Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

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Sparguthaben: Europa steht vor einer massiven Finanz-Krise

Posted by hkarner - 22. Januar 2016

Deutsche Wirtschafts Nachrichten  | 

Der OECD-Aufseher William White erwartet für Europa eine Finanzkrise, die wesentlich gravierender sein könnte als jene von 2007. Der Grund: Die sich abzeichnende Rezession wird 1.000 Milliarden Dollar fauler Kredite uneinbringlich machen. Die Zentralbanken haben ihr Pulver verschossen und scheiden als Retter aus.

Der frühere Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, William White, hat beim World Economic Forum in Davos mit Ambrose Evans-Pritchard gesprochen und einige sehr unerfreuliche Entwicklungen vorhergesagt. White ist jetzt Chairman beim Review Committe der OECD und hatte bereits 2005 vor dem Crash gewarnt.

Er sagte im Telegraph, dass das Weltfinanzsystem „gefährlich instabil“ geworden ist: „Die Situation ist schlimmer als 2007. Wir haben unsere makroökonomische Munition zur Bekämpfung von Rezessionen aufgebraucht. Die Schulden sind in den vergangenen acht Jahren weiter gestiegen und haben solche Höhen in allen Teilen der Welt erreicht, dass diese zu Verwerfungen führen kann. In der nächsten Rezession wird offensichtlich werden, dass diese Schulden niemals mehr bedient oder zurückgezahlt werden können. Das wird sehr unangenehm für viele Menschen, die jetzt glauben, sie halten Assets, die etwas wert sind. Die einzige Frage ist, ob wir in der Lage sind, der Realität ins Auge zu blicken und uns dem, was kommen wird, in einer geordneten Weise stellen, oder ob alles ungeordnet geschieht. Schuldenschnitte hat es 5.000 Jahre lang gegeben – bis zurück zur Zeit der Sumerer.“

Whites Aussagen sollten vor allem von Sparern und Anlegern mit Aufmerksamkeit studiert werden. Denn der Abbau der weltweiten Schulden wird von jenen geschultert werden müssen, die jetzt über Vermögenswerte verfügen. Das betrifft die Sparer, weil die europäischen Banken-Regeln seit dem 1. Januar 2016 vorsehen, dass Gläubiger von Banken deren Rettung zu bezahlen haben. Nur Spareinlagen unter 100.000 Euro sind geschützt – und auch hier ist nicht klar, ob die europäischen Einlagensicherungssysteme wirklich greifen. Das dürfte davon abhängen, welche Banken als erste straucheln. Der Telegraph berichtet, dass die europäischen Banken bereits eingeräumt haben, auf einem Berg von 1.000 Milliarden Dollar an faulen Krediten zu sitzen. Hier sind nicht jene Kredite eingerechnet, von denen die Banken noch davon ausgehen, dass ein „rollover“ möglich ist. Dies betrifft vor allem die Schwellenländer. Hier ist Deutschland als Exportnation besonders betroffen. Die britische Barclays Bank hat am Donnerstag bekanntgegeben, sich aus Asien, Russland und Brasilien zurückzuziehen, weil diese Länder für die Briten ein zu heißes Pflaster geworden sind. White erwartet, dass die europäischen Gläubiger einige der größten Haircuts werden hinnehmen müssen, weil sie eine massive Exposure in den Schwellenländern haben.

Das Problem mit den Schwellenländern besteht darin, dass sie nach der Finanz-Krise die Retter für das Weltfinanzsystem gespielt haben. Die von den Zentralbanken gefluteten Märkte haben eine neue Schulden-Blase entstehen lassen. Mit der Baisse der Rohstoff-Preise wird diese Blase zum Platzen gebracht: Die Investitionszyklen führen dazu, dass diese Länder vom Kollaps bedroht sind. Die Schwellenländer sind, wie White sagt, nicht mehr die Lösung, sondern Teil des globalen Problems geworden. Eine Rezession ist kaum vermeidbar, wie etwa die Entwicklung des Baltic Dry Index erahnen lässt. Russland ist bereits in einer Rezession. China hat sich mit der Abwertung des Yuan in den globalen Währungskrieg eingelassen – White nimmt den Begriff ausdrücklich in den Mund. Dies war bisher ein Tabu und auch die EZB hat stets beteuert, dass ihre Programme nicht auf eine Schwächung des Euro abzielen.

Eine mögliche weltweite Finanz-Krise ist auch kein Grund zum stillen Triumph für naive Klassenkämpfer: Denn die Verluste im Zuge einer weltweiten Umschuldung treffen nicht nur „die Reichen“, sondern auch die Vermögensverwalter, denen die verschiedenen Pensionsfonds anvertraut sind.

Wir kritisch die Lage ist, lässt sich an den Bemühungen von Italien und der EU erkennen, die eben erst beschlossene „Bail-In“-Regel außer Kraft zu setzen und die faulen Kredite über Staatsgarantien, also den Steuerzahler, aus der Welt zu schaffen. Die Investoren haben nämlich nichts mehr zu verschenken und schauen genau, welche Staaten sie rasieren. Ein trauriges Beispiel ist das österreichische Bundesland Kärnten, in dem der seinerzeit als Robin Hood gegen die „Altparteien“ angetretene Jörg Haider den nachfolgenden Generationen eine gigantische Pleite-Bank hinterlassen hat. Die Gläubiger weigern sich, einem eigentlich großzügigen Schuldenschnitt zuzustimmen. Sie wollen, so vermutet es der Wirtschaftschef der Kärntner Kleinen Zeitung, Adolf Winkler, an Kärnten ein Exempel statuieren. Die Folge könnte die baldige Insolvenz des Bundeslandes sein.

Die Härte der Gläubiger findet ihre Entsprechung in ebenfalls harten Maßnahmen der Regierungen: Nach Ungarn will nun auch Polen die Franken-Kredite von den Schultern der Bürger nehmen und die Banken dafür zahlen lassen. Die Ratingagentur Fitch reagierte prompt und droht Polen wegen dem geplanten Zwangsumtausch von Hypothekenkrediten mit einer Herabstufung der Bonitätsnote. Der Beschluss schwäche den Bankensektor und stelle ein Risiko für das Rating dar, erklärte Fitch-Analyst Arnaud Louis, so Reuters.

William White sagte dem Telegraph, dass die Krise auch deshalb so schwer zu bewältigen sein werde, weil die Zentralbanken mit der Geldschwemme das grundlegende Problem der schuldengetriebenen Wirtschaft verschärft hätte: „Es war immer gefährlich, sich darauf zu verlassen, dass die Zentralbanken ein Solvenz-Problem lösen können. Alles was sie können, ist, ein Liquiditäts-Problem zu lösen. Alles andere führt zur Unordnung. Und diesen Punkt haben wir jetzt erreicht.“

World faces wave of epic debt defaults, fears central bank veteran

Exclusive: Situation worse than it was in 2007, says chairman of the OECD’s review committee

The next task awaiting the global authorities is how to manage debt write-offs without setting off a political storm Photo: Rex

The global financial system has become dangerously unstable and faces an avalanche of bankruptcies that will test social and political stability, a leading monetary theorist has warned.

„The situation is worse than it was in 2007. Our macroeconomic ammunition to fight downturns is essentially all used up,“ said William White, the Swiss-based chairman of the OECD’s review committee and former chief economist of the Bank for International Settlements (BIS).

„Emerging markets were part of the solution after the Lehman crisis. Now they are part of the problem, too.“
William White, OECD

„Debts have continued to build up over the last eight years and they have reached such levels in every part of the world that they have become a potent cause for mischief,“ he said.

„It will become obvious in the next recession that many of these debts will never be serviced or repaid, and this will be uncomfortable for a lot of people who think they own assets that are worth something,“ he told The Telegraph on the eve of the World Economic Forum in Davos.

„The only question is whether we are able to look reality in the eye and face what is coming in an orderly fashion, or whether it will be disorderly. Debt jubilees have been going on for 5,000 years, as far back as the Sumerians.“

http://cf.eip.telegraph.co.uk/breakoutCards/009dbd4b-799d-4ef2-a39a-2f2348b2a91c.html

The next task awaiting the global authorities is how to manage debt write-offs – and therefore a massive reordering of winners and losers in society – without setting off a political storm.

Mr White said Europe’s creditors are likely to face some of the biggest haircuts. European banks have already admitted to $1 trillion of non-performing loans: they are heavily exposed to emerging markets and are almost certainly rolling over further bad debts that have never been disclosed.

The European banking system may have to be recapitalized on a scale yet unimagined, and new „bail-in“ rules mean that any deposit holder above the guarantee of €100,000 will have to help pay for it.

The warnings have special resonance since Mr White was one of the very few voices in the central banking fraternity who stated loudly and clearly between 2005 and 2008 that Western finance was riding for a fall, and that the global economy was susceptible to a violent crisis.

Mr White said stimulus from quantitative easing and zero rates by the big central banks after the Lehman crisis leaked out across east Asia and emerging markets, stoking credit bubbles and a surge in dollar borrowing that was hard to control in a world of free capital flows.

The result is that these countries have now been drawn into the morass as well. Combined public and private debt has surged to all-time highs to 185pc of GDP in emerging markets and to 265pc of GDP in the OECD club, both up by 35 percentage points since the top of the last credit cycle in 2007.

„Emerging markets were part of the solution after the Lehman crisis. Now they are part of the problem too,“ Mr White said.

Mr White, who also chief author of G30’s recent report on the post-crisis future of central banking, said it is impossible know what the trigger will be for the next crisis since the global system has lost its anchor and is inherently prone to breakdown.

A Chinese devaluation clearly has the potential to metastasize. „Every major country is engaged in currency wars even though they insist that QE has nothing to do with competitive depreciation. They have all been playing the game except for China – so far – and it is a zero-sum game. China could really up the ante.“

Mr White said QE and easy money policies by the US Federal Reserve and its peers have had the effect of bringing spending forward from the future in what is known as „inter-temporal smoothing“. It becomes a toxic addiction over time and ultimately loses traction. In the end, the future catches up with you. „By definition, this means you cannot spend the money tomorrow,“ he said.

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A reflex of „asymmetry“ began when the Fed injected too much stimulus to prevent a purge after the 1987 crash. The authorities have since allowed each boom to run its course – thinking they could safely clean up later – while responding to each shock with alacrity. The BIS critique is that this has led to a perpetual easing bias, with interest rates falling ever further below their „Wicksellian natural rate“ with each credit cycle.

„It was always dangerous to rely on central banks to sort out a solvency problem … It is a recipe for disorder, and now we are hitting the limit.“
William White, OECD

The error was compounded in the 1990s when China and eastern Europe suddenly joined the global economy, flooding the world with cheap exports in a „positive supply shock“. Falling prices of manufactured goods masked the rampant asset inflation that was building up. „Policy makers were seduced into inaction by a set of comforting beliefs, all of which we now see were false. They believed that if inflation was under control, all was well,“ he said.

In retrospect, central banks should have let the benign deflation of this (temporary) phase of globalisation run its course. By stoking debt bubbles, they have instead incubated what may prove to be a more malign variant, a classic 1930s-style „Fisherite“ debt-deflation.

Mr White said the Fed is now in a horrible quandary as it tries to extract itself from QE and right the ship again. „It is a debt trap. Things are so bad that there is no right answer. If they raise rates it’ll be nasty. If they don’t raise rates, it just makes matters worse,“ he said.

There is no easy way out of this tangle. But Mr White said it would be a good start for governments to stop depending on central banks to do their dirty work. They should return to fiscal primacy – call it Keynesian, if you wish – and launch an investment blitz on infrastructure that pays for itself through higher growth.

„It was always dangerous to rely on central banks to sort out a solvency problem when all they can do is tackle liquidity problems. It is a recipe for disorder, and now we are hitting the limit,“ he said.

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