Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Offener Brief an die österreichische Finanzministerin zum Zypern-Bailout

Posted by hkarner - 16. März 2013

Fekter Brief II

  1. Die kleinen Sparer zur Kasse zu bitten scheint uns kontraproduktiv, weil die (a) wahrscheinlich wenig dafür können und (b) damit vor allem das gefährliche Risiko eines Bank-Runs (Olli Rehn’s Albtraum) befürchtet werden muss
  2. Die Eigentümer der Banken müssen dringend und zu allererst ihren Sanierungsbeitrag leisten, das scheint uns hier nicht ausreichend zu geschehen. Der Hinweis im Ecofin Statement  „a bail-in of junior bondholders“ scheint nicht ausreichend. Und wenn schon, warum nur die „junior bondholders“?
  3. Wir verstehen gerade noch, wenn man den „kleinen“ Sparern für Ihre „upfront one-off stability levy“ von 6,75% eine Beteiligung an den Banken anbietet („Depositors will be compensated by equity in the banks“ wie in vielen Agenturmeldungen zu vernehmen war), warum man dies allerdings den Grossanlegern anbietet, ist uns schleierhaft
  4. Schwarzgeldbesitzer sind für die Banken feststellbar. Warum werden also jene, die wohl mehr als 30 Mrd € im Steuer- und Schwarzgeldparadies angelegt haben, dafür nicht einfach besteuert? Deutschland und Österreich haben dies mit der Schweiz vorgemacht, und daher wissen wir auch, dass eine solche  pauschale Abgeltungssteuer 15-38% ausmachen kann. Wer ein bisschen rechnen kann, sieht  daher, dass damit dem europäischen Bürger die mögliche Belastung von 10 Mrd € Bailout erspart werden könnte.

Mit freundlichen Grüssen,

Dkfm. Günther Robol                                                                                                  Prof. Helmut F. Karner

im Namen des Arbeitskreises

„Finanzwirtschaft“ des Föhrenbergkreises

PS: Der Arbeitskreis Finanzwirtschaft des Föhrenbergkreises beschäftigt sich seit mehr als fünfzehn Jahren mit der Finanzkrise und hat bereits mehrfach zu zentralen Herausforderungen Stellung genommen. Mehr dazu unter:

https://fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com

Eine Kopie des Briefes ergeht an die Parteivorsitzenden und ausgewählte Journalisten

3 Antworten to “Offener Brief an die österreichische Finanzministerin zum Zypern-Bailout”

  1. hkarner said

    Prof. Wolfgang Wimmer
    ich kann nicht ganz verstehen was hier in Zypern passiert. Vielleicht kann ich mit folgendem Beispiel von Ihnen Hilfe fürs Verständnis erhalten:

    Eine Brauerei produziert feines, von allen geschätztes Bier. Nach der starken Erweiterung der Produktionsanlagen ist die Brauerei schwer verschuldet und durch einige andere Umstände (die Nachbarregion setzt seit kurzem auf Wein statt Bier) sind die Umsätze rückläufig. Das Geschäftsmodell ist stark gefährdet, der Konkurs nur mehr eine Frage von Wochen.

    Am Wochenende treffen sich die Verantwortlichen der Brauerei mit Kollegen der Branche sowie mit den Vertretern der Brauunion. Um nicht eine weitere Brauerei zu verlieren wird beschlosen, dass das Verkaufspersonal angwiesen wird ab Dienstag (Montag ist ein Feiertag) beim Verkauf einer Kiste Bier bei unverändertem Preis zum Zeitpunkt des Verkaufs jeweils eine Flasche Bier aus der Kiste zu entnehmen mit dem Hinweis, dass man einen solidarischen Beitrag zu Rettung der Brauerei erwaret. Schlußendlich wird das Bier doch von allen geschätzt und man wolle doch auch in Zukunft dieses Bier haben.

    Von der Ferne beobachten die Anteilseigner der Brauerei das Geschehen (die Brauerei ist eine AG) und hoffen, dass das gut ausgeht. Weiters äußern sie sich dazu nicht.

    Kann das funktionieren? Oder wo ist mein Denkfehler?

    Mit der Bitte um Aufklärung.

    Mit ungläubigen Grüßen

    Wolfgang Wimmer

    PS: Obwohl die regelmäßige Versorgung mit Bier über die Generationen in dieser Region zu einem „Grundrecht“ geworden ist (Annahme!) hat man sich entschlossen schon am Freitag vor Aufnahme der Verhandlungen jegliche weitere Bierlieferungen zu stoppen. Man will Panik vermeiden die Aufkommen könnte wenn die Brauerei schließen müsste und kein Bier mehr geliefert werden könnte. … oder so ähnlich?!

  2. hkarner said

    von Günther Robol:
    Geld kann nicht mit Realgütern in seiner Wirkung verglichen werden – völlig unterschiedliche Entstehung, Nutzung und Vernichtung.
    Eine Überproduktion an Realgütern vernichtet den Produzenten (treibt ihn in den Konkurs, wenn er die Überproduktion nicht am Markt absetzen kann, da eine Speicherung und Reinvestition nicht möglich ist)
    Eine Überproduktion an Geld treibt nicht den Geldvermögensbesitzer in den Konkurs sondern den in der Realwirtschaft produktiv Arbeitenden, da das sich arbeitslos vermehrende Geld (durch Zins und Zinseszins) speicherbar, unverderblich und reinvestierbar ist und daher auch immer steigende Ansprüche an die in der Realwirtschaft erwirtschafteten Erträge erhebt.
    Der „Solidarbeitrag“ einer Flasche Bier ist daher kontraproduktiv und würde die Brauerei nur noch schneller in den Konkurs treiben – sie muss im Gegenteil eine oder mehrere Flaschen gratis dazu liefern um ihre Überproduktion los zu werden und im Geschäft zu bleiben. Wer also eine Flasche einbehält wird vom Markt zur Freude der Konkurrenz verschwinden.
    Bier wird solange produziert und verkauft als es Gewinn bringt und nachgefragt wird – in einem marktwirtschaftlichen System wird es zu keiner Panik kommen. Im Gegensatz dazu wird Geld aus dem Nichts (praktisch kostenlos) geschöpft und vermehrt sich auch ohne Nachfrage (Kreditnachfrage) durch den Zins.
    Günther Robol

  3. hkarner said

    Klaus Gabriel:
    Was zum Zypern Bail-in noch zu sagen ist:

    Die Vorgabe war, einen Beitrag von rund 6 Mrd. Euro der zypriotischen „Sparer“ einzuheben, um die von der Eurogruppe aufgebrachten 10 Mrd. politisch zu rechtfertigen. Für den Beitrag der Sparer galt, dass die Aufteilung zwischen großen Sparern (über 100.000 Euro) und kleinen Sparern (unter 100.000 Euro) so ausfallen muss, dass – aus psychologischen Gründen –¬ keine zweistellige Prozentzahl herauskommt. Der Rest war eine Excel-Tabelle und sogar für die Eurokraten lösbar. Schwierig wurde das nur, weil in den letzten Tagen und Wochen eine enorme Kapitalflucht aus Zypern eingesetzt hat (aber nicht von den kleinen Sparern), weil gut informierte Kreise (auch nicht die kleinen Sparer) rechtzeitig Wind von der Sache bekommen haben. Die „hidden agenda“: die europäische Bevölkerung (insbesondere die kleinen Sparer in Spanien, Portugal, Griechenland, Italien … Österreich?) darauf vorbereiten, dass alle (vor allem die kleinen Sparer) einen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten haben. Da gibt es leider keine Alternative.

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