Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Hausdurchsuchung bei Ex-Bankchef Stepic

Posted by hkarner - 7. Mai 2015

Renate Graber, Andreas Schnauder, derstandard.at, 7. Mai 2015, 17:48

Steuerliche Probleme und beachtliche Investments machen Herbert Stepic, zu schaffen. Die Ermittler filzten sein Haus und sein Büro in der RBI, die er immer noch berät

Wien – Herbert Stepic ist auch nach seinem Rücktritt als Chef der Raiffeisen Bank International ein umtriebiger Mann. Erst am Mittwoch hat die Austria Presse Agentur ein Interview mit dem Banker über die geopolitische Lage ausgeschickt, das sie am Rande eines Kongresses in New York mit ihm geführt hat. Stepic sprach von einem „jahrelangen Fehlverhalten der EU“ in den Beziehungen zur Ukraine. Wladimir Putin, so will der einstige „Mr. Osteuropa“ der Nation von drei Vertrauten des Kreml-Chefs erfahren haben, wolle den Frieden.

Nicht in Frieden lassen den Finanzmann, Philanthropen und Kunstsammler die Strafbehörden, im Gegenteil: Vergangene Woche intensivierten sie ihre schon länger laufenden Ermittlungen und führten Hausdurchsuchungen durch, erfuhr der Standard aus Ermittlerkreisen. Gefilzt wurde nicht nur Stepics Privatadresse, sondern auch sein Büro in der Raiffeisen Bank International am Wiener Stadtpark. Dort ist er seit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand im Mai 2013 als Senior Advisor tätig. Der Banker sei „mächtig sauer“ gewesen, schildert ein involvierter Ermittler. Vor allem die erfolgten Kontoöffnungen sollen seinen Unmut erregt haben.

„Offshore-Leaks“

Dass die Staatsanwaltschaft gemeinsam mit Finanzbeamten ausrückte, lässt darauf schließen, dass sich die Behörden sehr für die steuerliche Abwicklung seiner Immobiliendeals interessieren. Über die Affäre „Offshore-Leaks“ war vor zwei Jahren in die Öffentlichkeit gelangt, dass sich Stepic über zwei Gesellschaften in Hongkong und auf den Virgin Islands Immobilien in Fernost zugelegt hatte. Darauf folgten sein Abgang und eine Selbstanzeige: wegen „irrtümlich nicht der Besteuerung unterzogenen Einkünften aus Kapitalvermögen“ von 2003 bis 2011.

Neben Wohnungen in Singapur dürfte Stepic weitere Immobiliengeschäfte getätigt haben, deren steuerliche Gestaltung nun ebenfalls evaluiert wird. Dabei spielten auch Beteiligungen an Kommanditgesellschaften für den Immobilienhandel eine Rolle, ist zu hören. Deren steuerlicher Vorteil wurde inzwischen abgeschafft. Im Firmenbuch scheint Stepic als Kommanditist einer im Immobilienhandel tätigen Kommanditgesellschaft auf.

Dass es nicht um Peanuts geht, lässt sich allein schon aus der Zuständigkeit der Korruptionsstaatsanwaltschaft ableiten, die ab einem mutmaßlich hinterzogenen Betrag von fünf Millionen Euro zuständig ist. Und das ist sie jedenfalls, wie ein Sprecher der Behörde bestätigt. Darüber hinaus werden aber keine Angaben gemacht. Auch die RBI will sich zur Hausdurchsuchung bei ihrem Konsulenten nicht äußern. Es gehe um eine private Angelegenheit, sagte eine Sprecherin. Stepic selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, sein Assistent wollte keinen Kommentar abgeben.

Hypo-Connection

Überdies beschäftigte sich die Korruptionsstaatsanwaltschaft bis vor kurzem mit der Causa Enthusa. Dabei geht es um jenen Kredit, den die zypriotische Gesellschaft Enthusa, an der Stepic vorübergehend zu einem Viertel indirekt beteiligt war, für die Errichtung von Immobilien in Serbien von der Hypo Alpe Adria bekommen hatte. Stepic ist laut seinen Angaben vor den Behörden am 24. Juli 2012 aus dem Investment ausgestiegen, es habe ihm einen sechsstelligen Verlust beschert. Enthusa schuldet der Hypo noch 26 Millionen Euro. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien prüfte, ob ein Anfangsverdacht gegeben ist, trat die Causa aber vor wenigen Wochen an die Kollegen in Klagenfurt ab. Stepic wurde aber bis zur Übergabe des Aktes an die Kärntner weder als Verdächtiger noch als Beschuldigter geführt.

Der Banker selbst hat bisher stets alle Vorwürfe zurückgewiesen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Stepic gilt als wichtigster Treiber der Expansion der RBI, die er nach 40-jähriger Tätigkeit verließ und als Lebenswerk bezeichnete. Bei Raiffeisen werkte er noch unter dem Dach der RZB lange als „Außenminister“, bis er 2001 die Führung der damaligen Raiffeisen International übernahm und nach der Neuordnung 2010 auch die Geschicke der RBI leitete. Finanziell musste er sich auch nach seinem Abgang keine Sorgen machen, wäre sein Vertrag doch noch bis Ende 2015 gelaufen. (Renate Graber, Andreas Schnauder, 7.5.2015)

 

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