Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

Der Staat ist der Störenfried auf den Währungsmärkten

Geschrieben von hkarner - 7. Oktober 2010

Handelsblatt.com, 7/10

Flexible Wechselkurse sind unverzichtbar, wenn wir weltweit in Frieden zusammenleben wollen. Der Versucht, sie aneinanderzuketten, schafft nur zusätzliche Spannungen.

von Torsten Riecke

Auf den Währungsmärkten brennt es, und die staatliche Feuerwehr rückt mit der Ölpumpe aus, um den Brand zu löschen. Anders lässt sich der neuerliche Wunsch nach stabileren – sprich festen – Wechselkursen nicht interpretieren. Wieder einmal setzt sich der groteske Reflex vieler Politiker durch, ein Staatsversagen (verfehlte Eingriffe in den Devisenmarkt) durch noch mehr Staat (noch mehr Interventionen) zu verschlimmbessern. Die Spannungen auf den Währungsmärkten gibt es schließlich nicht, weil die Kurse zu flexibel, sondern weil sie nicht flexibel genug sind. Chinas Währungsmanipulationen sind dafür nur das beste, aber bei weitem nicht das einzige Beispiel.

Zu einem globalen Währungspakt nach dem Vorbild des Bretton-Woods-System wird es schon deshalb nicht kommen, weil die Interessen der großen Wirtschaftsmächte für ein gemeinsames Vorgehen zu unterschiedlich sind. Selbst ein neues Plaza-Abkommen über abgestimmte Eingriffe auf den Devisenmärkten erscheint illusorisch, würde es doch von den Beteiligten große strukturelle Reformen in ihren Volkswirtschaften verlangen. Niemand ist bislang dazu bereit.

Beispiel China: Um den künstlich niedrig gehaltenen Yuan von der staatlichen Leine zu lassen, müssten die Chinesen ihre Wirtschaft so verändern, dass sie weniger von Exporten und mehr von der Binnennachfrage abhängig ist. Dazu wäre jedoch ein Lohn- und Sozialsystem notwendig, das es dem Milliardenvolk erlauben würde, weniger zu sparen und mehr zu konsumieren. Dafür ist die Zeit nach Meinung der Politkommissare aber noch nicht reif. Die Exportnationen Deutschland und Japan stehen vor ähnlichen Herausforderungen.

In Amerika ist die Lage genau umgekehrt. Die einstige Wachstumslokomotive braucht nach der Finanzkrise dringend eine Atempause, um ihre Schulden abzubauen. Die Sparquote muss also rauf, der Konsum runter. Das geschieht langsam. Nur: Solange niemand anderes die Nachfragelücke füllt, die Amerikas Verbraucher hinterlassen, springen Regierung und Notenbank in Washington in die Bresche und versuchen, mit noch mehr Schulden die Binnennachfrage wieder anzuheizen. Mit dem Ergebnis, dass sich die globalen Ungleichgewichte wieder verstärken und der dadurch erzeugte politische Druck sich auf den Währungsmärkten ein Ventil sucht.

Die Protagonisten einer neuen Währungsordnung übersehen außerdem, dass die von Paris präferierte und von Peking praktizierte Fixierung von Wechselkursen noch mehr Chaos auf den Devisenmärkten anrichten würde. Mal davon abgesehen, dass es schon schwer genug ist, faire oder – wie Kanzlerin Merkel es nennt – „realistische“ Wechselkurse zu bestimmen. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Phase, in der sich die Kräfteverhältnisse rasant verändern. Fixkurse lassen sich daher nur mit erheblichen Kosten und massiven Staatsinterventionen eine Zeit lang verteidigen. Danach würde der neue Währungspakt unter dem Druck der wirtschaftlichen Machtverschiebungen zerbrechen.

Die ernüchternde Erkenntnis ist, dass flexible Wechselkurse trotz ihrer großen Schwankungen unverzichtbar sind für die friedliche Koexistenz unterschiedlich entwickelter Volkswirtschaften. Solange die halbe Welt ihre Wechselkurse auf die eine oder andere Art manipuliert, sollten wir nicht dem Markt die Schuld für die aktuellen Währungsspannungen geben und nach noch mehr Staatsinterventionen rufen. Besser, die Politiker halten sich an den hippokratischen Rat und unterlassen alles, was die Lage noch verschlechtern könnte. Flexible Wechselkurse sind trotz ihrer Schwankungen unverzichtbar. Der Autor ist Korrespondent in Zürich.

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