Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

Anleihekäufe : Banken verlagern Risiken auf Steuerzahler

Geschrieben von hkarner - 20. April 2012

20.04.2012, 10:14 Uhr, Handelsblatt.com

Die Banken der Schuldenstaaten häufen massenweise Staatsanleihen an. Experten sprechen von einem „Risiko durch die Hintertür“. Wenn die Institute gerettet werden müssen, sind auch die Steuerzahler in Deutschland dran.

Ein Börsenhändler in Madrid. Quelle: Reuters

Ein Börsenhändler in Madrid. Quelle: Reuters

Die Banken in Italien und Spanien haben große Bestände an Anleihen aufgebaut – gleichzeitig verlagert sich das Risiko von Zahlungsausfällen von den privaten Gläubigern auf die Steuerzahler.

Die Bestände spanischer Staatsanleihen von spanischen Banken sind innerhalb von zwei Monaten per Ende Januar um 26 Prozent auf 220 Mrd. Euro geklettert, wie aus Daten des spanischen Finanzministeriums hervorgeht. Italienische Banken haben ihre Käufe bei Papieren des Landes in den drei Monaten bis Februar um 31 Prozent auf 267 Mrd. Euro gesteigert, zeigen Daten der italienischen Notenbank.

Wie bei Griechenland müssten die Regierungen ihre Banken mit geliehenen Geldern retten. Und dem Haupt-Finanzgeber, der Europäischen Zentralbank, drohen Verluste. „Je mehr Banken nicht mehr grenzüberschreitend ausleihen, desto mehr schaltet sich die EZB ein und stellt die Finanzierung zur Verfügung“, erläutert Guntram Wolff, stellvertretender Direktor beim Forschungsinstitut Bruegel in Brüssel. „Daher verlagert sich das Risiko der Kernländer gegenüber der Peripherie vom privaten zum öffentlichen Sektor.“

Der Anstieg der Staatsanleihepositionen bei spanischen und italienischen Banken ist von den langfristigen Refinanzierungsgeschäften (LTRO) der EZB über insgesamt rund eine Billion Euro angeschoben worden, die im Dezember und Februar durchgeführt wurden und den Euroraum-Banken Liquidität verschaffen sollen.

Für Kreditgeber in so genannten Peripherieländern – Spanien, Portugal, Irland, Griechenland und Italien – war Profit auch ein Anreiz: Sie konnten das Geld zu 1 Prozent ausleihen, um Staatsanleihen mit einer Rendite von 6 bis 13 Prozent zu kaufen. Kreditinstitute aus diesen fünf Ländern haben von den Sonderprogrammen der EZB, einschließlich der LTRO, etwa 715 Mrd. Euro in Anspruch genommen, wie aus jüngsten Daten der Zentralbanken dieser Länder hervorgeht.

Französische und deutsche Banken haben den Schuldenschnitt in Griechenland verkraftet. Quelle: dpa

Französische und deutsche Banken haben den Schuldenschnitt in Griechenland verkraftet. Quelle: dpa

Griechenland muss Banken rekapitalisieren

Die Anleihekäufe haben dazu beigetragen, zunächst die Fremdkapitalkosten nach unten zu drücken. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Benchmarkanleihe ist im Januar unter fünf Prozent gesunken, verglichen mit über 6,5 Prozent im November. Die Besorgnis, dass die sich verschärfende Rezession zu einem Zahlungsausfall bei den Bonds führen könnte, haben die Renditen wieder auf 6 Prozent getrieben und die Kosten zur Absicherung spanischer Anleihen auf ein Niveau, auf dem andere Euroraum-Staaten um Hilfsgelder bitten mussten.

Irische Banken haben ihre Positionen an Staatsanleihen in den drei Monaten bis Ende Februar um 21 Prozent gesteigert, wie aus Daten der irischen Zentralbank hervorgeht. Die Staatsanleihe-Bestände von portugiesischen Banken sind EZB-Daten zufolge im gleichen Zeitraum um 15 Prozent auf 30 Mrd. Euro gestiegen. Hingegen haben sich französische und deutsche Banken seit 2010 zurückgehalten und ihre Kreditvergabe an Staaten wie Spanien, Portugal, Irland und Griechenland um 42 Prozent gesenkt, wie aus Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hervorgeht. Das Abstoßen von italienischen Anleihen fand eher in jüngster Zeit statt, deutsche Banken haben im zweiten und dritten Quartal 2011 ihr Engagement bei italienischen Bonds um 13 Prozent reduziert.

Zwar haben französische und deutsche Banken beim griechischen Schuldenschnitt im vergangenen Monat Geld verloren. Aber da die Maßnahmen um über ein Jahr hinausgezögert wurde, konnten Risiken an den öffentlichen Sektor verlagert werden. Als der Schuldenschnitt stattfand, war der Schuldenerlass auf 59 Mrd. Euro begrenzt, weil weniger Anleihen sich in den Händen des privaten Sektors befanden. Hätte Griechenland 2010 seinen Zahlungsverbindlichkeiten nicht nachkommen können, hätte der Ausfall bis zu 232 Mrd. Euro betragen.

Griechenland musste zusätzlich 49 Mrd. Euro vom Internationalen Währungsfonds und der EU ausleihen, um griechische Banken zu rekapitalisieren, die ihre Verluste in ihren Staatsanleihe-Portfolios im Zuge der Umschuldung nicht bewältigen konnten. „Sollte es einen Schuldenschnitt bei vom privaten Sektor gehaltenen portugiesischen Anleihen geben, werden die portugiesischen Banken eine Rettungsaktion wie die griechischen Kreditinstitute brauchen“, erläutert Dimitri Papadimitriou, Präsident des Levy Economics Institute in Annandale-on-Hudson, New York.

Eine Anzeigetafel an der Börse in Madrid. Quelle: Reuters

Eine Anzeigetafel an der Börse in Madrid. Quelle: Reuters

Risiko durch die Hintertür

In Spanien können stärkere Banken wie Banco Santander SA, die Nummer Eins in dem Land, Verluste aus ihren Staatsanleihepositionen verkraften. Hingegen werden schwächere Sparkassen, denen notleidende Immobilienkredite zu schaffen machen, Hilfe benötigen, erwartet Papadimitriou. Italienische Banken kaufen wohl mehr heimische Anleihen, weil sie diese an Privatkunden verkaufen können, die immer noch an den Papieren interessiert sind.

Die Banken in Euroraum-Randstaaten stehen unter Druck der Aufsichtsbehörden und der EZB, Staatsanleihen zu kaufen, berichten zwei Manager und ein Bankenaufseher, die um Anonymität baten, da die Gespräche vertraulich seien. Hingegen sollen die deutschen und französischen Aufsichtsbehörden ihre Banken aufgefordert haben, die Ausleihungen an diese Länder zu reduzieren.

So bewertet S&P die Euro-Länder

  • Belgien

    Aktuelles Rating: AA

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AA/watch negativ

  • Deutschland

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: stabil

    Vorheriges Rating / Ausblick: AAA/watch negativ

  • Estland

    Aktuelles Rating: AA-

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AA-/watch negative

  • Finnland

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AAA/watch negativ

  • Frankreich

    Aktuelles Rating: AA+

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AAA/watch negativ

  • Irland

    Aktuelles Rating: BBB+

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: BBB+/watch negativ

  • Italien

    Aktuelles Rating: BBB+

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: A/watch negativ

  • Luxemburg

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AAA/watch negativ

  • Malta

    Aktuelles Rating: A-

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: A/watch negativ

  • Niederlande

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AAA/watch negativ

  • Österreich

    Aktuelles Rating: AA+

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AAA/watch negativ

  • Portugal

    Aktuelles Rating: BB

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: BBB-/watch negative

  • Slowakei

    Aktuelles Rating: A

    Ausblick: stabil

    Vorheriges Rating / Ausblick: A+/watch negative

  • Slowenien

    Aktuelles Rating: A+

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AA-/watch negative

  • Spanien

    Aktuelles Rating: A

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: AA-/watch negative

  • Zypern

    Aktuelles Rating: BB+

    Ausblick: negativ

    Vorheriges Rating / Ausblick: BBB/watch negativ

Deutsche und französische Banken haben ihre Positionen an Staatsanleihen aus Spanien und Italien sowie an irischen und griechischen Papieren seit 2010 um bis zu 50 Prozent gesenkt. „Da deutsche Banken ihr Engagement zurückfahren und heimische Banken dafür in die Bresche springen, werden Kredite wieder eine nationale Sache“, erläutert Michael Dawson-Kropf, leitender Direktor bei Fitch Ratings. „Aber in den meisten Fällen wie in Irland reichen die heimischen Einlagen dafür nicht aus, so dass sie externe Finanzierung benötigen.“

Dann springen die EZB und andere öffentliche Kreditgeber ein und schaffen damit ein “Risiko durch die Hintertür” für reichere Länder wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande, sagt Sean Egan, Präsident von Egan Jones Ratings.

„Wenn Banken aus dem privaten Sektor ihre Verbindlichkeiten abbauen, ist der deutsche Steuerzahler noch nicht aus der Verantwortung”, erläutert Egan. Seine Ratingagentur hat im Januar die Bonitätsnote von Deutschland um vier Stufen auf „A+“ gesenkt, weil sie befürchtet, dass das Land andere EU-Länder retten muss.

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