Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Was tun, um pleite zu machen?

Posted by hkarner - 26. Februar 2015

NZZ.atEine Anleitung von Klaus Woltron in der heutigen WoltronAusgabe(26-2):

Die nachstehenden Handlungsanleitungen sind erprobt: Ich habe meine ganz konkreten, jahrzehntelangen Erfahrungen mit Pleiten und Zusammenbrüchen aller Art in der Praxis verarbeitet.

Alsdann: Die Kunst Pleite zu machen, hängt zum Ersten wesentlich von der Art des Unternehmens ab.

  • Sind Sie Jungunternehmer?
  • Oder haben Sie Ihre Firma über viele Jahre hinweg aufgebaut und wollen Sie sich zurückziehen?
  • Besitzen oder leiten Sie einen Konzern?
  • Oder sind Sie gar Finanzminister, Bundeskanzler oder Präsident?

Für die letzte Gruppe hat er die folgenden Anleitungen:

  • Halten Sie die Wahlversprechen, die Sie abgegeben haben, strengstens ein! Schütten Sie das zugesagte Füllhorn, finanziert mit Anleihen von den gleich nachher beschimpften Kapitalisten, über dem dankbaren Volke aus, und das mehrmals.
  • Besetzen Sie das Finanzministerium mit Experten für Baustoffe, Ackerbau und Viehzucht oder anderen ehrbaren Gewerben. Dasselbe auch im Schulwesen.
  • Belegen Sie die Finanzmarktaufsicht mit politischen Günstlingen.
  • Erweitern Sie den staatlichen Apparat und sorgen Sie so für eine verlässliche, zutrauliche Wählergruppe.
  • Lassen Sie die Finger vom Schulsystem, wenn die wohlerworbenen Rechte und Bräuche dort zu Unwillen bei Schülern und Lehrern führen, und sorgen Sie für einen Stillstand an den Universitäten. Das hilft binnen Zehn-Jahres-Frist sicher.
  • Steigern Sie die Binnenkaufkraft mit neuen Anleihen im Ausland und erhöhen Sie damit die Zinslast.
  • Verhindern Sie jegliche Anpassung im Staatsapparat und dem föderalen System und stoßen Sie um Gotteswillen nicht pietätlos jahrhundertealte, bewährte Regeln um.
  • Erhöhen Sie die Steuern, wenn die Schuldenlast immer drückender wird, verschärfen Sie Regeln und Nomen – verhindern Sie dadurch, dass Unternehmer, ausländische Firmen und Gründer durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze das Arbeitsleid und die Ausbeutung der ansässigen Bevölkerung ins Unerträgliche treiben.
  • Vermeiden Sie klare Beschlüsse, ermüden Sie das misstrauische Volk durch zahllose Arbeitsgruppen, Enqueten und Versuchsprogramme.
  • Ein ganz wichtiger Rat zum Schluss – ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Das Mittel, welches die so unterhaltsame, zeitfüllende und ganz ungefährliche Einsetzung und Durchführung von Diäten- und Publicity-trächtigen Untersuchungsausschüssen garantiert vereitelt, ist die rechtzeitige Sorge um die Vermeidung von deren Entstehen.
  • Lassen Sie sich daher niemals dazu verleiten, die Mühe und den Schmerz rechtzeitiger Vorausschau und pro-aktiven Handelns einreißen zu lassen: Es könnte sein, dass Ihre Beliebtheitswerte dadurch leiden und es keinen Anlass zu nachträglichem Gejammer mehr gäbe.

 

Wenn das Land bereits am Rand der Zahlungsunfähigkeit steht, wird sich immer mehr Unruhe breit machen. Der uralte Streit zwischen Monetaristen und Keynesianern wird entbrennen, Sie werden sich vor völlig konträren Ratschlägen nicht mehr retten können.

Sicher zum Ziel führt sodann das vollständige und konsequenteste Befolgen jeweils nur der einen oder anderen Rezeptur. Vermeiden Sie es, einen wohl ausgewogenen Mittelweg zwischen Sparen und Anspornen, periodischem Leiden und begründeter Hoffnung, Reduktion unproduktiver Altlasten und Unterstützung zukunftsträchtiger neuer Aktivitäten zu beschreiten: Das könnte Sie u.U. um das Erlebnis des Hut-in-die-Hand-Nehmens bringen.

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