Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

Das Kapital: Der Weltbankenverband schafft sich ab

Geschrieben von grobol - 18. Oktober 2010

FTD, 15/10

Nichts gegen gutbezahlte, selbstgerechte und überzogene Lobbyarbeit – das ist das Berufsbild. Aber was der Weltbankenverband da am Sonntag abgesondert hat, ist nur noch dreist und schamlos.

Viele Kabarettisten beschwerten sich zu Helmut Kohls Zeiten, dieser Kanzler mache sie arbeitslos, da er fleischgewordene Realsatire sei. Ähnlich empfinden derzeit Kritiker der heutigen Bankenlandschaft, da das System sein Wesen so offen zur Schau trägt, dass es keines investigativen Journalismus mehr bedarf. Die am vergangenen Sonntag vom Weltbankenverband IIF unter Josef Ackermann  veröffentlichte Presseerklärung ist dafür ein zitatreiches Beispiel.

Der Verband leitet seine Brandschrift in diplomatisch wenig vollendeter Manier mit Aufforderungen und Vorwürfen ein. Beim nächsten G20-Treffen sollten die globalen Regierungs- und Regulierungseliten doch bitte “hoch koordinierte und multilaterale Bemühungen starten, um die großen ökonomischen, wechselkurstechnischen und finanzregulatorischen Fragen zu klären”.

Es sei dabei “wichtig, dass sie sich der Auswirkungen von Regulierungsreformen auf die wirtschaftliche Erholung und den Arbeitsmarkt vollkommen bewusst seien”. Man ist geneigt hinzuzufügen: So wie sich die globalen Banken ja auch der Auswirkungen ihres Tuns auf die Weltwirtschaft bewusst waren. Der rührige Bankenverband präzisiert: Die “Herausforderung besteht darin, die Erholung zu gewährleisten und alle Vorstöße zu verhindern, die nur engen nationalpolitischen Interessen gelten, die globalen Probleme aber verschärfen”.

Da hat der Bankenverband aber mal den Finger in die Wunde gelegt, engstirnige nationale Interessen – etwa wenn die Schweiz, deren BIP einem Fünftel der Bilanzsumme von UBS  und CS entspricht, ihren Banken strengere Vorschriften macht. Der Bankenverband hat ja seinerseits stets das Große, Ganze im Blick, das globale Allgemeinwohl.

Deswegen folgen dann auch konkrete Aufforderungen an die Politik: protektionistische Maßnahmen zurückfahren, glaubwürdige staatliche Schuldenrückführungsprogramme ausarbeiten sowie die Formulierung einer klaren Agenda, wie die globalen Handelsbilanzungleichgewichte in den Griff zu bekommen sind. Aber hallo, das wird man ja wohl als Weltbankenverband noch mal fordern dürfen, dass die Politiker ihre Sauställe aufräumen.

Weiter geht es mit der rhetorischen Volte, sich zunächst ein wenig in Demut zu üben, eigene Fehler anzuerkennen und die Notwendigkeit von Basel III zu bejahen, bevor es abrupt heißt: Es gibt keinen Zweifel, dass “Reformen die wirtschaftliche Erholung bremsen werden”. Aha, und das heißt als Schlussfolgerung also keine Reformen mehr? Doch die heuchlerischen Höhepunkte kommen noch: Die Finanzreformen könnten der Entstehung neuer Arbeitsplätze im Wege stehen und die Banken daran hindern, kleinen und mittleren Firmen die notwendigen Kredite zu geben. Großes Kino.

Der Mittelstand, der insbesondere den Investmentbanken so am Herzen liegt, müsste also unter den Reformen am meisten leiden. Warum nicht gleich den kleinen Mann auf der Straße bemühen, da müssen auch immer alle gleich weinen. Kleiner Tipp: Einfach Boni und Dividenden kürzen, schon ist genug Geld für die Bedürftigen da. Es folgt der enthüllendste aller Sätze: Man müsse “aufpassen, wie die Reformen von den Investoren wahrgenommen werden – die Kapitalkosten werden sonst steigen”. Da hat man keine Fragen mehr, außer: Will der IIF eigentlich noch ernst genommen werden?

   … Ist der Ruf erst ruiniert lebt sich’s gänzlich ungeniert! (GR)

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