Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Der Schuldencheck von EcoAustria für die Industriellenvereinigung – ernst zu nehmen?

Posted by hkarner - 14. Juli 2013

Von: Helmut F. Karner, 14/7

Mir kommt das Ganze (Nachhaltigkeitslücke von 251% des BIP) nicht realistisch vor (viel zu niedrig!). Ist es eine Darstellung des Fiscal Gap, also der Barwert (=abgezinst auf heute) der zukünftigen Netto-Verbindlichkeiten? Da muss man natürlich den Abzinsungsfaktor veröffentlichen, um es einschätzen zu können. Ich erinnere nur an Folgendes: Für die US hat der berühmte und seriöse Larry Kotlikoff das Fiscal Gap mit 1400 % (!) des BIP berechnet („our nation’s true debt—the fiscal gap, which includes all of Uncle Sam’s unofficial spending commitments, net of all the taxes he’ll likely to collect to cover these commitments—is a gargantuan 14 times GDP“). „

Laurence Kotlikoff wrote on Feb 11th 2011, 14:20 GMT

THE US has a fiscal gap—the present value of all its future spending (including servicing its official debt) less all its future taxes of $202 trillion—almost 14 times GDP. Greece, by comparison, has a fiscal gap of about 11 times GDP. To close the US fiscal gap would require raising all federal taxes, immediately and permanently by almost two thirds!

The Economist as well as all other financial media as well as virtually all economists (academic and business) and policymakers are focusing on the official debt. For the US, the official debt is $9 trillion. This is minor compared to the fiscal gap, which includes all liabilities, official and unofficial. The fiscal gap is huge compare to the official debt because Uncle Sam has spent six decades accumulating massive obligations to make social insurance payments, which it carefully kept off the books.

Und das Asset Management der französischen Societe General veröffentlichte folgende Berechnungen SocGen Popular Delusions 11 Feb 2010:

Fiscal Gap SG

In der Studie, der dieses Datenmaterial zugrunde liegt, kommt der Autor, Jagadeesh Gokhale vom Washingtoner Cato Institut auf 409 % für Österreich. Siehe  Measuring the unfunded obligations of Europen countires Gokhale. Deutschland liegt bei 418%. Die Diskrepanz bei den  USA (in dem Schaubild nebenan 500%, bei Larry Kotlikoff oben 1400% erklärt sich wohl durch Obamas Reform des Gesundheitssystems – und wohl auch durch die Liederlichkeit der Berechnungssysteme, das sind halt alles Ökonomen!)

Ecoaustria

Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Defizite und Schuldenstände der öffentlichen Haushalte weltweit massiv ausgeweitet. Die Konsolidierung der Staatsfinanzen ist zu einem bestimmenden wirtschaftspolitischen Thema geworden. Die österreichische Bundesregierung hat beschlossen, den gesamtstaatlichen Budgetsaldo bis zum Jahr 2016 auszugleichen und danach mit einer Schuldenbremse die Neuverschuldung mit 0,45 % des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen.
Österreich weist mit einer gesamtstaatlichen Verschuldung von 73,2 % des BIP und einer Nettoneuverschuldung von 2,5 % eine im internationalen Vergleich relativ günstige Ausgangsposition auf. Die gängigen Fiskal-Indikatoren blenden jedoch die Tatsache aus, dass die öffentliche Hand beträchtliche Verbindlichkeiten aus Leistungsversprechen an derzeit lebende und künftige Generationen aufbaut. Diesen Verbindlichkeiten steht keine entsprechende Rücklagenbildung gegenüber, was zur Konsequenz hat, dass sie aus den laufenden Budgets in der Zukunft gedeckt werden müssen.
EcoAustria hat mit dem „Schulden-Check“ ein Modell entwickelt, das die Nachhaltigkeit der öffentlichen Haushalte in Österreich abbildet. Nach der Methode des „Generational Accounting“ wurde die „Implizite Staatsschuld“ berechnet. Diese stellt auf Basis der geltenden Rechtslage alle gegenwärtigen und zukünftigen Ausgaben des Staates den gegenwärtigen und zukünftigen Einnahmen gegenüber.
Die Berechnungen ergeben eine Nachhaltigkeitslücke von 251 % des Bruttoinlandsprodukts. Zusätzlich zu der bereits vorhanden Staatsverschuldung müsste der österreichische Staat folglich knapp 178 % des Bruttoinlandsprodukts an Fremdmitteln auf den Kapitalmärkten aufnehmen, um die zukünftigen Nettoverpflichtungen zu finanzieren.
Die Ursache für die hohe implizite Staatsverschuldung liegt darin begründet, dass wesentliche Bereiche der öffentlichen Haushalte nicht nachhaltig ausgerichtet sind. Demografische Entwicklungen, wie die steigende Lebenserwartung und niedrige Geburtenraten führen zu erheblichen Belastungen der öffentlichen Haushalte in den Bereichen Pensionen, Gesundheit und Pflege.
Die Berechnungen zeigen, dass bei konsequenter Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen der Staatshaushalt bis zum Jahr 2020 ausgeglichen gehalten werden kann. Danach weitet sich jedoch die Finanzierungslücke des gesamtstaatlichen Haushalts stetig aus. Bis zum Jahr 2060 würde das strukturelle Defizit auf beinahe 8 % des BIP ansteigen. Die mittelfristige Stabilisierung der öffentlichen Haushalte in Österreich wurde auch über eine merkbare und dauerhafte Ausweitung der Abgabenbelastung erkauft. Auf der Ausgabenseite ist zu bedenken, dass durch die Konsolidierungsmaßnahmen der Spielraum für Zukunftsinvestitionen wie Bildung und Innovation eingeengt würde.
Die hohe implizite Staatsverschuldung zeigt auf, dass die gegenwärtige Struktur der öffentlichen Haushalte zu einer Umverteilung zwischen lebenden und künftigen Generationen führen wird. Die Analyse ergibt, dass die laut geltender Rechtslage vom Staat abgegebenen Leistungsversprechen nicht finanzierbar sind. Es müssen künftig also entweder die Abgaben erhöht, oder die Leistungszusagen zurückgenommen werden. Wenn nicht unmittelbar die finanzielle Nachhaltigkeit
sichergestellt wird, müssen zukünftige Generationen die volle Last der notwendigen Anpassungen tragen.
EcoAustria empfiehlt angesichts der ermittelten Ergebnisse, die Fiskalpolitik verstärkt zukunfts-orientiert auszurichten. Dies bedeutet erstens, dass die bestehenden vergangenheitsbezogenen Fiskalindikatoren durch zukunftsorientierte ergänzt werden sollten. Zweitens wird empfohlen, die finanzielle Nachhaltigkeit in den Bereichen Pensionen, Gesundheit und Pflege sicherzustellen. Drittens erscheint es zur Stärkung des Wachstumspotenzials der österreichischen Wirtschaft sinnvoll den Anteil der Investitionen an den Gesamtausgaben zu erhöhen und tendenziell das Abgabenniveau vom derzeit sehr hohen Niveau zu verringern.

pm_schuldencheck_ecoaustria_ergebnisse

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Eine Antwort to “Der Schuldencheck von EcoAustria für die Industriellenvereinigung – ernst zu nehmen?”

  1. […] wieder die falsche Rechnung von EcoAustria. Wenn die nur lernen würden, wie man DCF rechnet. Das hat Larry Kotlikoff schon besser gekonnt. Die […]

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