Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

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Projekt Dagobert: Wie Kulterer 2009 die Hypo zurückkaufen wollte

Posted by hkarner - 16. Januar 2016

Renate Graber, 16. Jänner 2016, 09:00

 Investoren sollten für den 2009 geplanten Rückkauf 800 Millionen auf den Tisch legen

Wien – Für Überraschungen ist die Causa Hypo Alpe Adria immer noch gut. Immer noch apern aus Ermittlungsergebnissen und aus Unterlagen neue Erkenntnisse aus. Ein Beispiel dafür: das „Projekt Dagobert“, das im ersten Halbjahr 2009 spielt und in dem der frühere Hypo-Chef Wolfgang KultererKulterer eine tragende Rolle spielt. Sein Vorhaben: der Rückkauf der Hypo von der BayernLB.

Kurz zur Einordnung: Die Bayern waren 2007 in die Bank eingestiegen, Ende 2008 bekam die von Tilo Berlin geführte Hypo von der Republik 900 Millionen Euro Partizipationskapital, Ende 2009 musste sie unter Franz Pinkl verstaatlicht werden. Weder Bayern noch die Minderheitsaktionäre Kärnten und Grawe waren bereit gewesen, die Bank zu retten.

Rettung aus Todesspirale

Kulterer gehörte damals die WBG Business Service GmbH; er war als Investor und Berater unterwegs. Aus einer E-Mail, die er am 26. April 2009 an Investmentbanker Johannes Weyringer von Kingsbridge Capital schrieb (Mitspieler beim Einstieg der Gruppe Berlin in die Hypo 2006), geht hervor, was damals lief. Kulterer sah „die Ausgangslage“ für einen Einstieg so: Die bayerische Regierung fürchte sich vor weiteren Verlusten der Bank, deren Management sei „paralysiert“, das Zinsergebnis breche „trotz vertragswidriger (sic) Margenerhöhungen beim Altgeschäft ein“. Nur ein neuer Eigentümer könne die Bank „aus dieser Todesspirale herausziehen“. Den neuen Aktionär wollte Kulterer aufstellen. Er selbst habe bereits Kontakt zum Fonds Ashmore und einer italienischen Regionalbank aufgebaut, schrieb er an den Kingsbridge-Mann. Auch die Bayern seien bereits eingeweiht: „Seit Monaten“ arbeite ein „Mittelsmann“ am Kontakt zur bayerischen Regierungsspitze, der Vorstand der BayernLB sei nicht informiert. Die Preisvorstellung Kulterers: rund 700 Mio. Euro.

Ex-Banker Kulterer selbst wollte bei der Unternehmung nicht auf die Bühne treten.

„Weder mein Name noch der von unserem Kontaktmann darf genannt werden …“, hielt er in der E-Mail fest. Ebenso, dass er für den Erfolgsfall drei Prozent Fee „verlangt habe“. Dessen Aufteilung: „ein Prozent für euch, von den zwei müssen der Mittelsmann und seine Verbündeten in München bezahlt werden“. Der Mittelsmann – Frank Michael Siewert, ein in der Schweiz lebender Geschäftspartner Kulterers – war auch wirklich schon aktiv gewesen. In einem Brief an den Staatssekretär des bayerischen Innenministeriums (sic) hatte er die Pläne im Jänner 2006 vorgestellt. Beim Investmentfonds Ashmore existiere ein Interesse am Kauf einer Bank. „Nach zahlreichen Recherchen … zum derzeitigen Zustand der Hypo Alpe Adria“ schätze man den Wert des Bayern- Anteils auf rund 805 Mio. Euro. Weiters zählte Siewert Probleme der Hypo auf, „Ashmore ist aber zuversichtlich, die Bank wieder auf Vordermann zu bringen“. Ende März berichtete Siewert Kulterer, „wir haben durch meinen Kontakt in München sehr große Unterstützung“, demnächst werde es einen „Termin auf Ministerebene geben“. Der dürfte am 29. Mai stattgefunden haben.

Die Sache zog sich freilich, am 13. Juli informierte Siewert Kulterer von seiner „jüngsten Verbindung in unserer Münchner Sache“, die Zeit sei bald „reif, um auf eine Entscheidung des Finanzministers zu drängen“. Vier Tage später unterschrieben er (für die Gesellschaft Storeforyou) und Kulterer einen Kooperationsvertrag. Monatliches Pauschalhonorar für Storeforyou: 9000 Euro.

Fahrenschons Absage

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon vernichtete die Erwartungen der potenziellen Hypo-Rückkäufer dann. Am 30. Juli schrieb er Siewert, der BayernLB-Vorstand habe entschieden, „zuerst die Hypo zu sanieren und dann kapitalmarktfähig zu gestalten“, Verwaltungsrat und Freistaat Bayern trügen das mit. So schnell wollte „Mittelsmann“ Siewert nicht aufgeben, er legte die Antwort Fahrenschons als Mittel zum „Zeitgewinn“ aus. Man werde „in unserem Team mit Herrn Weyringer … eine neue Strategie finden“. Letzterer hat Kulterer und Siewert noch im November 2009 einen Entwurf für ein Beratungsmandat in der Sache Hypo-Erwerb übermittelt. Geworden ist aus der Sache bekanntermaßen nichts. Kulterer stellt sie zudem „in Abrede“, so seine Anwältin. Und Siewert beteuert, er habe „nur zwei Telefonate geführt, einen Brief geschrieben und einen Kaffee bei Ashmore in London getrunken“. (Renate Graber, 16.1.2016) – derstandard.at/2000029155781/Projekt-Dagobert-Wie-Kulterer-2009-die-Hypo-zurueckkaufen-wollte

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