Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

„Das wird uns später noch alles auf den Kopf fallen“

Posted by hkarner - 16. Oktober 2009

16.10.2009 | 08:28 | Jochen Hahn (Wirtschaftsblatt)

als hätte Marc Faber den Föhrenbergkreis Blog abgeschrieben. Er hat es allerdings nicht notwendig! Übereinstimmung mit unseren Positionen: 95-100% (nur  das Eintreffen der Hyperinflation sehen wir früher!)

faber_marc_peroutka20091016081715Guru-Time. Die Schweizer Investoren-Legende Marc Faber bleibt ihrer pessimistischen Linie treu und erklärt im ausführlichen Interview mit dem INVESTOR, dass sich die geldpolitischen Fehler der Vergangenheit wiederholen und dadurch Hyperinflation droht.

Die Börsen haben den nahenden Aufschwung bereits mit kräftigen Kursgewinnen seit März gefeiert. Nun kommt die Rally etwas ins Stocken. Der Schweizer Börseguru Marc Faber erklärt, wie sich Anleger am besten verhalten sollen.

INVESTOR: Herr Faber, die Börsen starten seit März kräftig durch. Niemand hätte ein derartiges Comeback erwartet. Generell hat man das Gefühl, dass die Börsen die Wirtschaftskrise momentan gar nicht so sehr widerspiegeln. Ist alles tatsächlich halb so schlimm?

Marc Faber: Halb so schlimm ist es nicht. Mit Blick auf die Finanzwerte wird schnell deutlich, welches Ausmaß die Krise hat. Die Kurse haben sich zwar sehr rasch erholt, sind aber noch meilenweit von ihren Ständen vor dem Crash entfernt. Da braucht man sich ja nur den Kurs der US-Großbank Citigroup ansehen, der steht noch immer 90 Prozent unter seinem Hoch. Oder werft einen Blick auf euren ATX, der hat ja auch erst einen Bruchteil der Verluste aufgeholt. Es hat also tatsächlich eine immense Reichtumsvernichtung stattgefunden.

Aber Sie gehen davon aus, dass das Schlimmste vorbei ist – für die Börsen wie auch für die Wirtschaft?

Also bis jetzt sehe ich noch keine wirkliche Erholung der Wirtschaft. Von der Hochkonjunktur 2006/2007 sind wir weltweit um rund 20 Prozent abgefallen, aber das waren Boomzeiten mit enormen Überhitzungstendenzen und Überkapazitäten. Also eine Depression ist das keinesfalls. Außerdem muss man zwischen den verschiedenen Branchen differenzieren, es ist nicht alles schlecht. Es gibt viele Konzerne, bei denen die Gewinne nicht eingebrochen sind oder sogar steigen. So zum Beispiel im Pharmasektor oder speziell bei asiatischen Nahrungsmittelkonzernen.

Was steht dann einem „V“, also einer sofortigen und raschen Wirtschaftserholung im Wege?

Wir sind von einem sehr hohen Niveau gefallen, das keine natürlichen Ursachen hatte. Es war zum großen Teil durch Überverschuldung und billiges Kapital getrieben. Ich sehe also weit und breit nichts, was uns wieder auf dieses Niveau heben könnte. Ganz im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit insbesondere in den USA wird noch kräftig weitersteigen und den privaten Konsum hemmen. Die Bereinigung der Überkapazitäten hat kaum stattgefunden, und die milliardenschweren staatlichen Stimulationspakete werden nicht ewig stützen. Setzt man die Höhe der Staatshilfen mit dem konjunkturellen Effekt ins Verhältnis, dann ist das Ergebnis sogar enttäuschend. Trotz allem befindet sich die US-Wirtschaft nämlich in einem äußerst schlechten Zustand. Die Vereinigten Staaten verharren lediglich auf Stabilisierungsniveau.

Wie sehr viele Experten halten Sie also Programme wie die Verschrottungsprämie für die Autoindustrie für Unsinn.

Natürlich, schauen Sie in die USA. Das Programm „Cash for Clunkers“ hat nur Vorzieheffekte gebracht. Nun ist die Förderung abgelaufen und prompt knicken die Umsätze wieder ein. Wer soll sich 2010 also noch ein Auto kaufen? Gesamtwirtschaftlich sehe ich derartige Subventionen als schädlich an. Daher könnte ich mir durchaus vorstellen, dass wir demnächst vor einem neuerlichen schweren Wirtschaftseinbruch stehen. Weil, wenn eine Erholung kommt, dann ist sie wieder nur von der Geldmenge getrieben und folglich nur temporär. Auch nach 2001 war ja die Haupttriebfeder nur das billige Geld, das war ein geborgter Boom.

Die Mittel zur momentanen Krisenbewältigung unterscheiden sich aber auch nicht sehr von denen nach dem Platzen der Technologieblase oder jenen nach 9/11. Es wird schlicht und einfach Geld gedruckt.

Richtig, die wirklichen Probleme sind dadurch keinesfalls gelöst. Die expansive Geld- und Finanzpolitik wendet man auch heute wieder an, nur in einem noch viel größeren Ausmaß. Das wird uns viel später noch alles auf den Kopf fallen.

Umgelegt auf die Börsen bedeutet das wohl, dass alles, was wir bislang an Erholung gesehen haben, nur eine technische Reaktion, also eine Bärenmarkt-Rally, auf die davor gesehenen Verluste ist. Dafür sprechen ja auch die vergleichsweise geringen Umsätze.

Ich würde mich schon zu jenem Lager zählen, das davon ausgeht, dass kurzfristig wieder eine Korrektur ansteht. Auf der anderen Seite, mit einem etwas weiteren Horizont, ist es schon so, dass expansive Geldpolitik mit quasi Nullzinsen dazu führt, dass die Bewertung aller Vermögenswerte sehr schwierig wird. Dementsprechend wandert automatisch ein Teil der freien Mittel in den Aktienmarkt. Immerhin erwirbt ein Anleger damit zumindest ein Eigentumsrecht, und wenn er auf die richtigen Pferde setzt, dann erhält er auch satte Dividenden. Da lässt es sich schon beruhigter auf wieder bessere Zeiten warten. Ich kann ihnen etwa in Thailand einen ganzen Korb an Aktien nennen, die jährliche Renditen zwischen drei und sieben Prozent abwerfen und noch immer nicht teuer sind

Sie könnten sich also tatsächlich vorstellen, dass sich der Aktienmarkt langfristig komplett von der Realwirtschaft abkoppelt? Schon alleine deshalb, weil so viel billiges Kapital vorhanden ist?

Natürlich, das kann ich mir durchaus vorstellen. Eine Depression und steigende Aktienkurse, das ist kein Widerspruch. Nämlich dann, wenn es ein Szenario mit extrem hoher Inflation gibt. Einen derartigen Ausnahmefall gab es schon einmal in Mexiko. 1979 bis 1988 stieg die mexikanische Börse von 1000 auf 139.000 Punkte. Und sogar auf Dollar-Basis ging sich ein Plus von 48 auf 62 Punkte aus. Ich habe das damals in Südamerika selbst untersucht und bin dort auch eingestiegen. Weil es in einem solchen Szenario irgendwann zu einem Punkt kommt, an dem die Börse eine eklatante Unterbewertung aufweist und dann die galoppierende Inflation wieder aufholt.

Woran sollen sich Anleger derzeit also orientieren? Gibt es einen Gradmesser für anstehende Inflation?

Den gibt es, schauen sie sich den US-Dollar an. Die US-Währung ist ein Gradmesser dafür, wieviel Liquidität ins System kommt. Derzeit bedeutet ein schwacher Dollar steigende Börsen und ein starker Dollar fallende Börsen. Stellen sie sich also vor, der S&P 500 beginnt wieder in die Knie zu gehen und Richtung 900 oder 800 Punkte zu fallen. Herr Bernanke wird spätestens dann wieder wie verrückt beginnen, Dollar zu drucken und Anleihen aufzukaufen. Und es werden noch mehr Stimulationspakete kommen.

Wer sich nun aber nicht darauf verlassen möchte, dass ein Aktieninvestment vor Depression und Hyperinflation schützt – was raten Sie dem?

Momentan denkt jeder, Bargeld und Anleihen sind das sicherste. Das ist aber ein grober Fehler, denn langfristig werden wir bedeutend höhere Inflationsraten erleben. Und zwar generell und nicht nur auf die USA beschränkt – Edelmetalle und Minengesellschaften sind daher Pflicht. Vor allem sind jene Minen zu bevorzugen, die auf erhebliche Reserven zurückgreifen können. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass im schlimmsten Krisen- und Inflationsfall die Staaten dafür sorgen werden, dass der Goldpreis steigt, das war immer so. Ich überlege mir jeden Tag, ob ich nicht mein gesamtes Geld in Gold parken soll, aber momentan fehlt mir noch etwas der Mut.

Apropos Inflation. Wenn Sie von hohen Inflationsraten sprechen, welches Nievau meinen Sie damit?

Die Haushaltsdefizite dürften sich krisenbedingt weiter ausweiten. Damit dürfte es den Notenbanken sehr schwer fallen, die Zinsen anzuheben. Schließlich würde das auch eine gehörig höhere Zinslast für die öffentlichen Haushalte bedeuten. Dadurch wäre spätestens in zehn Jahren ein Punkt erreicht, wo rund 50 Prozent des Staatshaushaltes, etwa in den USA, nur noch zur Bedienung von Staatsschulden herangenommen werden muss. Und spätestens dann wird den Notenbanken nichts anderes übrig bleiben, als noch mehr Geld zu drucken. In den USA warten zusätzlich noch 59 Billionen Dollar an Verbindlichkeiten, die außerbudgetär laufen, nämlich an Zahlungsverpflichtungen für Sozialleistungen und das Gesundheitssystem. Wer soll das alles bitte bezahlen? Eine Erhöhung des Pensionsalters oder Steuererhöhungen werden nicht helfen. Und um einen Staatsbankrott zu verhindern, wird vorher sicher Hyperinflation akzeptiert, auch auf die Gefahr hin, dass dann jegliche Prosperität beim Teufel ist. Gelddrucken schafft nun mal keinen Wohlstand.

Ihr Szenario der hohen Inflation mit niedrigen Zinsen ist dann aber auch für verschuldete Privathaushalte eine Chance zur Entschuldung.

Das ist natürlich richtig, aber Inflation löst nur temporär das Problem der Überverschuldung. Es entstehen dadurch auch neue. Hyperinflation ist aus meiner Sicht so ziemlich das Schlimmste, das einer Gesellschaft passieren kann, weil es zu einer immensen Umverteilung von Vermögenswerten kommt und im Normalfall der Mittelstand immer komplett verarmt, weil die Löhne der Inflation nicht folgen können. Und eines ist gewiss, die Elite profitiert immer. Schauen sie nach Zimbabwe, dort sind die Reichen noch immer reich.

Auch wenn sich jegliche weitere Frage bezüglich einer Anlagestrategie bei einem derartigen Horrorszenario erübrigt – sollten Anleger momentan nicht trotzdem den Fuß in der Börsentür behalten, zumindest solange der Aufwärtstrend noch intakt ist und alles von einem Konjunktur-Comeback spricht?

Ich würde mich zwar nicht wetten trauen, dass eine Hyperinflation erst in zehn Jahren kommt. Aber natürlich, wir müssen alle Geld verdienen. Als Anleger muss man bis dahin schauen, möglichst bei jeder Asset-Bubble dabei zu sein. So dramatisch die Verluste aufgrund der Finanzkrise an den Börsen waren, genauso unwahrscheinlich war dann auch die Erholung seit März. Die Börsen sind um über 50 Prozent gestiegen, der Ölpreis hat sich vom Tief bei 32 Dollar mehr als verdoppelt, und der Kupferpreis hat noch stärker haussiert. Es ist leider nicht mehr möglich, eine Strategie für die nächsten fünf Jahre auszuarbeiten und diese beruhigt zu verfolgen. Heute gilt der Horizont maximal für sechs Monate, und die Volatilitäten sind extrem hoch. Es ist normal, dass sich eine früher konservative Aktie binnen einer Woche um 20 Prozent bewegt. Was auch immer ein Anleger also tut, er muss sich bewusst sein, dass sein Investment in diesem Ausmaß auch verlieren kann. Wer mit dieser Volatilität nicht zurande kommt, der darf gar nicht investieren, sondern sollte gleich ins Altersheim oder im Bett bleiben. Die vielbesagte Diversifizierung bleibt aber eigentlich niemandem erspart.

Um kurzfristig optimal eingestellt zu sein und Volatilitäten auszunutzen, bleibt einem modernen Anleger also nichts anderes übrig, als auch charttechnisches Handwerkszeug zu beherrschen?

Leider funktioniert das aber auch nicht immer. Es gibt regelmäßig Punkte, an denen Signale nicht klar zu deuten sind. Vor dem Platzen der Technologieblase und dem Absturz der Nasdaq im Jahr 2000 hat schon Monate davor vieles auf einen Absturz hingedeutet, gekommen ist er dann schließlich im März. Hingegen war heuer im März schon klar, dass wir uns sehr nahe am Tiefpunkt befinden und zumindest eine temporäre Erholung einsetzen wird. Die Situation war zum damaligen Zeitpunkt extrem überverkauft. Märkte in Asien wie Südkorea oder Japan waren immerhin auf 20- bzw. 30-Jahres-Tiefs.

Apropos Asien, viele Experten schieben dieser Region eine positive Sonderrolle in der Krise zu. Kann sich Asien tatsächlich etwas abkoppeln?

  Also die Industrie in dieser Region kann sich nicht entkoppeln, aber die Abhängigkeit gegenüber den USA hat sich in den vergangenen 20 Jahren doch deutlich verringert. Dafür geht es der Binnenwirtschaft nicht so schlecht. Ich würde sagen, dass die Asienkrise bedeutend schlimmer für die Region war als die momentane Situation ist. Wenn sie sich die Handelsmetropolen Hongkong und Singapur anschauen, dort merkt man auf den ersten Blick gar nichts von der Wirtschaftskrise. Die Einbrüche in der Exportquote von Singapur sind zwar dramatisch, aber die Auswirkungen sind vernachlässigbar, denn ein Großteil davon wird nicht selbst produziert, sondern davor importiert und dann einfach weiterverschifft. Schauen sie mal auf die Einkaufsstraßen, da geht es zu wie zu Zeiten der Hochkonjunktur. Vielleicht wird ein bisschen weniger gekauft, aber das Niveau liegt noch immer bedeutend über dem vor ein paar Jahren. Bei den Hotels ist es ähnlich. Da werden zwar immer die sinkenden Zimmerpreise als Rezessionsfolge genannt, die haben aber nicht ursächlich mit der Rezession zu tun, sondern liegen an dem in der vergangenen Zeit deutlich gestiegenen Bettenangebot. Die Auslastungsquote liegt noch immer bei rund 80 Prozent. Oder schauen sie nach China, dort haben sich die Auto-Zulassungszahlen zuletzt verdoppelt.

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