Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

Elliott ist Griechenlands Staatsfeind Nummer eins

Geschrieben von hkarner - 23. Januar 2012

Hedgefonds

Andreas Schnauder, 20. Jänner 2012 17:34, derstandard.at
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    Wie man angeschlagene Staaten um das letzte Hemd bringt, hat der Hedgefonds Elliott gezeigt

    Bankensprecher Dallara hat Griechenlands Premier …

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    … Papademos gegenüber und Hedgefonds im Nacken.
  • Athen/Wien – Elliott ist ein Hedgefonds, wenngleich kein gewöhnlicher. Der Einstieg bei Firmen – in Österreich wurde der Name durch das Engagement bei Meinl International Power bekannt – zählt eher zu den Ausnahmen. Stärker angezogen fühlt sich Elliott-Gründer Paul Singer von notleidenden Krediten. So lässt sich ungefähr übersetzen, was Profi-Investoren als “distressed debt” bezeichnen.

Die Geschäftsidee: Unternehmen oder Staaten straucheln bei der Bedienung von Schulden; Elliott erwirbt die Kredite wegen des großen Ausfallrisikos mit hohen Abschlägen und fordert dann den vollen Betrag zurück. So geschehen bei betrieblichen Großpleiten wie Enron und WorldCom. Ebenso bei Staatsbankrotten wie jenen Argentiniens und der Republik Kongo. Oder gerade jetzt beim Schuldenschnitt Griechenlands.

Mit gewiefter Taktik und beinharter Verhandlungsführung schaffte Elliott bisher eine jährliche Wertsteigerung von durchschnittlich 14,6 Prozent, weswegen immer mehr Investoren Singer ihr Geld anvertrauen. Zuletzt verwaltete das New Yorker Investmenthaus 16 Milliarden Dollar.

Das Meisterstück gelang in Peru im Rahmen der Umschuldung des Landes, und das Beispiel zeigt, welchen Gefahren Athen ausgesetzt ist. Der Staat entledigte sich 1995 eines Teils seiner Schuldenlast und wählte dabei den vom Währungsfonds unterstützten, vom früheren US-Außenminister Nicholas Brady initiierten und nach ihm benannten Plan. Drei Monate nach Verkündigung des Haircuts deckte sich Elliott um elf Millionen Dollar mit den stark gesunkenen Anleihen ein.

Noch bevor die Umtauschkonditionen für die am Markt befindlichen Schuldverschreibungen zwischen Lima und dem Bankenverband ausverhandelt waren, hatte Elliott die Auszahlung des vollen Nennwertes der Anleihen gefordert. Ein lokales Gericht wies den Antrag ebenso zurück wie in der Folge ein New Yorker Richter. In der Berufung bekam der Hedgefonds recht und erhielt 55,6 Mio. Dollar zugesprochen – darin inkludiert neben der Schuldenrückzahlung auch ausständige Zinsen.

Das war freilich nur die halbe Miete, verweigerte Peru doch die Zahlung. Daraufhin zapfte Elliott die Überweisung der Zinsen an die Inhaber der BradyBonds via Gericht an und gewann unter anderem vor einem Brüsseler Gericht, das wegen des belgischen Sitzes des Clearinghauses Euroclear zuständig war. Peru transferierte kurz darauf 58,45 Mio. Dollar an Elliott.

Neben Singers Vehikel haben weitere Hedgefonds wie Saba Capital, CapeView oder TTN hohe Anleihenbestände in Griechenland günstig aufgekauft. Da sie keinen freiwilligen Forderungsverzicht akzeptieren, steht die Rückzahlung des vollen Schuldbetrags im Raum. Athen droht nun, rückwirkend Klauseln in die Anleiheprospekte einzufügen, wonach ein Schuldenschnitt bei entsprechender Zustimmung von beispielsweise 75 Prozent von allen Gläubigern zu akzeptieren ist.

Darüber, ob diese Vorgangsweise im Fall des Falles halten würde, wird derzeit kontroversiell diskutiert. Erschwerend für Griechenland kommt hinzu, dass die Europäische Zentralbank rund 40 Milliarden Euro an Staatsanleihen hält und zu keinem Verzicht bereit ist. Das würde den Hedgefonds Munition liefern, die sich auf eine Gleichbehandlung mit der EZB berufen wollen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)

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