Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

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ERGO: Weiter Ärger um tausende Lebensversicherungen

Posted by hkarner - 19. August 2015

18.08.2015 | 18:04 | Von Christian Höller (Die Presse)

Nur 14 Prozent der betroffenen Ergo-Versicherungskunden haben das freiwillige Rückkaufangebot angenommen. Einige verkauften mit Verlust. Der Verein für Konsumenteninformation prüft Schadenersatzansprüche.

Wien. Lebensversicherungen sind nicht immer sicher, wie das Beispiel der Ergo-Versicherung zeigt. Diese verkaufte Polizzen mit dem Namen Rocket, deren Ertrag auf Anleihen des Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG basiert. Die Bank hat im Zuge der Finanzkrise allerdings massive Verluste erwirtschaftet und wird derzeit abgewickelt. Die Bad Bank der ÖVAG namens Immigon versuchte daher im Juli, die Anleihen mit Abschlägen zurückzukaufen. Für Immigon war das ein Erfolg. Denn die Inhaber der Anleihen akzeptierten teilweise beachtliche Abschläge. Doch viele Ergo-Kunden machten nicht mit.

Am gestrigen Dienstag wurde bekannt, dass nur 14 Prozent der betroffenen 14.000 Ergo-Versicherungskunden den Rückkauf angenommen haben. Neun Prozent der 14.000 Kunden erhalten mehr als das eingezahlte Kapital zurück. Bei rund fünf Prozent der Kunden wird der Auszahlungsbetrag jedoch unterhalb der eingezahlten Summe liegen. Im schlimmsten Fall liegt der Abschlag bei 13Prozent. Zu berücksichtigen sind noch steuerliche Belastungen.

Was passiert nun mit den 86 Prozent der Ergo-Kunden, die das Rückkaufprogramm nicht angenommen haben? Für sie läuft der Vertrag normal weiter. „Sie können ihre Papiere bis zum Ende der Laufzeit halten. Dann sollen die Anleihen vollständig getilgt werden“, sagt Wolfgang Schauer, Vorstand der Volksbank Wien-Baden. Die meisten Anleihen laufen 2017 aus, einige 2020. Es gibt aber auch Fälle mit längeren Laufzeiten. Die Immigon ist eine Abwicklungsgesellschaft. Dort werden alle verbliebenen Assets der ÖVAG verkauft und abgewickelt.

 

Gab es falsche Beratung?

Bei der Immigon-Gründung wurde versichert, dass im Zuge der Abwicklung genug Vermögen vorhanden sein wird, um die Anleiheninhaber auszuzahlen. Doch dafür gibt es keine Garantie. Sollte sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern, ist es möglich, dass nicht genügend Geld übrig bleibt, um alle Ansprüche zu bedienen.

Außerdem will die Immigon wieder ein freiwilliges Rückkaufprogramm durchführen. Die Bedingungen dafür sind noch nicht bekannt. Beim letzten Rückkauf hatten die Inhaber der Anleihen die Möglichkeit, einen Preis zu nennen, zu dem sie die Papiere verkaufen. Die Immigon konnte diesen Preis annehmen oder ablehnen. In Summe sind Angebote von 1,456 Milliarden Euro eingelangt. Doch Immigon kaufte nur ein Volumen von 933 Millionen Euro zurück. Derzeit sind bei der Abwicklungsgesellschaft noch immer Anleihen und diverse Schuldverschreibungen im Ausmaß von rund 2,8 Milliarden Euro offen.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) droht der Ergo-Versicherung mit Klage. Auch wenn für viele Kunden noch kein Schaden eingetreten ist, seien rechtliche Schritte möglich, sagt VKI-Rechtsexperte Peter Kolba. So könne beispielsweise wegen Fehlberatung geklagt werden. Kolba geht davon aus, dass sich bis Anfang September 2500 Ergo-Kunden beim VKI melden werden.

 

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