Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Unkonventionelle Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft

US-Geldpolitik: Ein Blasebalg namens Fed

Posted by hkarner - 4. November 2010

Handelsblatt, 4/11

Die allmächtige Wall Street hat von der US-Notenbank bekommen, was sie gefordert hat – mal wieder. Die Fed sorgt für weitere 600 Mrd. Dollar an frischer Liquidität. Der jüngste Schritt ist nur die Fortsetzung einer Serie gravierender Fehlentwicklungen in den USA. Die Saat für die nächste Spekulationsblase ist gelegt.

Matthias Eberle Quelle: Pablo Castagnola

Matthias Eberle Quelle: Pablo Castagnola

Wir Journalisten sind längst müde geworden, die Nullen vor dem Komma zu zählen. Mit einer historisch einmaligen Geldschwemme machen sich die USA auf den Weg Richtung Absurdistan, und die Welt schaut dabei staunend, aber kaum mehr sorgenvoll zu. Die Finanzmärkte applaudieren. Investoren freuen sich auf noch mehr billiges Geld. Die Kritiker des sogenannten “Quantitative Easing” sind verstummt, kaum dass die Schmerzen der jüngsten Boom & Crash-Ära einigermaßen verdaut sind. Weshalb eigentlich? Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 galt es unter Experten nur als ausnahmsweise erlaubt, einen Billionenbetrag in die Märkte zu pumpen, um den weltweiten Bankenkollaps zu verhindern. Wer will diese Berechtigung jetzt noch unterschreiben, eineinhalb Jahre nach dem offiziellen Ende der Rezession? Jene 600 Mrd. Dollar, die die US-Notenbank Fed jetzt wieder in Umlauf bringt, entsprechen ziemlich genau dem Bruttoinlandsprodukt Indonesiens, immerhin der größten Volkswirtschaft in Südostasien. Das lässt den Schluss zu: Entweder bringt Indonesien von Januar bis Dezember nicht viel auf die Beine, oder der Dollar dürfte bei Lichte betrachtet nicht mehr viel wert sein.

Der jüngste Schritt der Fed ist nur die Fortsetzung einer Serie gravierender Fehlentwicklungen in den USA. Anstatt sich der überbordenden Schuldenproblematik zu stellen, unangenehme Wahrheiten zu akzeptieren und entsprechend schmerzhafte Veränderungen im Land einzuleiten, bleibt Stimulus auf Pump die einzige Strategie der US-Oberen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Milliarden aus dem Helikopter des Ben Bernanke vor allem die nächste Spekulationsblase finanzieren, nicht aber den am Boden liegenden Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Volkswirte der US-Beratungsfirma Macroeconomic Advisors gehen davon aus, dass sich die Arbeitslosenrate in den USA selbst bei Anleihe-Aufkäufen im Volumen von 1,5 Billionen Dollar nur um magere 0,3 Prozent senken ließe. Mit anderen Worten: Dem Heer von mehr als 30 Millionen Jobsuchenden ist mit dicken Geldspritzen nicht sonderlich geholfen (solange sie nicht in einer 1,5 Billionen Dollar schweren Bildungsoffensive münden).

Weit stärker wirkt der Blasebalg der Fed in eine andere Richtung. Das viele billige Geld lädt Hedge-Fonds und andere Investoren ein, immer höhere Wetten in Aktien, Rohstoffen und Wachstumsregionen wie China oder Brasilien einzugehen. Zu unterschätzen ist diese Gefahr nicht. Der Zentralbankchef von Hongkong, Norman Chan, hat umgehend nach der Fed-Entscheidung davor gewarnt, dass das Risiko einer Preisblase im heimischen Immobilienmarkt steige. Dabei gilt wie eh und je: Je größer die Blase, umso lauter der Knall. Auch auf dem Feld der Währungen löst die jüngste Aktion der Fed weitere Unruhe aus, weil der Dollar zwar noch geordnet, aber stramm nach unten marschiert. Sollte die von den USA gewünschte Abwertung des Greenbacks aber in einen Kursrutsch münden, ginge der internationale Währungskrieg erst richtig los. Bernanke wagt ein überaus riskantes Spiel. Die Wall Street will es so.

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