intesa-Sanpaolo-Chef Corrado Passera, UBI-Banca-Chef Victor Massiah, der Italien-Chef der Deutschen Bank, Flavio Valeri, und der Italien-Chef von Credit Agricole, Giampiero Maioli.

Erstaunliches Comeback

Für Mustier ist es ein erstaunliches Comeback. Derzeit ist er Partner bei der vergleichsweise kleinen türkischen Fondsgesellschaft Tikehau Capital. In seine Zeit bei der französischen Société Générale fiel der Handelsskandal um Jerome Kerviel, der zu Verlusten in Höhe von 4,9 Milliarden Euro führte. Später warf ihm die Finanzaufsicht in seinem Heimatland Insiderhandel vor. Mustier, der seine Unschuld beteuerte, wurde zu einer Strafe von 100.000 Euro verurteilt. Bei der Unicredit muss er für Vertrauen sorgen. Die italienischen Banken sitzen zusammen auf faulen Krediten von 360 Milliarden Euro, ein Drittel aller problembehafteten Darlehen in der Eurozone. Insider meinen, er wird an der Münchner Tochter HVB festhalten und die Online-Bank Fineco und Fondsgesellschaft Pioneer auf den Prüfstand stellen. (Reuters, 30.6.2016) – derstandard.at/2000040157774/Ein-Franzose-wird-neuer-Chef-der-Unicredit

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