Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

EZB-Gelder: Die unangenehme Abhängigkeit der Banken

Geschrieben von hkarner - 3. April 2012

03.04.2012, 07:10 Uhr, Handelsblatt.com

Europas Banken werden noch lange von den Geldspritzen der EZB abhängig sein. Im Markt wird allerdings spekuliert, dass einige Institute die Geldspritzen der EZB früher zurückzahlen wollen. Die Experten sind skeptisch.

"Oster"-Hasen vor der Frankfurter Skyline: Die Banken brauchen die EZB. Quelle: dpa

“Oster”-Hasen vor der Frankfurter Skyline: Die Banken brauchen die EZB. Quelle: dpa

Die europäischen Banken werden auch in den kommenden Jahren noch auf die großzügige Bereitstellung von Krediten der Europäischen Zentralbank (EZB) angewiesen sein. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Umfrage unter rund 850 institutionellen Investoren auf einer Konferenz der US-Bank Morgan Stanley, die gestern veröffentlicht wurde.

Eine knappe Mehrheit der Investoren glaubt, dass Griechenland in drei Jahren nicht mehr der Euro-Zone angehört. 72 Prozent rechnen für den gleichen Zeitraum mit einer Umschuldung Portugals. Daher halten 62 Prozent der Experten im Sommer 2015 – nach dem Auslaufen des jüngsten Dreijahreskredits der EZB – neue Finanzierungshilfen seitens der EZB im Umfang zwischen 500 Milliarden und 1,5 Billionen für nötig.

Das wäre eine ähnliche Größenordnung, wie die EZB den Banken im Rahmen ihrer Dreijahrestender im Dezember und Februar zur Verfügung gestellt hatte. Diese hatten zusammen ein Volumen von gut einer Billion Euro. LTRO (“Long-Term-Refinancing-Operation”) heißt diese einzigartige Geldschwemme – EZB-Chef Mario Draghi selbst sprach von großkalibrigen Schüssen mit der “Dicken Bertha”, einem Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg. Ein Bericht, demzufolge eine Reihe von Großbanken die EZB-Mittel bereits in den kommenden zwölf Monaten zumindest teilweise wieder zurückzahlen wolle, wurde in Finanzkreisen mit Skepsis aufgenommen.

Die britische “Financial Times” hatte dabei die Großbanken Unicredit, BNP Paribas, Société Générale sowie La Caixa genannt. Ein Grund für die vorzeitige Rückzahlung wäre der Bedarf an langfristigen Refinanzierungen, die über den Zeitraum von drei Jahren hinausgehen, zitierte das Blatt einen Bankmanager. In Finanzkreisen hieß es dazu, man sei eher skeptisch, ob man bereits jetzt Aussagen zur frühzeitigen Rückzahlung treffen könne. “Es ist schon komisch, dass die Banken das jetzt entschieden haben sollen, es ist ja noch eine Weile hin bis zum ersten möglichen Rückzahlungstermin”, urteilte Jens Kramer, Volkswirt bei der NordLB.

Banken geben sich wortkarg

Möglicherweise sei es auch ein Versuch, die Marktstimmung zu beruhigen oder die Reputation des eigenen Instituts aufzupolieren. Die EZB wollte keinen Kommentar abgeben, ebenso wenig die genannten Banken aus Italien, Frankreich und Spanien. Bei der Deutschen Bank dürfte das Thema eine sekundäre Rolle spielen, weil sie sich nicht auf EZB-Mittel stützt, sondern am Markt langfristige Refinanzierungen erhält.

Der Vorstandsvorsitzende der italienischen Unicredit, Federico Ghizzoni, ließ vergangene Woche anlässlich der Jahresergebnisse wissen, die Bank könnte die LTRO-Milliarden auch vor dem Termin in drei Jahren zurückzahlen. Unicredit habe keine Finanzierungsprobleme, sagte er.

Das habe die Tatsache gezeigt, dass sie Ende Februar – zeitlich mit den neuen LTRO-Krediten – eine Anleihe erfolgreich am Markt platziert habe. “Wir haben vor ein paar Wochen einen nicht gesicherten Bond von 1,5 Milliarden über fünf Jahre begeben und dafür Angebote für fünf Milliarden Euro bekommen”, betonte Ghizzoni. Die italienische Großbank hat insgesamt 26 Milliarden LTRO-Kredite aufgenommen.

Europäische Banken

Die EZB hatte im Dezember und Ende Februar gut eine Billion Euro in den Bankensektor gepumpt, um eine Kreditklemme zu vermeiden. Die beiden Kreditgeschäfte sind jeweils auf drei Jahre ausgelegt, die Verzinsung richtet sich nach dem jeweils aktuellen Leitzins. Sie kann also auch steigen oder sinken, sofern die EZB während der Laufzeit an der Zinsschraube dreht.

Zudem hat sie den Banken die Option eingeräumt, das Geld nach einer Frist von einem Jahr vorzeitig zurückzuzahlen. Nach dieser Haltefrist, die für den ersten Dreijahrestender Ende des Jahres ausläuft, ist eine Rückzahlung jederzeit möglich, sofern der Rückzahlungsbetrag eine Woche im Voraus bei der Notenbank avisiert wird.

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