Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

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Heta: Hypo-Abbaubank schließt Insolvenz nicht aus

Posted by hkarner - 19. Juni 2015

18.06.2015 | 18:00 | von Josef Urschitz (Die Presse)

Das Kapitalloch von sieben Mrd. Euro bei der Hypo-Abbaugesellschaft soll durch einen Haircut bei den Gläubigern geschlossen werden. Das Heta-Management ist aber laut Geschäftsbericht nicht sicher, ob das ohne Insolvenz funktioniert.

Wien. Wenn Finanzminister Hans Jörg Schelling sein Versprechen wahrmacht, keinen Cent an Steuergeld mehr in die Abwicklung der früheren Kärntner Landesbank Hypo Alpe Adria zu stecken, dann stehen den Gläubigern der Hypo-Abbaubank Heta Asset Resolution harte Zeiten bevor: Wie berichtet, geht aus der nun vorgelegten Bilanz 2014 hervor, dass den 16,6 Mrd. Euro an Heta-Verbindlichkeiten nur 9,6 Mrd. Euro an Werten gegenüberstehen. Das Kapitalloch beträgt also satte sieben Mrd. Euro – und es wird wohl durch einen Haircut für die Heta-Gläubiger gefüllt werden. Allerdings: Für 10,1 Mrd. Euro haftet noch das Land Kärnten, wie immer letztendlich mit diesen Haftungen umgegangen wird.

Ob es gelingt, die Gläubiger um mindestens sieben Mrd. Euro zu schneiden, ist allerdings noch offen. Da ist bereits ein ganzer Rattenschwanz an Prozessen mit ungewissem Ausgang anhängig. Offenbar hängt über dem Ganzen aber immer noch die Drohkulisse einer Heta-Insolvenz nach dem Auslaufen des Zahlungsmoratoriums im kommenden Jahr.

Darauf deutet jedenfalls eine Stelle im gestern vorgelegten Geschäftsbericht hin, in der es heißt, der von der Abwicklungsbehörde zu erstellende Abwicklungsplan könne zeitlich und inhaltlich noch vom Abbauplan der Heta abweichen, „sodass aus der Sicht des Vorstands Unsicherheiten bestehen, ob eine geordnete Abwicklung der Heta jederzeit außerhalb einer Insolvenz möglich ist“. Im Klartext: Die Heta selbst schließt eine Insolvenz nach Ende des Moratoriums nicht aus und hält diese Möglichkeit immerhin für realistisch genug, um sie im Geschäftsbericht anzuführen. Auch die Finanzmarktaufsicht FMA hat eine Insolvenz der Hypo-Abbaugesellschaft zuletzt für möglich gehalten.

Kritisch wird es unter anderem, wenn bei dem noch immer nicht abgeschlossenen Verkauf der Südosteuropa-Töchter an ein Konsortium aus dem US-Fonds Advent und der Osteuropabank EBRD etwas schiefläuft. In diesem Fall würde der Heta, die in ihrer jüngsten Bilanz 7,9 Mrd. Euro Verlust ausweist, ein zusätzlicher Verlust von einer Mrd. Euro drohen.

 

Teurer „Verkauf“ der Ost-Töchter

Wobei „Verkauf“ vielleicht nicht das ganz richtige Wort für den Vorgang ist: Das Konsortium bezahlt wie berichtet 200 Mio. Euro, dieser Preis könnte laut Geschäftsbericht freilich durch „Kaufpreisanpassungsmechanismen betreffend spezifischer Kennzahlen 2014 und 2015“ noch gedrückt werden. Allerdings lässt die Heta Finanzierungslinien über zwei Mrd. Euro, die noch auf 2,4 Mrd. Euro aufgestockt werden müssen, in der verkauften Osteuropabank. Zusätzlich können die Käufer der Osteuropabank noch faule Kredite, nicht werthaltige Vermögensgegenstände und Risikopositionen bis zum Wert von 800 Mio. Euro an die Heta zurückgeben.

Dem Kaufpreis von bis zu 200 Mio. Euro steht also ein mögliches Risiko für die Heta von insgesamt 3,2 Mrd. Euro gegenüber. Im Geschäftsbericht liest sich das so: „Die Haftung der Heta für Freistellungsansprüche ist betragsmäßig beschränkt; die mögliche Höchsthaftung übersteigt allerdings den möglichen Maximalverkaufspreis in erheblichem Ausmaß.“ In der Bilanz 2014 schlägt sich die Osteuropagruppe mit einem Minus von 1,8 Mrd. Euro nieder.

Teuer kommt auch der „Verkauf“ der italienischen Hypo-Tochter, wenngleich für einen erklecklichen Teil mit der Rückstellung von 1,2 Mrd. Euro in der Bilanz 2014 vorgesorgt worden ist. Das heißt wohl, dass die beabsichtigte Rückführung von Refinanzierungslinien, die die Heta der Italien-Tochter gewährt hat, nicht ganz locker vonstattengehen wird. Die machen nämlich insgesamt 1,6 Mrd. Euro aus. Sollte die dafür gebildete bilanzielle Rückstellung voll benötigt werden, kommen nur 400 Mio. Euro zurück. Zusätzlich steht der im Vorjahr ausgegliederten Italien-Tochter noch eine Emergency Liquidity Facility für den Fall größerer Abflüsse von Kundeneinlagen zur Verfügung, die derzeit aber durch das Zahlungsmoratorium blockiert ist.

Die ausgegliederte Italien-Tochter hat übrigens laut Geschäftsbericht einen negativen Unternehmenswert von 2,4 Mrd. Euro, passt also gut ins Hypo-Gesamtbild. Und sie hat auch noch den Staatsanwalt am Hals: Gegen sechs frühere Manager einschließlich des Chefs ermitteln die italienischen Behörden wegen Malversationen zulasten von Kunden bei Leasingverträgen. Strafen könnten da nicht nur die beteiligten Manager treffen, sondern auch die Bank selbst. Auch diese Strafzahlungen dürften dann auf die Heta zurückfallen. Vorsorgen dafür hat sie jedenfalls schon getroffen.

 

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